Schwarze Rebellen unter sich

Wolfgang Bosbach liebt sein Heimatland. "Es ist immer noch ein Glück, in Deutschland geboren zu werden und arbeiten zu dürfen", ruft er am Donnerstag ins Festzelt. Und ja, das ist ihm wichtig: "Das soll auch so bleiben!" Die Menge johlt. Volksfeststimmung in Crailsheim.

KARSTEN DYBA |

Wolfgang Bosbach liebt sein Heimatland. "Es ist immer noch ein Glück, in Deutschland geboren zu werden und arbeiten zu dürfen", ruft er am Donnerstag ins Festzelt. Und ja, das ist ihm wichtig: "Das soll auch so bleiben!" Die Menge johlt.

Volksfeststimmung in Crailsheim. Zur traditionellen Auftaktkundgebung der CDU spricht Wolfgang Bosbach, Bundestagsabgeordneter der Union aus Bergisch Gladbach. Seinem Hohenloher Publikum empfiehlt der Rheinländer einen "gesunden, einen fröhlichen Patriotismus", bei dem man auch mal stolz sein darf, Deutscher zu sein. "Ich möchte, dass man es sagen darf, ohne in die rechtsradikale Ecke gestellt zu werden." Das trifft den Nerv des Publikums an den Biertischen.

Man kommt in Lederhose, Trachtenjanker oder Dirndl - nur die Politprominenz bevorzugt meist den Anzug. Im rappelvollen Bierzelt sitzen Bürger und Bürgermeister, meist Anhänger der CDU, und am Ende wird natürlich stolz die Nationalhymne gesungen. Hier und da stehen kleine Weingläser auf den Tischen mit dem Konterfei des Hohenloher CDU-Bundestagskandidaten Christian von Stetten, die daran erinnern, dass dem Volksfestauftakt diesmal eine Bundestagswahl folgt.

Darum ist Bosbach gekommen. 50 Wahlkampfauftritte hat er in der ganzen Republik zurückgelegt. Doch der Auftritt in Crailsheim hat mehr Bedeutung. "Wir, lieber Christian", ruft er seinem Fraktionskollegen unten in der ersten Reihe demonstrativ zu, "sind echte Freunde". Denn Bosbach gilt als Kopf der sogenannten "Abweichler" in der CDU-Fraktion, die der Kanzlerin bei der Abstimmung über die Finanzhilfen für das verschuldete Griechenland die Gefolgschaft verweigerten. Auch Christian von Stetten hatte sich mit seinem Nein zum Euro-Rettungsschirm weit aus dem Fenster gelehnt. Er wolle weiterhin ein unabhängiger Abgeordneter sein, der nur seinen Wählern zu Hause verpflichtet ist, wirbt deshalb von Stetten in den ausliegenden Prospekten um die Erststimme.

Im Crailsheimer Festzelt sind die schwarzen Rebellen unter sich: Bosbach, von Stetten und ihr ländliches Publikum. Er habe nunmal seine Zweifel, ob die beschlossenen Rettungsmaßnahmen zielführend sind, sagt Bosbach. Man dürfe dem Schuldenberg der Südländer nicht auch noch immense Haftungsrisiken hinzufügen. Warum aber muss er sein Gewissen der Parteiräson unterwerfen? "Es muss doch möglich sein, dass man in der Volkspartei CDU darüber diskutieren kann", wettert Bosbach über die eigenen Parteifreunde. Selten erlebt man Konservative so ungehorsam: "Es ist gut, dass der Versuch gescheitert ist, den sogenannten Abweichlern im Bundestag das Rederecht zu entziehen. So geht es nicht!" Bosbach hat das Publikum gepackt, die Zuhörer klatschen.

Dann noch ein paar Streicheleinheiten für den Gastgeber: Er könne so herzlich lachen, lobt Bosbach seinen Freund von Stetten. "Egal, wie sie politisch verortet sind", rät er den Festbesuchern, "wählen Sie Politiker, die von Herzen lachen können". Ein Wink an die spröde Angela Merkel? Kaum. Bosbach ist nicht gekommen, um die Partei kurz vor der Bundestagswahl noch zu spalten. Pflichtschuldig huldigt er der Kanzlerin: Sie sei hundertprozentig bodenständig. Von den europäischen Partnern erwarte er, dass sie Merkel in Schutz nähmen gegen Nazi-Vergleiche protestierender Griechen. Das Land könne stolz darauf sein, Angela Merkel als Kanzlerin zu haben. "Das Land ist bei ihr in guten Händen." Und ja: Die FDP werde es natürlich in den Bundestag schaffen, beruhigt er die wenigen Liberalen im Festzelt, "sie braucht noch keine künstliche Beatmung".

Dass einer von der CDU einmal ausspricht, was ihre Wähler bewegt, scheint diese zu erleichtern. Nach seiner 45-minütigen Rede wird Bosbach umringt von Fans: "Sie sind der einzigst Ehrliche", sagt ein Mann und klopft Bosbach auf die Schulter, "Sie sind eine Kanone".

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