"Diak ist Fels in der Brandung"
Schwäbisch Hall. "Wir dürfen die Zeit nicht verstreichen lassen." Dr. Joachim Kohler aus dem Sozialministerium in Stuttgart bezog beim Diak-Jahresempfang in der Auferstehungskirche Position: Der Klinik-Neubau muss kommen.
Der traditionelle Jahresempfang startet als Abend der Andeutungen. 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und aus den Kirchen - darunter Bankdirektoren, Dekane, Chefärzte, Diakonissen mit Häubchen und Oberbürgermeister - lauschen der Melodie des Songs "Its Now or Never". Gebogen und erstrichen wird sie von Gladys Hulot und Tom Fink, die hinter Sägeblättern auf der Bühne sitzen und den Werkzeugen ganz Erstaunliches entlocken. Ein Vorgeschmack auf die folgenden Grußworte. Der Tenor: Jetzt oder nie - wenn das Diak nun das Zeitfenster für den Bau nicht nutzt, klappts nimmer.
Die Botschaft des Abends kam aus Stuttgart. Als Vertreter von Sozialministerin Katrin Altpeter überbrachte Ministerialdirigent Dr. Joachim Kohler klare Signale. Der Abend der Andeutungen schlug in einen Abend der Bekenntnisse um: "Das Diak als Fels in der Brandung zu wissen, das wollen wir erhalten." Er betont: "Dieses Haus ist das Rückgrat der Gesundheitsversorgung in der Region."
Der Fachmann aus dem Ministerium begleitet seit 20 Jahren die Entwicklung der Krankenhäuser. Er versichert: "Das Land ist bereit, der Diakonie zur Seite zu stehen." Damit wischt er Zweifel vom Tisch, die selbst nach der Abgabe des Förderantrags noch geäußert wurden: Sollte man nicht auf der grünen Wiese bauen? Ist das Bauwerk am Steilhang zu teuer? Warum müssen historische Gebäude fallen? Now or never - jetzt oder nie.
"Die Pläne sind tragfähig. Wenn man ein Zeitfenster verpasst, ist es vielleicht zu spät", drängt Kohler die Haller, nun ihre Bauabsichten am jetzigen Standort umzusetzen. Das ist ein wichtiges Signal für das Diakoniewerk. Denn ohne die Zuschüsse des Landes für den Krankenhausbau ist das mehr als 200 Millionen Euro teure Projekt nicht zu stemmen. In zwei rasch aufeinanderfolgenden Bauabschnitten sollen alle Kliniken neue Räume erhalten: in zwei Bauwerken, die südlich des Diak-Hochhauses entstehen.
Der neue Vorstandsvorsitzende, Hans-Joachim Lenke, bewegte sich am Anfang des Abends im Spannungsfeld zwischen Manager und Pastor: "Ganz bewusst haben wir uns in einer Kirche versammelt; Den Ort des Hörens, von dem ein Impuls fürs konkrete Handeln ausgeht." Er benennt die Herausforderung: "Als werteorientiertes Unternehmen müssen wir auf dem Gesundheitsmarkt bestehen." Alle vier Bereiche der Diakonie müssen sich "konsolidieren". Auf Deutsch: Es müssen Gewinne erzielt werden.
Wie das gehen kann, ohne die diakonischen Wurzeln zu verlieren, konnte man aus dem Festvortrag von Professor Dr. Udo Krolzik heraushören. "Es gibt die Sorge, dass diakonische Einrichtungen im Wettbewerb abgeschliffen werden und zu stromlinienförmigen Sozialkonzernen werden", erläutert der Direktor der Führungsakademie für Kirche und Diakonie aus Berlin. Die christlichen Wurzeln seien kein Klotz am Bein, sondern ein "wesentlicher Faktor für die Profilierung". Wirtschaftliches Handeln und Nächstenliebe stehen sich also in der Theorie nicht im Weg.
Der neue Diak-Chef Lenke will sie in der Praxis vereinen: Die äußere Gestalt des Diakoniewerks mag sich ändern. Die Orientierung an den Werten ändere sich nicht. Now and never.
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Autor: TANJA KURZ, TOBIAS WÜRTH | 24.10.2011
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Mann des Glaubens und Manager: Diak-Vorstand Hans-Joachim Lenke muss diakonische Nächstenliebe und harte Marktwirtschaft verknüpfen. Foto: Weigert
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