Diakonie-Klinikum
Drei Baudenkmäler müssen Neubau weichen
Schwäbisch Hall. Bevor das Diak in Schwäbisch Hall eine neue Klinik baut, kommt die Abrissbirne. Weichen müssen auch drei Gebäude unter Denkmalschutz: Stammhaus, Johanniterhaus und Anstaltskapelle.
Reinhard Huppenbauer wirft im Haller Gemeinderat noch einmal alles in die Waagschale. Er spricht von der Geschichte der Diakonie in Hall, dem Stil der Neorenaissance, wie man sie in Süddeutschland kaum, anderswo vielleicht noch an der Semperoper oder am Reichstag finde. Er führt die Nachkommen ins Feld, in deren Sinne ein Erhalt wäre - "wenigstens das Stammhaus".
Doch die Würfel sind längst gefallen, außer den Mitgliedern seiner Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, kann Huppenbauer nur noch Ludger Graf von Westerholt (CDU) überzeugen. Die deutliche Mehrheit des Bau- und Planungsausschusses empfiehlt den Abriss von Stammhaus, Johanniter-Kinderkrankenhaus und Anstaltskapelle. Die Gebäude stehen allesamt unter Denkmalschutz und sollen dem geplanten Diak-Neubau weichen. Der Gemeinderat muss die Entscheidung noch bestätigen.
"Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und schließt dabei die Verantwortlichen des Diakoniewerks ein. Die Entscheidung sei "irgendwo auch bedauerlich", doch in der Abwägung sei eine "neuzeitlich-moderne Gesundheitsvorsorge" das übergeordnete Ziel.
Deutlicher wird da schon Kristian Neidhardt (FDP): "Die Welt ändert sich." Hartmut Baumann (FWV) sieht sich als Anwalt der Bürger, Diak-Beschäftigten und Kranken und nicht "einer kleinen Klientelgruppe, die sich vielleicht an der Erhaltung der Gebäude erfreut". Hauptargument der Ausschussmehrheit: die Kosten. Die Analyse zeige, dass dem Diak ein Erhalt der Altgebäude "nicht zuzumuten" sei, meint Thomas Pfisterer (SPD). Hartmut Baumann glaubt, dass die in einem Gutachten veranschlagten Mehrkosten von 3,2 Millionen Euro "in tausend kalten Wintern" nicht reichen würden. Er gehe von Zusatzkosten von über vier Millionen Euro aus. Daneben wird mit einem jährlichen Zuschussbedarf von 260000 Euro gerechnet.
Das Regierungspräsidium in Stuttgart stellt dem die "Wertigkeit" der zur Disposition stehenden Gebäude gegenüber. Man vermute, dass dem Bau- und Planungsausschuss "die Bedeutung und Dimension dieser Kulturgüter bislang nicht ganz klar" gewesen sei. Insbesondere die Diakonissenanstalt stehe exemplarisch für die Krankenhausarchitektur des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts".
Wirtschaftlichkeit kontra Denkmalschutz: Ludger Graf von Westerholt sieht sich im Zwiespalt. "Ich habe kein sehr gutes Gefühl, gerade weil das Denkmalamt so heftig protestiert", sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU. Sein Kompromissvorschlag: Man solle einen Architektenwettbewerb mit dem Ziel auf den Weg bringen, wenigstens eines der Gebäude zu erhalten. Dieser Vorschlag verhallt am Ende genauso wie jener von Kristian Neidhardt, das Johanniter-Kinderkrankenhaus abzubauen und an anderer Stelle wieder aufzurichten.
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Autor: HOLGER STRÖBEL | 02.02.2012
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Das Stammhaus, in den Jahren 1885 und 1886 nach Entwürfen des Stuttgarter Architektenbüros Wittmann und Stahl errichtet. Foto: Marc Weigert
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