Neue Turbulenzen

Windpark Wittenweiler: Gericht setzt Insolvenzverwalter ein

Blaufelden.  Das Trauerspiel um den geplanten Windpark bei Wittenweiler hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Ein vorläufiger Insolvenzverwalter aus Paderborn hat jetzt bei den Projekt-Unternehmen das Sagen.

Sieben einsame Baugruben, verstreut auf einem 56 Hektar großen Gelände mit Äckern und Wiesen rundum - das ist alles, was derzeit von einem ehrgeizigen Projekt zeugt, dessen Anfänge sich bis in das Jahr 1999 zurückverfolgen lassen.

Eine durchaus zugige Anhöhe nördlich von Wittenweiler war nach vielen Gutachten und etlichen Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zum Standort für den größten Windpark im Kreis Schwäbisch Hall auserkoren worden. Sieben Anlagen zum Kostenpunkt von 23 Millionen Euro sollten dort den Wind zu Geld machen und jährlich 33 Millionen Kilowatt Strom in das Netz einspeisen.

Die Aussicht auf Zinsen von bis zu 8,5 Prozent, mit denen noch im Juli 2011 für das Projekt in Wittenweiler geworben wurde, lockte offenbar auch private Anleger in Scharen an. Mike Rico Trentzsch aus dem westfälischen Lippstadt, der sowohl bei der Windpark Blaufelden GmbH & Co. KG als auch bei der mit dem Windpark eng verbundenen RERE Capital GmbH als Geschäftsführer fungiert, nannte im April 2011 auf HT-Anfrage die Zahl von 140 Investoren aus der Region, mit deren Geld allein fünf der sieben Windräder gebaut würden.

Statt Rotoren kamen aber Rechtsanwälte ins Spiel: Nachdem Mike Rico Trentzsch im Dezember 2009 die Projektrechte vom ursprünglichen Planer Michael Behlau gekauft hatte, flogen schon kurze Zeit später die Fetzen. Die einstigen Geschäftsfreunde mutierten zu erbitterten Feinden, die sich gegenseitig mit Klagen und Strafanzeigen beharken. Es wird nicht etwa nur um Vertragsunterlagen oder Grunddienstbarkeiten gestritten, sondern vor allem um viel Geld: Michael Behlau hat nach eigenen Angaben noch aus dem Projektverkauf eine Rechnung über 950 000 Euro offen, die sich mitsamt Verzugszinsen und Anwaltskosten auf 1,1 Millionen Euro summiert. Außerdem verlangt er einen Schadensersatz von 780 000 Euro.

Im Juni 2010 schließlich zückte Michael Behlau, der seit 2006 in der Schweiz wohnt, ein scharfes Schwert: Beim Amtsgericht in Paderborn stellte er einen Insolvenzantrag gegen die beiden besagten Firmen, die dort im Handelsregister eingetragen sind. Diesen Schritt unternahm auch die Firma Seewind, die von den rund 560 000 Euro für ihre Bauarbeiten auf dem Gelände "noch keinen Cent gesehen hat", wie Geschäftsführer Gerd Seel dem HT sagte.

Nach einem Gutachten über die wirtschaftliche Situation der Windpark-Firmen ordnete jetzt das zuständige Amtsgericht in Paderborn in einem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der beiden Unternehmen an, dass nur noch der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus aus Paderborn den Zugriff auf die Vermögenswerte der Firmen hat.

Eine Prognose über die Zukunft des Windparks vermochte Rechtsanwalt Oliver Ehrhardt aus der Kanzlei Kebekus nicht zu stellen: "Das ist kein klassischer Fall, weil das Projekt ja noch in den Kinderschuhen steckt und viele Fragen strittig sind." Deshalb konnte der Anwalt auch über die Aussichten der betroffenen Privatanleger und ihrer finanziellen Beteiligungen keine Angaben machen.

Mike Rico Trentzsch erklärte gegenüber dem HT, dass er sich zu dem Insolvenzeröffnungsverfahren nicht äußern wolle. Und Michael Behlau hält sich zurück bei der Frage, ob er eventuell das Windpark-Projekt in Wittenweiler wieder übernehmen will: Ihm erscheine es derzeit "noch zu früh, über das weitere Vorgehen zu entscheiden."


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Autor: HARALD ZIGAN | 24.11.2011

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