Auch Mappus schaut vorbei
Schwäbisch Hall. Wenn sich Wirtschaftsbosse aus ganz Deutschland in Baden-Württemberg treffen, dann sagt auch der Ministerpräsident gerne "Grüß Gott". Stefan Mappus war gestern bei den Weltmarktführern in Hall.
"Wir beschäftigen uns nicht nur mit Bahnhöfen." Diese Feststellung war Ministerpräsident Stefan Mappus wichtig. Mit seinem Vortrag begann gestern der letzte Tag des Weltmarktführerkongresses in Hall. S 21 taucht derzeit in fast jeder seiner Reden auf. Das "Halligalli" um die Tieferlegung des Hauptbahnhofes in der Landeshauptstadt hat ihn schon überrascht ("Man könnte meinen, es geht um Leben und Tod").
Viel lieber redet er über "moderne Industriepolitik". Die habe nämlich dafür gesorgt, dass das Ländle zusammen mit Bayern an der Spitze der Bundesländer steht. Der wirtschaftliche Erfolg im Südwesten sei ganz wesentlich den familiengeführten Betrieben zu verdanken. Diese Unternehmen sind, betonte Mappus gestern in der Bausparkasse, "das große Plus in Baden-Württemberg". Familienbetriebe mag der Ministerpräsident, weil sie "Wertegemeinschaften sind, die verantwortungsvoll handeln und nicht auf Gewinnmaximierung aus sind".
Auch Diplom-Ökonom Mappus kam nicht an dem in diesen Tagen oft angesprochenen Schweizer Bergdorf vorbei und betonte: "Das Haller Weltmarktführertreffen ist die angemessene Antwort auf Davos". Er ermunterte Mitveranstalter Walter Döring, am Ball zu bleiben. Der schwebte auch am letzten Tag des maßgeblich von ihm initiierten und gleich auf Anhieb ausgebuchten Kongresses noch auf Wolke sieben.
Wie Mappus würdigte auch Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, den Erfolg der Weltmarktführer. Der habe, so der Wirtschaftswissenschaftler, auch mit der "Haltung" der Inhaber zu tun. Die seien sich ihrer großen Verantwortung sowohl für die Firma als auch deren Belegschaft bewusst. Das sorge für Kontinuität und Verlässlichkeit.
Hüther ermunterte die Familienunternehmen zur Expansion. Nur Wachstum schaffe neue Handlungsräume. Eine Absage an Wachstum komme einer Verweigerung der Zukunft gleich. Ins gleiche Horn hatte am Vortag schon der Unternehmensberater und Strategieexperte Professor Bernd Venohr aus München, der die Weltmarktführer in Deutschland kennt, wie kein anderer, gestoßen.
Mit einer weiteren Anregung hat Hüther, der ehemalige Chefvolkswirt der Deka-Bank, gestern für Gesprächsstoff in den Kaffeepausen gesorgt: Angesichts des Bevölkerungsschwunds in Deutschland solle die Politik "etwas weniger verkrampft" mit dem Thema Zuwanderung umgehen. Die Wirtschaft brauche Arbeitskräfte aus dem Ausland, das sei nun mal ein Fakt und zudem ein ganz wichtiger.
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Autor: ANDREAS HARTHAN | 27.01.2011
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