Stadträte unterziehen Diak Stresstest

Diak-Debatte im Haller Stadtrat: "Keine Laienschauspielgruppe"

Schwäbisch Hall.  Stadtrat Hartmut Baumann (FWV) nimmt seine Lieblingsgegnerin Andrea Herrmann (Grüne) in Schutz. Der streitbare OB Pelgrim übt sich in Harmonie. Was ist los? Eine Debatte übers Diak entflammt.

"Es ist ja nicht so, dass hier eine Laienschauspielgruppe am Werke ist", versucht Diak-Vostandsvorsitzender Hans-Joachim Lenke die Bedenken von Andrea Herrmann (Grünen-Fraktionsvorsitzende) zu kontern. Beruhigend wirkt das nicht.

Am Montag präsentieren die Diak-Vorstände Hans-Joachim Lenke und Peter Altmayer sowie Gesundheitsholding-Chef Peter Haun und Architekt Lucas Müller im Gemeinderat die Diak-Neubaupläne. Irgendwann platzt Pfarrer Lenke der Kragen. Nicht der Collarkragen, mit dem sich Leserbriefschreiber beschäftigen, Lenke trägt an diesem Tag Hemd und Krawatte. Doch die Wiederholung der Argumente gegen den Bau am Hang kann er nicht akzeptieren. "Ich kann ihre Sorge hören, aber nicht nachvollziehen, wenn Sie permanent sagen, es gebe schlechte Betriebsabläufe", sagt er.

Das mit der Laienschauspielgruppe reizt den FWV-Fraktionsvorsitzenden Baumann. "Frau Herrmann und ich, wir sind nicht immer Koalitionspartner", argumentiert er. Aber er müsse schon bitten "mit der Etikette so umzugehen", wie es sich gehöre. Die Stadträte müssten informiert werden. Am Ende der Debatte wird Oberbürgermeister Pelgrim, der selten einen Konflikt scheut, die Wogen glätten. Er blickt zu Pfarrer Lenke und sagt: "Die politische Kultur in der Stadt ist manchmal recht lebhaft. Man darf das aber nicht persönlich nehmen, sonst kann man hinterher kein Bier miteinander trinken."

Bevor es aber zu einem Bier kommen kann, nennen die Diak-Verantwortlichen ihre Argumente für einen Bau am bisherigen Standort. Altmayer erläutert: "Wir sind acht alternative Standorte abgefahren. Die Entscheidung, auf dem Diak-Gelände zu bauen, ist in allen unseren Gremien einstimmig gefallen." Dafür spreche, dass nach dem zweiten Bauabschnitt ein "voll wettbewerbsfähiges Krankenhaus" entstehen würde, die gewachsene Lage am Stadtrand sei als Standort bestens akzeptiert. Fernwärme, Abwasser und ähnliches seien vorhanden. Zudem stünden 500 Besucher- und 400 Mitarbeiterstellplätze bereit. Am Hang entstünden geringere Investitionskosten, wenn man alles rechne. Zudem verkomme der Diak-Campus nicht zur Ruine. Architekt Müller argumentiert: Auch an anderen Standorten könnten Zusatzkosten im Boden schlummern.

Ludger von Westerholt (CDU-Fraktionsvorsitzender) lobt: "Das ist eine Argumentation, die man so noch nicht gehört hat." Auch Dieter Vogt (SPD-Fraktionsvorsitzender) fühlt sich bestätigt: Er sei schon immer für den bisherigen Standort.


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Autor: TOBIAS WÜRTH | 17.11.2011

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