Losglück im Forst

Landkreis.  Ist Holz günstiger als Heizöl? Kann ich Holz einfach so im Wald sammeln? Wenn ich am Vormittag einen Schwedenofen kaufe, sitze ich dann abends vor warmem Feuer? Die Kälte wirft viele Fragen auf.

"Eigentlich sollte ich in einer Hütte im Wald wohnen", sagt Mirko Ziegele (36) aus Bühlertann. Der Wald sei sein Leben. "Freude, Kraft, Arbeit", zählt er laut auf. Und erklärt: Aus dem Alltag raus und in den Wald rein, das mache glücklich, das entspanne, das beruhige alle Sinne. Aus dem Wald schöpft Ziegele auch Kraft und Trost, wenns mal nicht gut läuft im Leben. Denn Bäume seien vielen Widrigkeiten strotzende Zeitzeugen. Nur Wibke, Lothar oder eine Motorsäge hauen sie um. Darunter auch seine, denn Ziegele arbeitet im Wald.

Nicht hauptberuflich. Aber 2005 hat der Qualitätsauditor seine Leidenschaft zum Hobby gemacht und im letzten Jahr das Hobby zum Nebenverdienst. Den braucht er. Denn Ziegele will sein altes Haus zum Waldhaus umbauen. Zumindest was den Brennstoff anbelangt. Seit vier Jahren beheizt Ziegele mit je einem Schwedenofen pro Stockwerk. Das sorgt zwar für die schnelle Wärme, nicht aber für eine nachhaltige. Wenn er abends nach Hause kommt, zeigt der Thermometer 10 Grad Celsius. Das selbe am frühen Morgen, wenn nachts das Feuer ausgeht. Einen Scheitholzkessel mit 2000 Liter Pufferspeicher und Solaranlage zur Heizungsunterstützung hat er schon bestellt. Das System gewährleistet eine Brenndauer von 19 Stunden bei zweimaligem Schüren am Tag. Dann funktioniert Wärme mittels Holz trotz Job.

Heizöl ist für den Holzmacher kein Thema. "Holz ist auch günstiger als Heizöl", sagt Ziegele. Die Vergleichsrechnung: Theoretisch ersetzt ein Raummeter Fichte 157 Liter Heizöl. Der Raummeter Fichte kostet ofenfertig in der Region um die 50 Euro. Für 157 Liter Heizöl muss man derzeit mindestens 135 Euro bezahlen. Fast dreimal so viel.

Wer eigenen Wald hat oder ein Los nimmt, fährt noch günstiger. Ein Flächenlos ist ein abgegrenzter Bereich im Wald, in dem man das Recht zur Aufarbeitung des nach dem Holzeinschlag verbliebenen Schlagraumes erwirbt. Das heißt, die Fläche ist durchforstet - Äste, Kronenteile und kurze oder zerbrochene Stammstücke können als Brennholz eingesammelt werden.

Im Haller Raum werden jährlich 50 bis 100 Lose versteigert. Interessenten können sich ab Ende Februar im Losverzeichnis kundig machen und entsprechend ihrer Einschätzung des Waldstücks ein Gebot beim Forstamt abgeben. "Die Nachfrage ist hoch, denn was nach dem Holzeinschlag im Los liegen bleibt kann optimal zu Brennholz verarbeitet werden", sagt Andreas Wickel, Forstamtsleiter in Hall.

Bei Zuschlag muss ein Motorsägenkurs vorgelegt werden. Auch wird kontrolliert, wie im Wald gearbeitet wird. Wer unzureichend ausgerüstet ist, wird des Waldes verwiesen. Holz macht Arbeit. Das bedenken viele nicht. Sie wollen sparen, hören, dass Holz billiger ist und investieren in eine zusätzliche Feuerstätte. "Ich werde grad jeden zweiten Tag angerufen, weil jemand einen zusätzlichen Ofen aufstellen will", erzählt Uwe Stimpfle, Obmann der Schornsteinfeger im Kreis. Doch das sei keine Hauruck-Aktion. Der Ofen muss angeschlossen werden, was Laien überfordert. "Erst neulich hat eine Kundin einfach mit Hammer und Meißel ein Loch in den Kamin geschlagen", erzählt Stimpfle. Jetzt wird die Sache richtig teuer, denn der Kamin war nicht für eine zusätzliche Feuerstätte geeignet, muss saniert werden und der Schwedenofen durch einen Außenkamin angeschlossen werden.

Der nächste Haken: Die neue Bundes-Immissionsschutzverordnung für kleine Feuerungsanlagen schreibt Mindestabstände zum Nachbargebäude vor und setzt Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid fest. Und nur wenn der Schorsteinfeger den neuen Ofen abgenommen hat, darf er angefeuert werden.


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Autor: MICHAELA CHRIST | 08.02.2012

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