"So geht man mit mir nicht um"

Wildenstein.  "Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos", sagte Dieter Wolf bei der Überreichung der Ehrenmedaille der Gemeinde Fichtenau. Jetzt hat er sie zurückgegeben. Der Grund: Angriffe.

"Wenn Sie Charakter haben", schreibt Ehrenbürgermeister Dieter Wolf an den amtierenden Bürgermeister Martin Piott, "dann entschuldigen Sie sich bei mir für Ihre stetigen unbegründeten und fast schon verleumderischen Anklagen". Dem Brief beigelegt: Die goldene Ehrenmedaille der Gemeinde Fichtenau, mit der Wolf im August 2005 ausgezeichnet wurde. (Außerdem wurde ihm an diesem Tag das Bundesverdienstkreuz verliehen und er zum Ehrenbürgermeister ernannt). "In Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Gemeinde Fichtenau und deren Bürger", wie auf der Urkunde steht. Auch diese hat Dieter Wolf, der von 1973 bis 2005 als Bürgermeister der Gemeinde Fichtenau wirkte, zurückgegeben.

"Wenn man sich das sieben Jahre lang anhören muss, dann reicht es einfach", begründet Wolf sein Handeln. "Von mir aus wäre ich damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen", sagt er in einem Gespräch, um das ihn das HOHENLOHER TAGBLATT gebeten hat. Bürgermeister Martin Piott hatte zuvor dem HT gegenüber die Rückgabe der Ehrenmedaille und den Erhalt eines Briefes bestätigt. Letzter Auslöser für seine Reaktion, so Dieter Wolf, seien Aussagen gewesen, die Piott in einem HT-Gespräch (siehe Bericht "Gemeinde kann wieder atmen" vom 7. Januar) gemacht hatte. "So kann man mit mir einfach nicht umgehen", macht Wolf seinem Ärger Luft. Er wirft seinem Nachfolger vor, wie die "Axt im Walde" zu handeln, dauernd auf ihm herumzuhacken. Er verlange von einem Bürgermeister einen gewissen Anstand, "und den vermisse ich hier". Kernpunkt der Kritik ist die von Wolf so bezeichnete "stetige Schuldenanklage". Fast sieben Jahre lang habe er sich jetzt angehört, dass er die Gemeinde "an den Abgrund, an die Wand gefahren und nur Schulden gemacht" habe. "Damit Sie wissen, dass Sie eine intakte Gemeinde mit optimaler Infrastruktur übernommen haben" rät er Piott, mal die alten Haushaltspläne anzusehen. Dann werde er schnell feststellen, dass Gemeinderat und Verwaltung in all den Jahren "optimal die Zuschüsse ausgenutzt haben". Damit sei es gelungen, kostengünstig Schulzentrum, Kanalisation, Gehwege, Straßen, Sportzentrum, Rat- und Bürgerhaus, Turn- und Festhalle Matzenbach (". . . ein großer finanzieller Brocken, aufgrund der hohen Zuschüsse aber eine einmalige Chance") und weitere Verbesserungen der Infrastruktur zum Wohle der Einwohner zu schaffen. Außerdem hätten Gemeinderat und Verwaltung eine positive vorausschauende Grundstückspolitik betrieben und damit eine gute Einnahmequelle geschaffen.

Wolf geht in seinem Brief auch auf den "Wächter" (Engelsflügel vor dem Rathaus) ein (". . . sie mussten nicht kaufen") sowie auf die Beiträge für Wasser und Abwasser. Der Gemeinderat habe sich während seiner (Wolfs) Amtszeit mehrfach mit dieser Aufgabe und Angelegenheit befasst und entsprechende Beschlüsse gefasst, "die sie nun nach fast sieben Jahren anscheinend immer noch nicht umgesetzt haben". Wolf geht auf die Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren ein (. . . hat mit der von ihnen dargelegten finanziellen Situation überhaupt nichts zu tun") und stellt Martin Piott ein "kommunalpolitisches Armutszeugnis" aus, "wenn Sie nach fast sieben Jahren immer nur von Schulden reden und schreiben und immer nur die Vergangenheit anführen, deren Schwierigkeit Sie gar nicht kennen und anscheinend auch nicht kennenlernen wollen". Piott betreibe Populismus und mache die Arbeit von 32 Jahren, "die gewiss nicht leicht war", schlecht.

Wolf wollte (und will weiterhin) eine Entschuldigung von Piott und keine mündlichen oder schriftlichen Erklärungsversuche, womit Bürgermeister Martin Piott angesichts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe "so gar nicht zurechtkommt", wie er in einem Brief formuliert. Also schlug er Wolf ein "gemeinsames und hoffentlich klärendes Gespräch" unter vier Augen vor, das denn auch geführt wurde. Aber: Wolf ist mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden, "weil das Gespräch wie erwartet immer wieder in Erklärungsversuche mündete". Er verlangt von Piott eine öffentliche Entschuldigung und eine Richtigstellung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

"Ich habe großen Respekt vor dieser Lebensleistung", würdigt Bürgermeiser Piott gegenüber dem HT die Arbeit von Dieter Wolf. Er wolle sich aber dennoch nicht in Lobhudelei ergehen. Als er das Amt übernommen habe, sei die finanzielle Situation nämlich "besorgniserregend" gewesen. "Uns ging es wirklich schlecht" blickt er zurück "und wir standen vor dem finanziellen Abgrund". Die Rückgabe der Ehrenmedaille ist für ihn "völlig überraschend" und "sehr bedauerlich". Wird er wie von Wolf gefordert öffentlich richtig stellen und sich entschuldigen? "Es gibt nichts zu entschuldigen", so Piott gegenüber dem HT, weil es keine (so von Wolf bezeichnete) Schuldenanklage gebe. "Aber wir haben diese Schulden", ergänzt er, "und den Auftrag sie abzubauen" - das gelinge Verwaltung und Gemeinderat recht gut. Wurde das Gremium über die Rückgabe der Ehrenmedaille informiert? Ja, es wurde, aber "natürlich nichtöffentlich", weil es sich um einen rein personenbezogenen Vorgang handle, wie Bürgermeister Piott argumentiert.


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Autor: WOLFGANG RUPP | 11.02.2012

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