Bürger danken ihrem Hans
Hans Weiss tat es so wie immer: Er drehte seine Runden im Bühlertanner Lehrschwimmbad, das er einst vor der Schließung bewahrt hatte. Wenn er einmal nicht mehr sei, soll er gesagt haben, wünsche er sich ein Grab mit Fensterle, um hinausschauen zu können, "damit ich sehe, wie es euch geht, und mitten unter euch bin". Diesen Wunsch haben ihm die Bühlertanner erfüllt: Am Wochenende wurde der Altbürgermeister beigesetzt. Die Grabplatte im Kolumbarium hat ein Fensterle.
In einfühlsamen Worten band Pfarrer Bernhard Staudacher diese Geschichte in seiner Trauerpredigt ein. Über 1000 Menschen nahmen am Dienstagabend Abschied von Hans Weiss und sprachen seiner Frau Brigitte und seiner Tochter Heidi ihre Anteilnahme aus. "Er konnte in Frieden gehen", berichtete Heidi Weiss von den bewegenden Momenten des Abschieds. "Mein Papa hatte ein schönes und erfülltes Leben, auch wenn es nur 63 Jahre gedauert hat." Staudacher berichtete von seiner ersten Begegnung mit Weiss. Er soll dem Pfarrer damals gesagt haben: "Wissen Sie, bei mir ist die Türe immer offen, damit die Leute wissen, dass ich da bin und Zeit für sie habe." Und genau dafür dankten sie ihm: Die Vereine, für die er sich eingesetzt hatte, die Kirche, der er ein Partner war, die Bürgermeister und Kreisräte, mit denen er seine Leidenschaft für Kommunalpolitik teilte, die Firma Kärcher, die den "Unternehmerbürgermeister" schätzte.
Nach 22 Monaten des Unruhestands sei er viel zu früh gegangen - da waren sich alle Redner einig. "Er war Bürgermeister mit Leib und Seele und steckte viel Herzblut in seine Gemeinde", sagte Weiss Nachfolger Michael Dambacher über den "nimmermüden Schaffer". Sein Sachverstand, seine Herzlichkeit würden fehlen, sagte der Fraktionschef der CDU im Kreistag, Werner Dierolf. Er sei ein "Hans Dampf in allen Gassen" gewesen, lobte Landrat Gerhard Bauer. "Er fand gelegentlich auch deutliche Worte, die Wirkung entfalteten, ohne zu verletzen", erinnerte sich Robert Fischer, Bürgermeister von Kreßberg.
"Es ist für uns ein von Herzen kommendes Bedürfnis, ihm für alles zu danken, was er für unsere Vereine und für unsere Dorfgemeinschaft geleistet hat", sagte Felix Pfitzer vom Fastnachtskomitee. Er sprach im Namen aller Vereine, die mit ihren Fahnenabordnungen in der Apsis den Trauergottesdienst für ihren Förderer zierten. Die Fastnacht, sagte Pfarrer Staudacher, sei Hans Weiss eine Herzenssache gewesen. "Der Mund kann lachen, wenn das Herz auch traurig ist." Den Fastnachtsumzug wolle man nun abhalten. "Auch für ihn. Anders hätte er es nicht gewollt."
"Hans, wir werden dich vermissen." Dambachers Worte machten klar: Die Bühlertanner verabschiedeten nicht nur ihren Altbürgermeister. Sie verabschiedeten einen der ihren. Hans Weiss schwimmt jetzt seine letzte Bahn - nicht in seinem Bädle, sondern in den Herzen seiner Bühlertanner. "Du wirst in unserer Gemeinde fortleben, du bist Teil ihrer Geschichte."
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Autor: KARSTEN DYBA | 10.02.2012
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"Der Mund kann lachen, wenn das Herz auch traurig ist": Das Bild eines Harlekins, gemalt vom Vorgänger Roman Belz, begleitet Pfarrer Staudacher beim Trauergottesdienst für Hans Weiss in der Bühlertanner Kirche St. Georg. Foto: Marc Weigert
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