Quadratur des Drahtesels

Landkreis.  Hickhack um die Radwege im Kreis: Die Verwaltung arbeitet an einem Konzept, das die Grünen für ungenügend halten. Nun soll der Arbeitskreis, der die Planungen begleitet, erweitert werden.

Eigentlich müssten sie das gleiche Interesse haben: Kreisrat Friedrich Zahn ist aus ökologischen Gründen bekennender Radler, Ralph Fernandes vom Amt für Straßenbau und Nahverkehr fährt gerne Mountainbike und Landrat Gerhard Bauer häufig mit dem Rad zur Arbeit. "Sehr enttäuscht", waren aber jetzt die Grünen über das Radwegekonzept, das die Verwaltung dem Umwelt- und Technikausschuss vorgelegt hat. Es sei "eher eine bescheidene Tätigkeitsbeschreibung", schrieb der Fraktionsvorsitzende der Grünen/ÖDP, Hans-Joachim Feuchter.

Weil Feuchter nicht im Ausschuss sitzt, sprach Zahn "aus meiner Erfahrung als Radler" für die grüne Sache: Die Detailarbeit sei anerkennenswert, "nur ist es nicht das, was wir von einem Radkonzept erhofft und erwünscht hatten". Nach Ansicht Zahns fehlten beispielsweise übergeordnete Radverbindungen, wie eine Route von Gaildorf nach Crailsheim. Auch sei es nicht immer vorteilhaft, einen Radweg entlang einer Straße zu bauen. Das Konzept sei ein "Sammelsurium an Radrouten", ihr Zustand aber nicht erfasst.

Unterstützung erhielt Zahn vom Freien-Kreisrat und Satteldorfer Bürgermeister Kurt Wackler: "Wir sehen dieses Konzept, so wie es sich jetzt darstellt, noch nicht als zustimmungsfähig an." Es sei "unausgegoren" und "optimierungsbedürftig". Er nannte Beispiel von Lücken im Radwegenetz im Norden Crailsheims. "Gehen Sie da nochmal drüber, damit man die von ihnen angesprochene Zielsetzung noch deutlicher rausbringt", riet er dem Planer Ralph Fernandes.

Ein übergeordnetes Netz auszuweisen, damit sich Straßenbauer und Flurneuordner daran orientieren können, das sei das Ziel gewesen, wehrte sich Bauingenieur Fernandes. Seine Karte sei technisch zu sehen, nicht als touristische Radwanderkarte. "Ob das, was wir hier eintragen, auch funktioniert, darüber entscheidet dann der Baulastträger, das Regierungspräsidium."

Franz Rechtenbacher, CDU-Kreisrat und Bühlerzeller Bürgermeister, sah es ganz anders als die Grünen: Das Konzept sei eine "sehr gute Grundlage". Die von Fernandes vorgelegte Karte mit Routen und Lücken im Radwegenetz sei ihm sogar zu vielschichtig. Der Kreis solle sich auf die Wege konzentrieren, die in seinen Aufgabenbereich fallen.

Auch wenn er beim Thema Rad gerne bereit sei, "den Grünen mehr Fachkompetenz zuzubilligen", teilte SPD-Kreisrat Dieter Vogt deren Sicht nicht. Das Konzept sei "ein guter Ansatz, um weiterzumachen". Dem Grünen-Vorschlag, externe Berater hinzuzuziehen, schlug er dagegen nicht aus: "Ein Straßenbauamt denkt immer ans Geld, ein Fachbüro vielleicht weniger. Das muss am Ende sowieso politisch entschieden werden."

"Jeder, der Rad fährt, weiß, wo er fährt. Ich weiß gar nicht, warum wir eine so ausführliche Konzeption machen", kritisierte dagegen der Freien-Kreisrat und Bürgermeister von Rot am See, Siegfried Gröner. "Wir verzetteln uns und erreichen damit genau das Gegenteil dessen, was wir wollen. " Es ging auch um die Frage, welche unterschiedlichen Wege Spazierfahrer, Rennradler oder Mountainbiker bräuchten. "Es gibt Lösungen, die für alle nutzbar sind", sagte Zahn. Er schwärmte von beispielhaften Radwegen im Ausland - und lieferte die dazugehörigen Reiseberichte gleich mit.

"Das Ziel ist ganz einfach: Wir wollen möglichst viele Menschen dazu bewegen, Rad zu fahren", fasste Landrat Gerhard Bauer zusammen und kam den der Grünen entgegen: Radkonzepte anderer Kreise "können wir uns gerne vorstellen lassen". Der Arbeitskreis, der die Planung begleitet, soll um einen Vertreter des Deutschen Fahrradclubs erweitert, der Verkehrsverbund Kreisverkehr aber nicht ausgeschlossen werden. Teure Berater lehnt die Verwaltung ab, dafür soll sich der Kreistag in der Strategieklausur mit dem Konzept befassen. Damit war Zahn einverstanden.


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Autor: KARSTEN DYBA | 09.02.2012

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