Motor, Herz und Seele eines Dorfes

Brettheim.  Ein hoch angesehener Mann wird heute 80 Jahre alt: Fritz Braun, ehemaliger Ortsvorsteher und treibende Kraft hinter der Erinnerungsstätte für die im April 1945 ermordeten "Männer von Brettheim".

Nicht aus platter Geltungssucht, sondern aus der tiefen, im christlichen Glauben verwurzelten Überzeugung heraus, seinen Mitmenschen helfen zu wollen, füllte Fritz Braun über Jahre hinweg eine schier unglaubliche Anzahl von Ämtern und Führungsfunktionen aus: als Gemeinderat, als Ortsvorsteher von 1980 bis 1994, beim örtlichen Sportverein, als Verwalter des einstigen Krankenhauses, beim Gesangverein, in der Raiffeisenbank und als Lektor der evangelischen Kirche - um nur einige von zahllosen Feldern zu nennen, die von Fritz Braun neben seinem Beruf als selbstständiger Textilkaufmann kraftvoll bestellt wurden.

Vor 15 Jahren wurde dieses Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Und Fritz Braun meinte es seinerzeit absolut ernst, als er nach der Ordensverleihung sagte: "Am liebsten würde ich rausgehen an die Linden vor dem Friedhof und dort das Verdienstkreuz anbringen für die Männer von Brettheim, die man in Schande gehängt hat."

Denn dieser Ort steht untrennbar mit der wohl größten Leistung von Fritz Braun in Verbindung: Er war der Motor einer 1992 eingerichteten Erinnerungsstätte im Brettheimer Rathaus, die das Schicksal der drei "Männer von Brettheim" dokumentiert, die am 10. April 1945 auf Befehl eines SS-Generals ermordet wurden.

Diesen unschuldigen Männern ihre Würde zurückzugeben, ihr bitteres Schicksal nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und als Beispiel für Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten an künftige Generationen weiterzugeben - dieser Aufgabe widmet sich Fritz Braun bis auf den heutigen Tag.

Von 1988 bis 2004 amtierte er als Vorsitzender des Fördervereins für die Erinnerungsstätte, die bis heute von rund 45 000 Menschen besucht wurde. Schätzungsweise 800 (!) Führungen dürften bisher allein von Fritz Braun absolviert worden sein, der nicht nur Schulklassen eindrücklich und nachhaltig erklären kann, wohin Menschenverachtung und totalitäre Macht führen können.

In alter Verbundenheit wünscht auch das HT alles Gute zum 80. Geburtstag.


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Autor: HARALD ZIGAN | 02.08.2010

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