23 Bürgermeister aus Fernost informieren sich in Kirchberg über Energiewende

Nach dem Reaktorunglück in Fukushima wird auch in Japan die Frage nach alternativen Energien immer lauter. Eine Delegation japanischer Bürgermeister informierte sich in Kirchberg über die Energiewende.

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Markus Blumenstock (Bildmitte) führte die japanischen Bürgermeister durch die hofeigene Biogasanlage. Silke Volk vom FNBB und Gerhard Kreutz (links vorne) von der Energieinitiative Kirchberg begleiteten die Gäste aus Fernost. Foto: Hartmut Volk

Auf ihrer dreitägigen Deutschlandreise machten die 23 Bürgermeister der Vereinigung "Utsukushii Mura" - was zu Deutsch so viel heißt wie die schönsten Dörfer Japans - auch für einen halben Tag in Kirchberg halt. Beim Empfang im Rathaus durch Bürgermeister Stefan Ohr überbrachte Präsident Sashoti Hamada ein Grußwort der Vereinigung aus 54 Dörfern, die sich durch ihren attraktiven Gesamteindruck und die Pflege der eigenen Kultur und Tradition auszeichnen.

Die gemeinnützige Organisation verfolgt die Ziele "Unabhängigkeit der ländlichen Gegend" und "Zufriedenheit der Dorfbewohner", wie es in ihrer Presseerklärung heißt. Dabei sei auch die Landwirtschaft sehr herausgefordert, berichtete der deutsche Begleiter der Studienreise, Dr. Tilo Schmid-Sehl, der in Japan eine Firma zur Förderung erneuerbarer Energien gegründet hat. Eine große Landflucht und der Druck der Weltmarktöffnung stelle die Zukunft der japanischen Dörfer infrage. Um neue Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen und einen attraktiven Lebensraum in ländlichen Regionen anzubieten, wolle man prüfen, welche Möglichkeiten die Nutzung von regenerativen Energiequellen dafür bietet.

Das Kirchberger Programm für die Besucher aus Fernost hatte der in Weckelweiler ansässige Verein "Fördergesellschaft für nachhaltige Biogas- und Bioenergienutzung" (FNBB) organisiert. Vorstandsassistentin Silke Volk stellte bei der nächsten Station auf dem Bauernhof der Familie Blumenstock in Kleinallmerspann kurz deren Arbeit vor. Die FNBB berät die Landwirte, Institutionen und Behörden vor allem bei der Planung von Biogasanlagen zur Gülle- und Gärrestaufbereitung, bietet internationale Trainings dazu an und pflegt ein breites Netzwerk in allen Fragen zum Thema Biogas. Juniorchef Markus Blumenstock führte die Studiengruppe durch den Veredelungsbetrieb mit Bullen- und Schweinemast, der mit seiner Gülle die hofeigene Biogasanlage beschickt. Damit wird Strom für gut 1000 Haushalte erzeugt und die Ortschaft Kleinallmerspann wie auch das angrenzende Kirchberger Gewerbegebiet mit Nahwärme versorgt.

Nach dem Mittagessen im Besucherraum der Familie Blumenstock stellte der Initiator und Vorsitzende der "Energie-Initiative Kirchberg", Gerhard Kreutz, seinen Verein vor. Als dessen großen politischen Erfolg wertete er den einstimmigen Kreistagsbeschluss von 2006, die Energieversorgung im Landkreis langfristig auf erneuerbare Energien umzustellen. Die Stadt Kirchberg gilt hierbei mit ihrem Energiemix aus Strom von sechs Wasserkraftanlagen, vier Windrädern, drei Biogasanlagen und etlichen Hektar Fotovoltaikfläche als Vorreiter und erzeugt damit mehr Strom, als sie verbraucht, worauf Bürgermeister Ohr auch schon am Vormittag im Rathaus mit berechtigtem Stolz hingewiesen hatte.

Vor ihrer Weiterfahrt ins fränkische Merkendorf besuchte die Gruppe noch das Kirchberger Büro des Filmfördervereins "Energiewende Hohenlohe", wo Vorstandsvorsitzender Radek Pernicky die Gäste zum Kaffee begrüßte und der Produzent und Regisseur des international viel beachteten Dokumentarfilms "Die vierte Revolution - Energie-Autonomie", Carl A. Fechner, sein aktuelles Filmprojekt "Change! Ein deutsches Energiemärchen" vorstellte. Es soll am Beispiel der Modellregion Hohenlohe veranschaulichen, dass es möglich ist, durch die Mobilisierung und Vernetzung einer breiten Basisbewegung eine 100-prozentige und dezentrale Versorgung aus erneuerbaren Energien herzustellen.

Fazit des Besuchs: Die Delegation aus Fernost verließ Hohenlohe mit nützlichen Kontaktadressen für eine mögliche künftige Zusammenarbeit und gut versorgt mit Impulsen, die in Japan helfen können, das Bewusstsein für alternative Energien zu stärken.

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