"Nichts ist keimfrei"
Landkreis. Der BUND untersucht Hähnchen und findet Keime, die Grünen fordern sogleich den Ausstieg aus der Massentierhaltung. Gegen eine unsachliche Diskussion wehren sich nun die Geflügelhalter im Landkreis.
20 Prozent aller Hähnchen aus dem Tiefkühnlregal tragen antibiotika-resistente Keime, die für Menschen schädlich sein können. Das will der Bund für Umwelt und Naturschutz festgestellt haben und drängt deshalb darauf, zu "Tierhaltungsformen ohne Antibiotikamissbrauch" zu wechseln.
Geht gar nicht, sagt der Putenzüchter Thomas Palm aus Heiligenbronn. "Moderne Nutztierhaltung geht grundsätzlich nicht ohne Antibiotika." Dies sei auch im Sinne des Tierschutzes geboten: "Wenn Tiere krank sind, muss man etwas tun, damit sie gesund werden." Einen Missbrauch erkennt er in seiner Branche nicht. Der Einsatz von Antibiotika in Mastbetrieben regele sich von selbst, denn Medikamente würden auch viel Geld kosten.
"Die Geflügelzüchter können mit gutem Geiwssen darauf hinweisen, dass sie regelmäßig kontrolliert werden", betont Klaus Mugele, Vorsitzender des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems. Die Keim-Hysterie des BUND relativiert er: "Zu glauben, dass in der Natur irgendetwas keimfrei sein könnte, geht nur, wenn man sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt."
Was aber hat der BUND bei seiner Untersuchung gefunden? "Das ist nichts Neues", sagt Dr. Thomas Pfisterer vom Veterinäramt des Landkreises in Ilshofen. Es sei in der Fachwelt längst bekannt, dass in Geflügelfleisch auch resistente Keime vorhanden sein können. Diese können beim Menschen Erkrankungen auslösen, seien aber nicht akut gesundheitsgefährdend. Dass diese Campylobakta-Keime in Geflügelfleisch vorkommen, sei völlig normal. Derzeit gebe es aber kein Mittel, mit dem sie reduziert werden könnten. Für den Kreis gibt Pfisterer "absolute Entwarnung". Die Veterinäre hätten nirgendwo etwas Verdächtiges festgestellt.
Thomas Palm betont: Was er produziert, kommt auch bei seiner Familie auf den Tisch. "Ich setze nur Antibiotika ein, wenns unbedingt notwendig ist." Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft habe sich zudem selbst verpflichtet, den Antibiotikaeinsatz um 30 Prozent zu reduzieren. Palm wünscht ansonsten nur eines: Dass "das Thema sachlich diskutiert wird".
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Autor: KARSTEN DYBA | 13.01.2012
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Glückliche Hühner picken in Hirschfelden ihr Futter: Das Veterinäramt hat in den Geflügelbeständen im Kreis keine Auffälligkeiten festgestellt. Foto: Weigert
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Kommentare (2)
Massentierhaltung
Über 90% der Tiere, die wir essen, kommen aus der Massentierhaltung. Dort werden sie in Käfige gepfercht oder zu Tausenden in Hallen ohne Fenster gesperrt und sie verletzen sich gegenseitig vor Panik. Viele verenden schon vor der Schlachtung. Massentierhaltung ist der pure Horror für Tiere.nicht 20 %
sondern 51% der Tiere sind mit resistenten Keimen verseucht.