Am Tempelhof wird nach dem Prinzip der Permakultur gepflanzt und geerntet

Permakultur Nach dem Vorbild der Natur entwickelt Stefan Schwarzer am Tempelhof Ökosysteme aus Nutzpflanzen. Mensch, Tier und die Erde profitieren von dieser Anbau- und Gestaltungsmethode. Geerntet wird nur so viel, dass noch Nahrung für die Tiere und Dünger für den Boden übrig bleiben. So bleibt das gesamte System langfristig stabil.

CHRISTINE HOFMANN |

Am Ortseingang von Tempelhof ist der Unterschied deutlich sichtbar: Auf der einen Seite sind landwirtschaftlich genutzte Felder, auf der anderen ein Permakultur-Waldgarten. Hier sauber gepflügte Äcker, bereit für den Anbau von Getreide, dort ein buntes Nebeneinander von Kräutern und Gemüsepflanzen, Beerenobststräuchern und Bäumen. Dazwischen Totholz und Steinhaufen als Wohnung für verschiedene Tiere. Auf beiden Flächen wird Nahrung produziert. Doch im Gegensatz zur Monokultur der Landwirtschaft setzt die Permakultur auf eine hohe Vielfalt in der Mischkultur. "Für mich macht Permakultur das vernetzte Denken aus. Es geht darum, die Elemente und Ressourcen geschickt miteinander zu kombinieren", sagt Stefan Schwarzer.

Der 43-Jährige ist physischer Geograf. Er arbeitet für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen in Genf. Außerdem ist er diplomierter Permakulturgestalter und legt im Dorf der Gemeinschaft Schloss Tempelhof in der Gemeinde Kreßberg, wo er inzwischen mit seiner Familie lebt, Landschaften an. Sein Wissen und seine Erfahrungen gibt er in Seminaren weiter. Schwarzer: "Für mich ist die Kombination genau richtig: Wissenschaftlich international und lokal mit den eigenen Händen im Boden arbeiten. "

Beobachten, beobachten, beobachten

In der Permakultur geht es darum, mit der Natur zu gestalten. "Am Anfang steht eine gute Planung. Es gibt drei Schritte: Beobachten, beobachten, beobachten", sagt Stefan Schwarzer mit einem Augenzwinkern. Doch er meint es durchaus ernst. Gibt es am Standort genügend Wasser? Ist es windig oder windgeschützt? Welche Pflanzen wachsen hier bereits? Je mehr Informationen er im Vorfeld sammeln kann, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Der Planer macht sich jede Menge Notizen, er analysiert und versucht vorauszudenken.

Dann beginnt die praktische Arbeit. Der Boden wird mit grobem Mist, einer Schicht Karton und einer weiteren Mistschicht bedeckt. So wird die Erde mit Nährstoffen angereichert und die Pflanzen, die nun kein Licht mehr bekommen, sterben ab. Jetzt kann gepflanzt werden. "Wir setzen stets mehrjährige Pflanzen ein, die mehrfachen Nutzen haben", erklärt der 43-Jährige, "sie ernähren uns, bieten Tieren Nahrung, spenden Schatten, lockern den Boden auf, werden irgendwann zu Dünger oder liefern Holz."

Wenn der Mensch nicht eingreift, funktioniert der natürliche Kreislauf so: Die Natur schließt von allein Lücken mit Pflanzen. Wenn diese absterben, bereiten sie den Boden für die nächste Generation mehrjähriger Pflanzen. Später wachsen hier Büsche und Bäume. Deshalb wird in der Permakultur darauf geachtet, keine Lücken entstehen zu lassen - als natürliche Unkrautbekämpfung sozusagen. Zwischen die Beerensträucher, die Stefan Schwarzer am Rand eines Weges angepflanzt hat, hat er schnellwachsende Walderdbeeren gesetzt. Sie sollen als Bodendecker verhindern, dass sich hier Gräser ansiedeln. Pflanzen, die sich positiv beeinflussen, wachsen nun nebeneinander.

Das Prinzip lässt sich auch im Gemüseanbau anwenden. In den Tempelhofener Gewächshäusern stehen Salatpflanzen, Lauch und Sellerie in enger Nachbarschaft: Einer bedeckt den Boden, einer wächst in die Höhe und einer in die Tiefe. "Auf diese Weise wird der Platz effizienter genutzt", so Schwarzer.

Sich um die Erde kümmern, sich um die Menschen kümmern und "fair share" lauten die drei Grundpfeiler der Permakultur. Stefan Schwarzer erklärt, was darunter zu verstehen ist: "In den letzten Jahrhunderten wurden die Böden so ausgebeutet, dass es nicht mehr ausreicht, eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Wir müssen vielmehr regenerativ arbeiten." Für ein gutes Zusammenleben von Mensch und Natur müssten das Wachstum begrenzt, Gewinne geteilt und der Natur etwas zurückgegeben werden. "Alles andere ist Ausbeutung", so Schwarzer.

Prinzip der dauerhaften Landwirtschaft

Entwickelt wurde die Permakultur in den 1970er-Jahren in Australien. Ihr liegt ein nachhaltiges, ökonomisches, ökologisches und soziales Leben zugrunde. Der Begriff leitet sich von "permanent agriculture" ab und bedeutet "dauerhafte Landwirtschaft".

Ziel ist, sich die Natur zum Vorbild zu nehmen und sie zu beobachten, um ähnlich funktionierende Systeme für die Nutzung der menschlichen Bedürfnisse zu entwickeln. Es soll ein langfristig stabiles, widerstandsfähiges und produktives System entstehen, das zugleich Menschen, Tieren und Pflanzen Nahrung und Lebensraum bietet.

Grundsätzlich muss ein Element stets mehrere Funktionen erfüllen, und die gleiche Funktion muss von mehreren Elementen erfüllt werden.

HOF

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