Missionar des freien Marktes
Rot am See. In Zeiten wirtschaftlicher Verunsicherung ist Roland Heuschmann absolut sicher: Unser Wirtschaftssystem wird früher oder später zusammenbrechen. Der Edelmetallhändler rät - klar - zu Gold und Silber.
Früher war Roland Heuschmann Kommunikationselektroniker und hat bei der Telekom gearbeitet. Das war ihm irgendwann zu wenig. Er absolvierte eine theologische Ausbildung an der Bibelschule Kirchberg, machte dann seinen Master in Theologie. Heuschmann wurde Kinder- und Jugendreferent in Rot am See und Leiter der Kirchberger Bibelschule. Jetzt ist er Edelmetallhändler - und gleichzeitig Prediger der Krise, Missionar des freien Marktes, Verkündiger der Wahrheit, wie er sie sieht.
Als die Weltwirtschaft ab 2007 unübersehbar in die Krise schlitterte, begann Heuschmann das ökonomische System zu hinterfragen. Er hat Bücher gelesen und Vorträgen gelauscht, Dokumentationen gesehen und mit Experten gesprochen. Danach war für ihn klar: "Es wird unweigerlich zum Kollaps kommen, das ist reine Mathematik." Das Grundübel sieht er in der Abkopplung des Papiergelds vom Gold: "Wir haben Falschgeld." Jahrzehntelang habe die Politik versucht, die Geldmenge zu steuern - Gier nach Wachstum, immer mehr Geld, immer höhere Schuldenberge. "Alles Geld, das auf den Markt kommt, kommt durch Schulden auf den Markt und muss durch Zinsen zurückgezahlt werden." Die Staatsverschuldung wachse nahezu exponenziell. Was das bedeutet, verdeutlicht Heuschmann so: Hätte Josef zu Zeiten Jesu Geburt einen Cent mit fünf Prozent Jahreszins angelegt, hätte er heute einen Wert von Hunderten Quadrillionen Euro auf der Habenseite. Hätte er hingegen jedes Jahr den erhaltenen Zinssatz abgehoben, wäre gerade ein Euro zusammengekommen. Ausweg Schuldenbremse? "Das ist eigentlich ein völliger Witz", sagt Heuschmann. Weniger Geld lasse das nach "Futter" gierende System genauso zusammenbrechen.
Klar, dass der Edelmetallhändler - der mit anderen Händlern zusammenarbeitet und seine Ware in Kitzingen lagert - Privatleuten die Flucht in Gold und Silber empfiehlt. Nicht Eigennutz sei das Motiv, betont Heuschmann, die Einsicht sei seiner Tätigkeit schließlich vorausgegangen. Das System indes müsse nach dem Zusammenbruch grundlegend umgekrempelt werden: konstante Geldmenge, Goldpreisbindung, nur Kleinbanken à la Gammesfeld und ein "wirklich freier Markt". Dass da bei vielen Menschen die Alarmglocken schrillen, weiß Heuschmann. Er ist der Meinung, dass es bisher noch nie eine wirklich freie Marktwirtschaft gegeben habe - aus seiner Sicht: leider.
Heuschmann engagiert sich jetzt in einer Partei, die ihr Selbstbewusstsein im Namen trägt: "Partei der Vernunft". Wichtige Programmpunkte: mehr direkte Demokratie und Entscheidungsbefugnisse vor Ort, weniger Staat. Wegen dieses politischen Engagements ist der Fernsehsender ARTE auf den Edelmetallhändler aus Rot am See aufmerksam geworden. In einer Reportage zur Euro-Krise darf sich nun auch der 45-Jährige äußern - als Gegner des Euro und von Griechenlandhilfen. "Die D-Mark wäre das geringere Übel", sagt er. "Der Euro beschleunigt die Problematik."
Info Der Beitrag läuft heute um 18.20 Uhr in der Sendung ARTE Reportage.
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Autor: SEBASTIAN UNBEHAUEN | 07.01.2012
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