1,6 Millionen Euro weg - Diakoniewerk hat sich verzockt

Um eine möglichst hohe Verzinsung zu erreichen, hat das Haller Diakoniewerk 15 Millionen Euro in Wertpapieren angelegt - und sich dabei die Finger verbrannt. 1,6 Millionen Euro sind bereits weg.

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Darf ein Diakoniewerk Geld in Wertpapieren anlegen? Der Vorstandsvorsitzende des Haller Werkes, Hans-Joachim Lenke, hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und kommt zum Ergebnis: nein. Archivfoto: Marc Weigert

Über was schon seit einiger Zeit hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde, hat sich jetzt bestätigt. Das Evangelische Diakoniewerk, das unter anderem das Krankenhaus (Diak) in Schwäbisch Hall betreibt und mit annähernd 3000 Mitarbeitern zweitgrößter Arbeitgeber im Landkreis ist, hat sich verzockt. Auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittwochabend informierte die Diak-Spitze - Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Lenke, kaufmännischer Vorstand Peter W. Altmayer und Aufsichtsratsvorsitzender Ehrhard Steffen - über das "ärgerliche Thema" (Lenke).

Für dieses Thema ist keiner aus der aktuellen Diak-Spitze verantwortlich, denn der Vorgang fand hauptsächlich im Jahr 2004 statt. Das Diakoniewerk, das im vergangenen Jahr sein 125-jähriges Bestehen feierte, hatte 2004 ein paar Millionen Euro übrig, die angelegt werden mussten. Damals entschied man sich für Wertpapiere, um eine Verzinsung von etwa vier Prozent zu erhalten. Es waren zwar keine hochspekulativen Papiere, berichteten Lenke und Steffen vorgestern, aber heute wisse man, "dass man sie besser nicht gekauft hätte" (Lenke). Diese Aussage des jetzigen Diak-Chefs bezieht sich sowohl auf die Art der Papiere als auch auf den Sachverhalt, dass überhaupt in Wertpapiere investiert worden ist. Darf eine diakonische Einrichtung so was machen? Aufsichtsratsvorsitzender Steffen sagt Nein und deshalb werden solche Geschäfte nicht mehr getätigt.

Der Vorgang von 2004, der sich bis ins Frühjahr 2005 zog, gewinnt eine besondere Brisanz, wenn man sich vergegenwärtigt, wer damals im Diak-Vorstand war. Vorsitzender war Frank Otfried July, heute Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Kaufmännischer Vorstand war damals Dr. Wolfgang Ladewig, einstmals Vorstandsmitglied der Bausparkasse Schwäbisch Hall und nach seiner Zeit im Diak-Vorstand auch noch Diak-Aufsichtsratsvorsitzender. Auf Nachfrage bestätigten Lenke und Steffen, dass die Wertpapierkäufe damals vom kaufmännischen Vorstand getätigt worden seien.

Inzwischen ist eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Steffen betonte vorgestern: "Wir arbeiten das Ganze jetzt systematisch und akribisch auf." Geprüft werde auch, ob schuldhaftes Verhalten vorliegt, geprüft werde zudem, ob gegen damals Beteiligte zivilrechtlich vorgegangen werden kann.

1,6 Millionen Euro sind weg, einen "Totalschaden" schließt Steffen aus. Es werde einen "interessenwahrenden Verkauf" der Wertpapiere geben, im Augenblick sei es so, dass ihr Wert wieder steige. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass das Diakoniewerk weitere Verluste hinnehmen müsse. Der Verein möchte bis 2019 ein neues Krankenhaus in Hall gebaut haben, die Kostenschätzung liegt im Augenblick bei 230 Millionen Euro.

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