"Arbeit gibt dem Leben Würze und Würde"

Obersontheim.  Die Fränkischen Werkstätten blicken auf 20 Jahre zurück und feierten dies mit Spanferkel und einem Familienfest. Dieses besuchte auch Dr. Hartmut Fritz

, Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung.

"Ich bin dankbar, dass es euch gibt", lobte Werkstattleiter Bernd Otter seine Mannschaft, "ohne euch wären die Fränkischen Werkstätten nicht das, was sie sind." Das große Festzelt war voll, als es das Jubiläum zu feiern galt. Statt Schlips und schlauen Reden gab es Spanferkel und ein gemütliches Familienfest für alle. Ein ganz besonderer Besuch kam dabei von der Hauptverwaltung der Samariterstiftung aus Nürtingen: Hartmut Fritz, Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung, "adelte" mit seiner Anwesenheit die gemütliche Familienfeier.

In seinem Beitrag erinnerte der prominente Gast an die Anfänge: "Es fehlte manches, aber man durfte noch mit dem Herzen entscheiden." Fast zehn Jahre habe das Werkeln und Wirken mit Provisorien gedauert. Dann bekam die Werkstatt mit dem eigenwilligen Neubau erst ihren Namen "Fränkische Werkstätten". Dieser steht seither für Qualität und Verlässlichkeit.

Die Fränkischen Werkstätten blicken dabei auf einen beachtlichen Werdegang zurück: Vor 20 Jahren begann der Werkstattbetrieb mit 18 Beschäftigten im Schloss in Obersontheim. Bereits 1995 konnte eine neue Arbeitsgruppe in Crailsheim anfangen. Ein Vermächtnis ermöglichte es 2003, die neue Gärtnerei neben der Zentrale zu eröffnen. 2007 kam zudem die Werkstatt in der Ringstraße in Schwäbisch Hall hinzu. Dort wurde im März dieses Jahres auch das "Café Samocca" eröffnet.

Heute arbeiten 95 Beschäftigte in Obersontheim. Dazu zählen 13 ausgelagerte Arbeitsplätze direkt bei Kärcher im Betrieb und 19 im Grünen Bereich. In Crailsheim sind 86 psychisch erkrankte Menschen beschäftigt, davon 30 in der Schulstraße. Zudem existieren zehn ausgelagerte Einzelarbeitsplätze in unterschiedlichen Handwerks- und Mittelbetrieben. In Schwäbisch Hall gehen 51 Beschäftigte ihren Aufgaben nach, neun davon im "Café Samocca". Zusätzlich versorgt die Werkstatt noch 50 Tagesstättenbesucher in Hall und Crailsheim mit Arbeit.

"Arbeit ist nicht das ganze Leben, aber sie gibt dem Leben Würze und Würde", erklärte Hartmut Fritz den Sinn und Zweck des Vorhabens: "Das Gefühl etwas zu können und eine Aufgabe anvertraut zu bekommen, ist genauso wichtig, wie das Gefühl willkommen zu sein."

Für Josef Drukenmüller, den Leiter der Landschaftsgärtnerei - er selbst hat vor zwanzig Jahren seinen Dienst in Obersontheim aufgenommen - ist die Arbeit mit den psychisch Erkrankten etwas Besonderes: "Am Anfang war es für mich ein fremdes Thema. Aber wenn ich jeden Menschen dort abhole, wo er steht, und ihn einfach so akzeptiere, wie er ist, gibt es das Thema Behinderung eigentlich nicht."

Ihm pflichtete Frank Silbermann, Dienststellenleiter des Samariterstifts Obersontheim, bei. Er erklärte: "Unsere kleine Werkstatt spielt eine bedeutende Rolle in der großen Samariterstiftung." Eine Rechnungssumme von einer Million Euro werde pro Jahr in den Werkstätten erwirtschaftet. Von den "Bastelarbeiten" der Anfangszeit habe man sich zu einem Industriedienstleiter entwickelt. Dabei könnten ein bis zwei Prozent der Beschäftigten pro Jahr in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.

In Anlehnung an eine UN-Konvention verkündete Silbermann, dass in den Fränkischen Werkstätten künftig kein Unterschied mehr zwischen Beschäftigten und Mitarbeitern gemacht werde: "Hier gibt es nur noch Mitarbeiter, denn wir sind alle auf einer Augenhöhe." pm

Info In Crailsheim gibt es die Fränkischen Werkstätten seit 1995 - mit heute 86 Arbeitsplätzen.


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Autor: SWP | 27.07.2011

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