Kreisräte wollen weitermachen

Landkreis.  Eine Verlängerung der Stadtbahn nach Hall rechnet sich nicht - selbst dann, wenn man die günstigste Entwicklung annimmt. Der Kreistag will dennoch nicht aufgeben. Die Machbarkeitsstudie soll nun genau untersucht werden.

Derart viele betretene Gesichter auf einmal sieht man wohl in beiden Kreistagen selten: Der Waldenburger Bürgermeister Markus Knobel (CDU) ist aschfahl, der Bühlertanner Altbürgermeister Hans Weiss (CDU) schaut wütend drein, der Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (SPD) beißt sich auf den Finger, der Oberroter Bürgermeister Werner Strack (Freie) hat Sorgenfalten, und Beate Braun (Grüne/ÖDP) reibt sich vor Entsetzen die Augen. Sie alle hatten sich eine Verlängerung der Heilbronner Stadtbahn bis Hall gewünscht. Die Nachricht, die sie bei der gemeinsamen Sitzung der Kreistage aus Hall und Hohenlohe derart schockiert, passt in einen kurzen Satz: Das Projekt Stadtbahn ist tot.

Dabei verbreitet die Einführung des Hohenloher Landrats Helmut Jahn noch Optimismus: "Die Fahrgastzahlen haben extrem zugenommen", lobt er die bisherige Stadtbahn bis Öhringen. Doch für die Verlängerung nach Hall kommt die Machbarkeitsstudie zu einem anderen Ergebnis. "Die Nachfrage ist einfach schwächer als zwischen Öhringen und Heilbronn", erkennt Jahn. Die schlechten Prognosen würden eine Millionen-Investition nicht rechtfertigen. "Das ist bedauerlich und würde bedeuten, dass wir für eine Elektrifizierung keine Förderung vom Land erhoffen dürfen", stellt der Sachverständige Udo Sparmann klar. Das erzeugt reichlich Gemurmel im Gremium.

"Es ist ziemlich ernüchternd, was wir hier vorgetragen bekommen haben", sagt Hermann-Josef Pelgrim, obwohl im Kreistag ja häufig über sehr viel höhere Zahlen geredet werde - ein Seitenhieb, gemünzt auf andere Millionenprojekte wie Krankenhaus und Westumgehung. "Enttäuschend", nennt Rüdiger Schorpp (SPD) die Studie. Und Siegfried Trittner (Freie) resigniert: "Der Zug ist abgefahren."

Es hagelt auch grundsätzliche Kritik: Die Region sei vom Bahnverkehr abgehängt, schimpfte die Öhringer Kreisrätin Irmgard Kircher-Wieland (SPD) und meinte damit die Vernachlässigung der Hohenlohebahn. Die Chancen seien in der Vergangenheit vertan worden, den "Katzenjammer der politischen Entscheidungsträger" versteht sie deshalb nicht. "Da hat man sich nicht eingesetzt. Da müssen sich manche an die eigene Nase fassen."

Doch allein mit den nackten Zahlen wollen sich die meisten Kreisräte nicht zufrieden geben. "Wenn man vor 150 Jahren solche Berechnungen gemacht hätte, hätten wir die Bahn heute nicht", klagt Knobel. Fritz Rehm (SPD) aus Rüblingen sieht den Faktor Ökologie nicht genug berücksichtigt. Ute Oettinger-Griese (FDP) aus Kupferzell zeigt sich sogar "enttäuscht von den Machern der Studie". Peter Gansky (Grüne/ÖDP) aus Crailsheim erinnert daran, wie viel Geld in Straßen investiert werde und mahnt: "Vielleicht sollte man auch mit dem Faktor Willen rechnen." Knobel vermisst gar visionären Weitblick: "Der Wille, der Biss fehlt mir."

Der allerdings scheint sich zu entwickeln. "Ich glaube, der Zuwachs bei den Fahrgastzahlen wird unterschätzt", sagt Reinhard Huppenbauer (Grüne/ÖDP) aus Hall. Man müsse die Ergebnisse der Studie überprüfen. Knobel will zumindest eine Verlängerung bis Waldenburg. Und Rehm hält fest: "Ich gebe den Traum nicht auf, dass es doch noch etwas werden könnte."

Realistisch erscheint nun eine abgespeckte Stadtbahn: Auch ohne eine Elektrifizierung der Strecke, betont Landrat Bauer, seien "beachtliche Verbesserungen für die Fahrgäste möglich".


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Autor: KARSTEN DYBA | 25.01.2012

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