Gar kein Ritter von der traurigen Gestalt
Obersontheim. Gute Texte, gute Musik und gutes Essen: Die Koppenmühle in Obersontheim bietet Qualität. Kürzlich gastierte die Gruppe "Töpelmann & Erben" aus Rottenburg in dem Veranstaltungslokal.
Die Erben, das sind Schlagzeuger Sebastian Nann und Bassist Raphael Werder, Nachwuchstalente beide, sicher und überzeugend an ihren Instrumenten. Die Bühnenmitte nimmt Stefan Töpelmann ein. Als Texter, Komponist, Gitarrist, Sänger und Namensgeber steht er für die Gruppe.
"Was will ich heut machen, was fang ich an? Ich hab so viele Pläne, aber absolut keinen Plan." Der Einstieg ist ein bisschen nachdenklich, ein bisschen witzig, alltagsorientiert, menschlich. Und da ist man auch schon mitten im Konzept. Lebenslagen, kleine und größere Erfahrungen werden wichtig genommen, eingeordnet, es wird ihnen Bedeutung und Würde verliehen. Urlaub in Afrika oder den USA führt zum Nachdenken: "Die Kokosnuss, die ich genüsslich schlürfe, die hat der kleine Schwarze mir gepflückt". "Wo warn wir stehen geblieben?" fragt Stefan Töpelmann, der auch moderiert. Bei der Gesellschaft. Da sind sie aber nicht stehen geblieben. Die Siebziger sind vorbei, und Töpelmann hat ein überzeugend breites Spektrum. Excalibur, das Schwert von Lanzelot, verrostet zwar, denn "keiner geht mehr deine Straße, jeder bittet nur zur Kasse". Aber Ideale hat er noch und "Ach, ich wünscht, du kämst schon morgen wieder". Dabei ist er alles andere als ein Ritter von der traurigen Gestalt. Seine Einschätzungen sind wirklichkeitsgesättigt und teilweise scharf. Beispielsweise wenn es um die "Generation Antragsteller" geht: "Du hast zweimal dich beworben. Zweimal habn sie nein gesagt". Und jetzt stimmt er eben nicht ein in den "Jammerstrudel", sondern wird ätzend: "Keiner schenkt dir einen Job Mit Harz IV bist du zufrieden". Wer ist schuld? "Und schuld ist das System."
Die Vertonung bietet Überraschungen. Sensibilisierende Instrumentaleinstiege, zunächst den Rhythmus betonend, dann in Melodieführungen übergehend, lenken die Aufmerksamkeit auf die Eigenständigkeit der musikalischen Komponente. Sie ist nicht einfach Begleitung. Ihre optimistische und freie Ausstrahlung setzt eigene Akzente. Und so sind die Themen Liebe, Freiheit, Natur genauso naheliegend. Das Liebeslied, das er - es singend - behauptet nicht schreiben zu können, der Altweibersommersonntag, die Sonne, die Weite: "Wie erweitert man den Horizont? Ich weiß doch, der ist gar nicht da".
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Autor: URSULA RICHTER | 04.06.2010
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Sebastian Nann (Schlagzeug), Stefan Töpelmann (Gitarre, Mundharmonika, Gesang) und Raphael Werder (Bassgitarre) unterhalten ihr Publikum mit Liedern um tiefsinnige Liebe, Sonne und die Weite. Foto: Ursula Richter
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