110-Kilovolt-Leitung der ENBW: Kein Jubel über die Strom-Pläne

Die ENBW-Pläne für eine Hochspannungsleitung zwischen Kupferzell und Rot am See lösen nicht gerade Begeisterungsstürme in jenen Kommunen aus, über deren Gemarkung womöglich die Trasse führt.

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In Öhringen stellte der Energiekonzern ENBW dieser Tage die Pläne für ein millionenschweres Projekt vor: Eine neue 110.000-Volt-Hochspannungsleitung zwischen Kupferzell und Rot am See soll das durch den Ökostrom-Boom in Hohenlohe arg strapazierte regionale Netz entlasten (das HT berichtete).

Noch ist nichts entschieden: Die ENBW-Pläne durchwandern jetzt erst mal den Bürokratie-Dschungel. Das Regierungspräsidium prüft in einem Raumordnungsverfahren drei alternative Trassen, die von der ENBW als generell geeignet für den Stromtransport auf 20 bis 50 hohen Masten eingestuft wurden.

Die Behörde bewertet auch die Möglichkeit, den "Saft" aus Hohenlohe per Erdkabel abfließen zu lassen - was aber die Kosten für die rund 23 Kilometer lange Strecke von zehn auf 40 Millionen Euro hochtreiben würde.

Allein das Genehmigungsverfahren dürfte rund fünf Jahre in Anspruch nehmen. Aber schon jetzt hat das Projekt das Zeug dazu, die dauerhafte Lufthoheit über den hohenlohischen Stammtischen zu erringen. Heftiger Jubel blieb nämlich auch auf den Rathäusern von jenen Kommunen aus, die (je nach Trasse) von dem Projekt tangiert sein könnten.

Der Langenburger Bürgermeister Wolfgang Class und seine Kollegen Klaus-Dieter Schumm (Gerabronn), Siegfried Gröner (Rot am See) und Roland Wurmthaler (Ilshofen) sind sich weitgehend einig darin, dass die neue Stromleitung keinesfalls auf der Liste ihrer Wunschträume steht.

Im Detail allerdings bewerten die vier Schulzen den ENBW-Plan sehr unterschiedlich. Wolfgang Class geht davon aus, dass eine Trasse über "seine" Gemarkung auf "erheblichen Widerstand" in der Bevölkerung stoßen werde: "18 geplante Windräder im Brüchlinger Wald und dann noch die Masten einer Hochspannungsleitung, die bei uns das Jagsttal überquert - eine solche doppelte Belastung kann ich mir schlichtweg nicht vorstellen." Weil der endgültige Verlauf der Strom-Strecke derzeit aber noch völlig unklar ist, "können wir noch auf eine andere Lösung hoffen".

Eine heftige Trassen-Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt hält der Gerabronner Bürgermeister Klaus-Dieter Schumm aus Gerabronn für "reine Kaffeesatz-Leserei" - weshalb er das ENBW-Projekt "völlig unaufgeregt" betrachte: "Aber es wird Debatten geben, keine Frage - wie zum Beispiel zur Überquerung des Jagst- und Brettachtales in wahrlich sehr sensiblen Bereichen."

Ökostrom muss transportiert werden

Bürgermeister Siegfried Gröner aus Rot am See (dort will die ENBW zudem ein neues Umspannwerk vermutlich in der Nähe von Lenkerstetten errichten) kann sich durchaus "Schöneres als eine Stromleitung vorstellen". Eine "große Mehrheit der Bürger hat aber die Energiewende gewollt - und dazu gehört es dann auch, den Ökostrom transportieren zu können".

Die grundsätzliche Notwendigkeit der Leitung sieht auch Bürgermeister Roland Wurmthaler aus Ilshofen, der das Projekt "ganz sachlich" betrachtet. In Obersteinach und Ruppertshofen etwa, wo noch weitere Windräder geplant sind, "wird eine solche zusätzliche Masten-Trasse aber sicher nicht positiv in der Bevölkerung gesehen".

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