Die Eltern entscheiden

Landkreis.  In der Diskussion um die Werkrealschule werden die Vorzüge der kleinen, aber im Bestand gefährdeten Hauptschulen gepriesen. Doch die Rektoren der großen wehren sich: Ihre Schulen seien keineswegs schlechter.

Wenn es um den Erhalt der Hauptschule in Untermünkheim geht, kennt die Elternbeiratsvorsitzende Stephanie Kizilay viele Gründe dafür: Gerade wegen ihrer kleinen Klassen leiste die kleine Schule "eine sehr gute Arbeit". Zehn Schüler gebe es beispielsweise in der 5. Klasse, "das ist eigentlich Förderunterricht", berichtete sie unserer Zeitung im Oktober.

Dasselbe auch in Rot am See, wo die kleine Schule eine neue Werkrealschule werden durfte. Wäre es nicht so gekommen, müssten die Schüler "in das große Schulzentrum nach Crailsheim fahren, wo es nicht so familiär zugeht", sagt Konrektor Oliver Rau.

Die Rektoren der sechs "großen" Schulen im Kreis (Hans-Jörg Schneider von der Haller Hauptschule Schenkensee war bei der Gesprächsrunde verhindert) fuchst das ziemlich. "Die Vorteile der kleinen Schulen werden gepriesen - und nach dem Komma wird gedacht: Die großen Schulen machens schlechter", ärgert sich Norbert Reinauer, Rektor der Hermann-Merz-Schule in Ilshofen. Seine Kollegin Jutta Dannecker von der Gaildorfer Parkschule betont sogar, sie würde den Namen eines jeden ihrer Schüler kennen. Eine große Schule sei keineswegs anonym, versichert Michael Ullrich, Rektor der Leonhard-Sachs-Schule in Crailsheim.

Ullrich sieht in den großen Schulen in Crailsheim, Hall, Gaildorf und Ilshofen, die künftig allesamt Werkrealschulen sein werden, deutliche Vorteile. Beispielsweise seien sie näher dran an den Berufsschulen, was die Kooperation erleichtere. Sie habe Schulsozialarbeiter und mehr Lehrer, so dass ein Krankheitsfall leichter ausgeglichen werden könne. "Große Schule" bedeute auch nicht gleich "große Klassen": 23 Schüler habe eine Hauptschulklasse der Leonhard-Sachs-Schule im Durchschnitt. Und die Crailsheimer Eichendorff-Schule habe immerhin 28 Arbeitsgemeinschaften, sogenannte "AGs". "Das kann eine kleine Schule gar nicht bieten", sagt deren Rektor, Manfred Koch. Die Qualität sei messbar. 98,5 Prozent seiner Hauptschüler gingen auf weiterführende Schulen oder bildeten sich im Beruf weiter. Auch Ullrich hat Zahlen: Von 580 Hauptschülern, die er letztes Jahr verabschiedet hat, hätten 150 die Mittlere Reife geschaft und nur 17 abgebrochen.

Die Struktur kleiner Schulen sei dagegen vielfach nicht effektiv, die Kosten vergleichsweise höher. Von bis zu einem Drittel spricht Koch. "Es traut sich niemand darüber zu diskutieren, wie groß eine Hauptschule wirklich sein muss, damit sie qualitativ noch sinnvoll ist", pflichtet Reinauer bei. Klar sei, dass die abnehmende Zahl an Kindern den kleinen Schulen über kurz oder lang den Garaus macht. Doch das habe mit der Werkrealschule nichts zu tun, betont Jutta Dannecker. "Das vermischt sich jetzt." Es seien nicht die Schulen, die die Umstrukturierung veranlasst haben, betont Koch, "aber wir müssen nun die Keule in die Hand nehmen".

Dabei wollen die fünf Rektoren gar nicht offensiv um Schüler werben. Denn auch die kleinen Schulen hätten ihre Daseinsberechtigung. "Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, wir würden den kleinen Schulen das Wasser abgraben", erklärt Karl-Heinz Lang, Rektor der Haller Thomas-Schweicker-Hauptschule. "Die Tritte müssten andere kriegen.

Wie sich die Aufteilung der Hauptschüler nach der Abschaffung der Schulbezirke entwickelt, steht noch in den Sternen. Voraus-sehen können die Rektoren nichts. "Es entscheidet dann der Elternwille", betont Jutta Dannecker.


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Autor: KARSTEN DYBA | 13.03.2010

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