300 Jahre höhere Bildung

Den krönenden Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Schloss-Schule Kirchberg bildet die Sonderausstellung, die gestern im Sandelschen Museum eröffnet wurde.

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Bürgermeister Stefan Ohr, Schulleiter Dr. Ulrich Mayer und Geschichtslehrer Ralf Martius (von links) eröffneten die Sonderausstellung im Sandelschen Museum in Kirchberg.  Foto: 

"Wir wollen nicht Bücher erziehen, sondern Männer", zitierte Bürgermeister Stefan Ohr aus einem frühen Prospekt der "Reformschule Blaubeuren", als deren Ableger die "Reformschule Kirchberg" am 1. Mai 1914 im Kirchberger Schloss gegründet wurde. In hehren Worten bekennt sich der Werbetext zu den Zielen der Charakterbildung im Sinne der Reformpädagogik, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg durch Pioniere der Landerziehungsheim-Bewegung wie Hermann Lietz breiten öffentlichen Zuspruch fand.

Bei der Kirchberger Schulgründung standen allerdings nicht idealistische pädagogische Motive im Vordergrund, berichtete der gegenwärtige Gesamtleiter des Privatgymnasiums, Dr. Ulrich Mayer. Sie geschah "eher aus pragmatischen Erwägungen". Das Städtchen musste seine traditionsreiche Lateinschule schließen und suchte eine Nachfolgeeinrichtung, um weiterhin eine Stätte höherer Bildung im Ort zu haben. Da traf es sich gut, dass der Privatschulunternehmer Karl Stracke aus Blaubeuren seinen Internatsbetrieb expandieren wollte und auch bereit war, Kirchberger Kinder als externe Schüler gegen ein angemessenes Entgelt an seiner Schule mit aufzunehmen.

Der "in pädagogischer Hinsicht wenig überhöhte Gründungsanlass", so Dr. Ulrich Mayer weiter, habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Schule von Anfang an nicht als Fremdkörper wahrgenommen worden sei, sondern als "Schule in und für Kirchberg", wie es auch der Untertitel der Ausstellung "100 Jahre Schloss-Schule" zum Ausdruck bringt.

Mit Blick auf die 1714 gegründete und 1914 geschlossene Lateinschule stelle sich die 100-jährige Schloss-Schul-Geschichte somit "in den weiteren Rahmen einer 300-jährigen Geschichte der höheren Bildung in Kirchberg", führte Mayer weiter aus.

Der Dank des Schulleiters galt dem Schloss-Schul-Team mit Martin Kaiser, Dietmar Zoefelt und Stefan Fitzlaff und vor allem Ralf Martius, die die Ausstellung konzipiert und gestaltet haben, sowie Musiklehrer Winfried Koch für die Klaviermusik zum Auftakt. Zuvor nahm Ralf Martius die zahlreichen Besucher mit auf eine Zeitreise durch die bewegte Schulgeschichte und würdigte dabei die Leistungen prägender Leiterpersönlichkeiten - allen voran den unermüdlichen Einsatz von Amalie Pfündel, die die Entwicklung der Schule von 1926 bis zu ihrem Tod im Jahr 1981 entscheidend mitgestaltet hat. Ihr ist es zu verdanken, dass die Schule nach dem Zweiten Weltkrieg unter schwierigsten Bedingungen wieder eröffnet werden konnte. Dass sie auch bei den Schülern sehr beliebt war, bezeugen die vielen Postkartengrüße an sie, von denen eine Auswahl in der Ausstellung gezeigt wird.

Fotoalben von Schülern, alte Ausgaben der Schülerzeitung "Schlossgeist" und historische Schulprospekte geben interessante Einblicke in den Schulalltag vergangener Epochen, und Modelle sowie Luftbilder dokumentieren die Gebäude- und Baugeschichte vom längst abgerissenen Eberhardsbau im Schlosshof bis hin zum Neubau auf der Windshöhe mit seinen Erweiterungsbauten bis heute.

Info Die Ausstellung "100 Jahre Schloss-Schule" im Sandelschen Museum ist noch bis 6. Januar 2015 zu sehen. Öffnungszeiten: sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr.

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