100 Jahre Erster Weltkrieg (5): Der Maler Otto Albrecht wird zum Pazifisten

Er liebte den Frieden und hasste die Gewalt: Seine Erlebnisse auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges machten den Maler Otto Albrecht aus Amlishagen zum Pazifisten. 1943 ermordeten ihn die Nazis.

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  • Mit apokalyptischen Szenen wie auf dieser Tuschezeichnung hielt Otto Albrecht bei seinen Einsätzen an der Ostfront die Schrecken des Ersten Weltkrieges fest. 1943 wurde der Künstler aus Amlishagen im KZ Sachsenhausen ermordet. Fotos: Harald Zigan 1/2
    Mit apokalyptischen Szenen wie auf dieser Tuschezeichnung hielt Otto Albrecht bei seinen Einsätzen an der Ostfront die Schrecken des Ersten Weltkrieges fest. 1943 wurde der Künstler aus Amlishagen im KZ Sachsenhausen ermordet. Fotos: Harald Zigan
  • Ein Selbstbildnis von Otto Albrecht: Der Erste Weltkrieg machte aus dem Maler einen Pazifisten. 2/2
    Ein Selbstbildnis von Otto Albrecht: Der Erste Weltkrieg machte aus dem Maler einen Pazifisten.
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Vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges musste Otto Albrecht die apokalyptischen Menschenschlächtereien ertragen. Vier Jahre lang war er als einfacher Soldat des Landwehr-Infanterieregiments 34 an der Ostfront eingesetzt - zunächst in Ostpreußen, dann in Lettland und zuletzt in der Ukraine im Raum Shitomir und am Stochod-See in Wolhynien, wo sich im Sommer 1916 deutsche und österreichisch-ungarische Truppen bei der "Brussilow-Offensive" ein unvorstellbar blutiges Gefecht mit der russischen Armee lieferten. Binnen vier Monaten waren auf beiden Seiten über eine Million (!) Soldaten tot oder verwundet.

Was Krieg bedeutet

Otto Albrecht kehrte 1918 körperlich heil, aber seelisch schwer verwundet aus diesem Krieg nach Amlishagen zurück: Mehrere Monate lang war der traumatisierte Mann nicht in der Lage, einen einzigen Pinselstrich zu führen. Aus alter Verbundeinheit mit seinen Kriegskameraden steuerte Otto Albrecht im Jahr 1920 zwar noch die Illustrationen für ein Buch mit der Regimentsgeschichte bei. Mit säbelrasselnden Militaristen wollte der sozialdemokratisch eingestellte Otto Albrecht aber nichts mehr zu tun haben: Er hatte an der Ostfront zur Genüge gesehen, was Krieg bedeutet.

1912 war der aus Berlin stammende Maler erstmals in das Dorf bei Gerabronn gekommen: Im Schloss schmückte er im Auftrag von Heinrich Bürger den Rittersaal mit Fresken.

Einquartiert war der Künstler im Gasthaus "Löwen" in Amlishagen, wo er die Wirtstochter Emma Bayer kennen- und lieben lernte. Bei einem kurzen Fronturlaub im Jahr 1917 standen sie vor dem Traualtar. Otto Albrecht machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen alles Militärische - auch nicht im "Dritten Reich". Er durchschaute schnell die brachiale Gewalt, mit der ein Adolf Hitler erneut auf einen großen Krieg zusteuerte. Der Maler setzte sich damit vielerlei Anfeindungen aus und verlor nicht nur Aufträge, mit denen er seine sechsköpfige Familie ernähren musste.

Sein Sohn Hartmann berichtet über diese Zeit: "Otto Albrecht hatte sehr viele Freunde in der Gegend. Zu Beginn der Nazi-Zeit kamen diese ganz plötzlich mit einer braunen Uniform daher. Er hat sie dann links liegen gelassen. Auch Kriegskameraden . . . sind plötzlich von ihm fern geblieben, weil sie mit ihm, dem Pazifisten, keinen Kontakt mehr haben wollten und ihn als gefährlich empfanden."

Zu Tode gequält

Die mutige Gegnerschaft zur NS-Diktatur bezahlte Otto Albrecht mit seinem Leben: Nach vielfachen Denunziationen wurde er im April 1942 verhaftet und am 14. Februar 1943 im KZ Sachsenhausen zu Tode gequält. Seine Frau Emma überlebte die monatelange Haft im KZ Ravensbrück. Die beiden Töchter Elfriede und Gisela gerieten in Berlin ebenfalls in die Hände der Gestapo, kamen nach wochenlangen Verhören und Torturen aber wieder frei.

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