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Das ergibt nicht Summe sondern Potenz

Unterschiedlichste Formen von Weiblichkeit, Wohnen, Essen, surreale und absurde Momente finden sich in den Bildern von Sonja und Wildis Streng aus Crailsheim. Sie stellen im Gaildorfer Schloss aus.

Autor: RALF SNURAWA |
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Sicherlich finden sich etliche Gemeinsamkeiten in den Bildern von Mutter Sonja und Tochter Wildis Streng, die derzeit von der IG Kunst Gaildorf in der Galerie im Alten Schloss gezeigt werden. Doch ist der Weg zu diesem Gemeinsamen ein ganz unterschiedlicher.

Wildis Streng malt großflächig und in expressionistisch wirkenden Farbflächen. Gerade die Frauen beim Essen, beim Auswählen oder kurz vor dem Essen zeigen da symbolische Anspielungen: etwa das abstoßend wirkende Gelb der "Kuchenesserin", das in großem Gegensatz zur "Frau beim Verzehr eines Vanillepuddings" steht.

Farbauslotungen bestimmen die Allegorien der Buche, Linde, Eiche und Birke ebenso wie Ironie. Das trifft auch auf Strengs "Diana" zu mit ihrem Hirschgeweih auf dem Kopf - das Ganze vor einer recht biederen Mustertapete. Die Ironie kann auch in Sarkasmus umschlagen, wenn Tiere des Waldes durch das Fernrohr und im Fadenkreuz des Gewehres zu sehen sind. "Me and the Jungle" heißt eine Serie, die Frauen - meist "Selbstporträts" - mit Leopard, Paradiesvogelblumen, Papageien, Masken, sehr aggressiv wirkend mit Bambusspeeren, mit Kamelhandtasche oder unter dem Wasserfall zeigt.

Die Kunsthistorikerin Claudia Scheller-Schach hielt fest, dass Wildis Strengs Bilder "Weiblichkeit als Stärke, als gerne gelebten Zustand ohne das Banner eines überkommenen Feminismus" transportieren: "Der Reiz für den Betrachter liegt in der folgenden Gratwanderung: die Bilder kommen oberflächlich daher, sind zunächst leicht zugänglich und lesbar, erweisen sich aber dann als symbolhaft und chiffriert. Als Bestandteile von Serien ergibt sich dann wieder eine Lesbarkeit - wenn auch auf anderer Ebene als zu Beginn."

Die Serien bestimmen auch die Bilder von Sonja Streng. Das Konzept lautet: "Wo eigentlich liegt Hilversum?" Sonja Streng gehe, so Scheller-Schach, einer Frage nach, die sie sich schon als Kind beim Lesen der Senderskala eines alten Radiogerätes stellte. Man könne die Serien mit den thematischen Schlagworten "Bohnen - Bräute - Tütenlampen" eingrenzen. Dabei betreibe Sonja Streng eine individuelle, persönliche Erinnerungskultur, die wiederum bei den Betrachtern Assoziationen hervorruft.

Stilistisch - und hier ist der große Unterschied zu ihrer Tochter zu sehen - geschieht dies eher feinsinnig, fragmentarisch, ja, von Bild zu Bild geradezu voran- oder weiter tastend. Hier ein Bohnenglas mit kleinem Vogel, dort Schulheftandeutungen und über allem die Frage "Lieben Sie Bohnen?" Mobiliar, Körper und Essbares vermischen sich so zu einem stark grün gefärbten Gesamten von Acrylbildern über Collagen bis zur Figur, die man auch anders ankleiden kann.

Die 1950er und 1960er Jahre spielen eine nie zu übersehende Rolle. Passend dazu: Die Musik zur Vernissage des Crailsheimer Gitarrenduos Stefan Beyer und Jürgen Wünsch mit vorwiegend lateinamerikanischen Jazzstücken.

Skurrile Details seien den Bildern immer wieder zu entnehmen, so Claudia Scheller-Schach: "Zierliche Frauenbeine tanzen auf einem Tisch, der Tutu besteht aus Bohnen, der Oberkörper fehlt!" Später fasst sie zusammen, dass die Gemeinschaftsausstellung "streng2" nicht nur eine Summe ergebe, sondern wirklich eine Potenz.

Info

Die Doppel-Ausstellung in der Galerie im Alten Schloss in Gaildorf ist noch bis zum 16. Mai zu sehen. Sie ist samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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