Gedenken gibt auch Hoffnung

Brettheim.  65 Jahre ist es her, dass in Brettheim drei aufrechte und ehrenwerte Bürger hingerichtet wurden. Und auch 65 Jahre danach gedenken viele Menschen dieser Männer und weiteren Opfern des Unrechtsregimes.

"Dieses Gedenken gibt uns auch Hoffnung", wie Ortsvorsteher Reiner Groß bei der immer wieder eindrucksvollen, nachdenklich aber auch zuversichtlich stimmenden Gedenkfeier am Samstagabend sagte. Er verbindet mit diesem Erinnern die Hoffnung, dass keiner dieser Opfer vergessen wird, dass Menschen aufmerken und sich dem Unrecht entgegenstellen, dass es Menschen endlich lassen, Kriege zu führen und einander zu vernichten. Und er verbindet damit die Hoffnung, dass das Elend um uns herum und in allen Teilen der Welt endlich kleiner wird.

"Wir müssen uns die Hoffnung jeden Tag neu erkämpfen", machte Groß deutlich "uns gegenseitig Mut machen" und lernen, neu und bewusst mit den Mitmenschen in unserer Gesellschaft zu leben. "Lassen wir unsere Hoffnung nicht fallen", appellierte er an die erneut in großer Zahl am Eingang des Friedhofes versammelten Menschen, "denn Hoffnung, die wir immer wieder neu schöpfen und in unserem Herzen tragen, ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft." Sicher hatten auch der Bauer Friedrich Hanselmann, der Bürgermeister Leonhard Gackstatter und der Hauptlehrer Leonhard Wolfmeyer an eine bessere Zukunft geglaubt, als das Ende des Krieges schon zum Greifen nahe war. Alle drei wurden am 10. April zum Tode verurteilt und an den Linden vor dem Friedhof erhängt, weil sie sich gegen die "Obrigkeit" gestellt hatten.

Dr. Franz Josef Merkl hat sich intensiv mit dieser Zeit auseinandergesetzt und vor Kurzem ein Buch über jenen SS-Gruppenführer und Generalleutnant geschrieben, der in engem Zusammenhang mit den schrecklichen Geschehnissen im April des Jahres 1945 steht: Max Simon.

Dieser hatte, so die Überzeugung des Historikers, aus den Konzentrationslagern Sachsenburg und Dachau die Grundelemente der SS-Herrschaft über die Häftlinge mit in den Krieg gebracht und auch praktiziert: Menschenverachtung, Brutalität, Mordlust und Vernichtungswillen. Simon sei davon überzeugt gewesen, dass die kämpfende deutsche Volksgemeinschaft nicht besiegt werden könne, solange sie zusammenhielt. Seinem Durchhalte-Wahn fiel nicht nur der Landwirt Friedrich Hanselmann zum Opfer, der vier endsiegverblendete Hitler-Jungen entwaffnet hatte. Auch der Brettheimer Bürgermeister Leonhard Gackstatter und der NSDAP-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer wurden auf Geheiß des SS-Kommandeurs gehängt, weil sie das Todesurteil gegen den Mitbürger nicht mit ihrer Unterschrift besiegeln wollten. 17 weitere Menschen aus Brettheim starben wenige Tage später, als das Dorf von SS-General Simon zu einem Eckpfeiler der deutschen Verteidigung erklärt und dann von deutschen und amerikanischen Truppen in Schutt und Asche gelegt wurde.

Und wofür standen die "Männer in Brettheim"? Sie standen für konkrete Menschlichkeit, für das Recht und gegen Terror und eklatantes Unrecht, so Dr. Merkl. "Menschlichkeit, Gewissenstreue, Zivilcourage und die Achtung des Rechts haben auch heute für uns Gültigkeit" - so der Redner, "in Ausnahmesituationen genauso wie im Alltag."

Für eine eindrucksvolle Umrahmung der Feier sorgten die Kirchenchöre aus Brettheim und aus der französischen Partnerstadt Chatte sowie der Posaunenchor.


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Autor: WOLFGANG RUPP | 12.04.2010

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