Neues Projekt für getrennte Eltern
Landkreis. Jugendamt und Familiengerichte im Kreis wollen Eltern helfen, auch nach der Trennung gemeinsam Lösungen für ihr Kind zu finden. Im Jugendhilfeausschuss wurde das Projekt vorgestellt.
Im Landkreis Schwäbisch Hall sollen, wenn es nach Jugendamt und Familiengerichten geht, künftig alle die Köpfe zusammenstecken, die sich beruflich mit Familien und ihren besonderen Lebenslagen befassen: die Mitarbeiter psychologischer Beratungsstellen, Rechtsanwälte, Richter und die Mitarbeiter des Jugendamts. "Elternverantwortung" heißt das Projekt. Es soll Eltern darin fördern, trotz Trennung oder Scheidung gemeinsam für die Kinder Verantwortung zu übernehmen. "Sie können sich als Paar trennen, aber Eltern bleiben Sie weiterhin", erklärte Ulrike Seip, Sozialpädagogin vom Jugendamt, dem Kreistagsausschuss. Gemeinsam mit der Familienrichterin Monika Jörg-Unfried stellte sie das Programm vor.
"Erfahrungsgemäß sind gemeinsame Lösungen der Eltern oft tragfähiger, als wenn diese von außen verfügt werden", erklärt Seip, warum das Projekt aus der Taufe gehoben worden ist. Zudem entsprächen solche Entscheidungen viel eher dem Kindeswohl und hielten länger an als wenn ein Gericht eine Entscheidung fällen müsste. Ein Arbeitskreis hat deshalb nun einen Leitsatz ausgearbeitet, gemeinsame Ziele definiert und ein Ablaufraster erstellt. Auch der Ablauf eines ersten Anhörungstermins ist festgelegt worden. Und ein Merkblatt des Familiengericht soll die Eltern entsprechend informieren.
Neu sei, dass die Eltern innerhalb eines Monats einen Erörterungstermin erhalten. Dies könne die Eskalation von Konflikten verhindern oder der Entfremdung eines Kindes von einem Elternteil entgegenwirken. Das Jugendamt bietet den Eltern vor diesem Erörterungstermin ein Gespräch an, um sie dafür zu motivieren und zu erfahren, inwiefern die Eltern bereit sind, eine gemeinsame Lösung zu finden.
Bemerkenswert findet es beispielweise Kreisrat Siegfried Trittner (Freie), dass für dieses Projekt sogar die Rechtsanwälte ins Boot geholt werden konnten. "Anwälte haben die Neigung, eher konfliktverstärkend zu wirken", glaubt der Obersontheimer Bürgermeister. "Wer weiß, in welchem Loyalitätskonflikt Kinder bei einer Scheidung stehen, der kann sich ausmalen, wie das früher war", lobt der Erste Landesbeamte Michael Knaus das Projekt indirekt. Dass das Jugendamt an dem Erörterungstermin teilnehme, wertet die Sozialpädagogin Seip als "große Herausforderung" für dessen Mitarbeiter.
"Wenn Eltern bereit sind, miteinander zu sprechen, dann kann in zwei Stunden eine Lösung gefunden werden", versichert Seip. Und wenn kein Konsens gefunden werden könne, so Jörg-Unfried, "hat das Gericht zu entscheiden". Die Eltern könnten sich dies aber nicht aussuchen, denn das Gespräch werde angeordnet. Die gerichtliche Entscheidung zu vermeiden, ist aber in erster Linie das Ziel des Projekts. "Es geht darum, die Eltern zu stärken", erklärt Seip. Sie hätten so die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. "Die meisten Eltern können damit erreicht werden", ist Seip überzeugt. Das einzige, was die Auschussmitglieder da noch störte, war die Liste mit Rechtsanwälten, die an dem Projekt teilnehmen. Seip und Jörg-Unfried nannten eine ganze Palette an Juristinnen aus Hall und Crailsheim, aber keine männlichen Anwälte. Dass diese nicht für das Projekt gewonnen werden konnten, fand der Ausschuss "bedauerlich" - bis in der Runde die scherzhafte Forderung aufgestellt wurde, eine Quote einzuführen.
Info
Weitere Informationen gibt es bei Karin Bürkle vom Jugendamt in Schwäbisch Hall, Telefon (0791) 7557399.
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Autor: KARSTEN DYBA | 10.03.2010
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Ein Kind zwischen den Stühlen: Wenn Paare sich trennen, bleiben sie trotzdem Eltern, sagen Jugendamt und Familiengerichte. Damit nicht ein Gericht entscheiden muss, soll den Eltern geholfen werden, gemeinsam Lösungen zu finden. Foto: AP
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