Schuld war ein Fastnachtsküchle

Langenburg.  Drei Jahre hat Fritz Frank an der Übersetzung des Buchs "The Last Witch of Langenburg" gearbeitet. Am Sonntag stellte er nun sein fast 400 Seiten starkes Werk der Öffentlichkeit vor - noch vor Fasching.

Alles begann am Fastnachtsdienstag des Jahres 1672. Eva Schmieg, die Tochter der Müller-Familie von Hürden, brachte, ganz wie es Brauch war, bei den Nachbarn Fastnachtsküchlein vorbei. Anna Fessler, aus der entfernteren Nachbarschaft, aß eines. Nach Schmerzen in der Nacht war sie am nächsten Tag tot. Anna Schmieg hatte die Küchlein gebacken und wurde deswegen der Hexerei verdächtigt. Die Müllersfrau war in ihrer Nachbarschaft nicht beliebt, und Gerüchte nahmen schnell ihren Lauf. Die Tochter wurde beim Verhör durch den Kanzleidirektor des Grafen Heinrich Friedrich zu Hohenlohe-Langenburg, Tobias von Gülchen, zum Verrat an der Mutter verleitet.

Gülchen holte für einen Prozess zwei Gutachten von der Universität Altdorf in Nürnberg und ein drittes von der Universität in Straßburg ein. Doch Anna Schmieg stritt selbst unter Folter alles ab. Erst Hofprediger Kasimir Diezel soll sie nach wochenlangem Befragen ihr Hexendasein gebeichtet haben. Das reichte Gülchen für einen Prozess, der am 8. November 1672 vor dem Henker ein Ende fand.

Der amerikanische Historiker Thomas Robisheaux war diesem zeitlich spät stattfindenden Hexenprozess wissenschaftlich nachgegangen und hatte im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein die entsprechenden Akten gefunden und weitere in Langenburg. Dort hatte ihn auch Fritz Frank getroffen, der versprach, die Publikation ins Deutsche zu übersetzen. 2009 wurde Robisheaux "The Last Witch of Langenburg" veröffentlicht. Drei Jahre danach stellte Fritz Frank am Sonntagabend im Hause Ruopp nun seine Übersetzung vor.

Heide Ruopp las daraus den Beginn der Geschichte um Anna Schmieg. Wilhelm Ruopp zitierte aus dem Vorwort von Wolfgang Schlauch zur deutschen Übersetzung, betrachtete die Ankläger - vom Grafen bis zum Hofprediger - genauer und gestaltete zusammen mit Petra Schell und Ingrid Dengler den musikalischen Teil der Buchvorstellung auf Posaunen und Akkordeon passend mit Stücken aus dem 17. Jahrhundert. Andreas Volk, Ahnenforscher und Archivar aus Kupferzell, hatte sich mithilfe einer Karte von 1818 und den fürstlichen Steuer- und Besitzeintragungen kundig gemacht, wer wo in Hürden gewohnt hatte.

In die USA hatte es Fritz Frank durch seine Kriegsgefangenschaft verschlagen. Dort hatte er sich intensiv mit englischer Sprache und US-amerikanischer Geschichte auseinandergesetzt. Das war einer der Gründe für sein Vorhaben, Robisheaux Buch zu übersetzen. Der andere ging, so berichtete Fritz Frank, auf Kinderfreundschaften nach Hürden zurück und auf Ingaruth Schlauchs Theaterstück "Die Hexe von Hürden".

Kurz nach seinem 89. Geburtstag konnte Fritz Frank nun seine fast 400-seitige Übersetzung präsentieren, die man künftig in der Langenburger Bücherei lesen oder ausleihen kann. Zur Vorstellung dieser fünf Exemplare gabs auf Wunsch des Übersetzers zum Abschluss noch Glühwein - und Fastnachtsküchlein.


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Autor: RALF SNURAWA | 08.02.2012

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