Einst sogar in Paris gefragt Limpurger Rind besser vermarkten
Langenburg. Den Limpurger Weideochsen in der Akzeptanz nach vorne zu bringen, seine Vermarktung zu stärken und die Bestände zu erhöhen, das ist jetzt das erklärte Ziel der Hohenlohe- Gesellschaft.
Der Weideochse vom Limpurger Rind ist nicht nur ein ausgezeichneter Lieferant herrlich-zart marmorierten Fleisches, er galt vor wenig mehr als 25 Jahren auch als ausgestorben. Quasi auf den letzten Drücker wurden gut 50 Kühe (und ein letzter reinrassiger Bulle) von der seinerzeit flugs gegründeten Züchtervereinigung zusammengesucht und im Herdbuch vereint. Inzwischen ist die Herde auf knapp 500 Muttertiere, mehrere Bullen und an die hundert Mastochsen gewachsen. Fazit: Bestand vorerst gesichert. An die 40 Limpurger Weideochsen jährlich werden geschlachtet. Ihr Fleisch wird an wenige Metzger und Gastronomen und somit letztlich auch an Endverbraucher und Gourmets veräußert - in der Summe aber ein Tropfen auf den heißen Stein.
Wohin soll die Reise gehen? Das war jetzt die Frage bei einer Diskussionsrunde des Patronatsvereins der Hohenlohe-Gesellschaft im Langenburger Schloss. Der Hausherr, Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, ist zugleich Vorsitzender des kleinen, aber rührigen Vereins, der gerade zur Unterstützung seiner Anliegen in 3000er-Auflage eine hochwertige Broschüre veröffentlicht hat. "Der Weideochse vom Limpurger Rind", so der Titel, ist ein kulinarisches Porträt eines typisch hohenlohischen Produkts, das in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts wegen seiner exquisiten Qualität gar im fernen Paris für Aufsehen sorgte.
Die Antwort auf die Frage, ob die Zahl der Tiere erhöht werden kann und soll, lieferte die Gesellschaft gleich mit. Auf bis zu 800 Tiere wurde der Wunsch-Bestand beziffert, was sich natürlich auch bis in die Zahl der dann schlachtreifen Ochsen auswirken würde: An die 100 wären es dann. Aber: "Ist das zu vermarkten?", wollte Diskussionsleiter Claus-Peter Hutter wissen. Die Bevölkerungszahl im Großraum Stuttgart müsste das hergeben, meinte der Leiter der Akademie für Umwelt und Naturschutz des Landes Baden-Württemberg.Landwirte und Metzger bräuchten Abnahme-Garantien, betonten die Diskutanten Siegfried Hespelt, Metzgermeister aus Hall, und (Hobby-)Züchter Harald Glasbrenner.
"Von den besten Stücken könnten wir sicher mehr verkaufen", sprach Hespelt das Problem an, dass das Fleisch meist nur geteilt oder geviertelt in den Verkauf gelangt. "Gezüchtet wird aber nun mal kein Ochse mit zehn Filets", sagte er. So sei es eben nicht leicht, auch die weniger beliebten Teile des Tieres zu vermarkten. Diese Stücke müssten veredelt werden. Mit einem leicht höheren Preis pro Kilo Schlachtgewicht könnte Züchter Martin Mayer schon leben. Schließlich stünden seine Ochsen ja mit bis zu 36 Monaten Schlachtalter doppelt so lange auf der Weide und im Stall wie gewöhnliche Mastbullen. "Langsameres Wachstum sorgt beim Erzeuger für höhere Kosten", ergänzte er. Logisch. Also doch nicht mehr Weideochsen aufziehen und vermarkten? "Es kommt darauf an, das Produkt bekannt zu machen und dafür zu werben, dass das Limpurger Rind höhere Qualität bietet als der Import im Vakuumbeutel aus Argentinien", argumentierte Fürst Philipp. Harald Glasbrenner wies zudem auf den landschaftserhaltenden Aspekt der Freilandhaltung hin: "Das ist ein Ergebnis unserer Mühen", sagte er. "Wenn wir in die Masse gehen und etwas verdienen wollen, dann fällt auch die Hangwiese weg - wollen wir das?" Öffentliche Fördermittel indes fielen eher bescheiden aus, bestätigte Claus-Peter Hutter.
An eine Bewusstseinsänderung beim Verbraucher appellierte der Hausherr. Die Deutschen gäben europaweit am wenigsten für ihre Lebensmittel aus. Dabei liege der Anteil der Öko-Lebensmittel bei sechs bis acht Prozent, sagte Fürst Philipp. "In Österreich sind es 28 Prozent." Eine Hilfe bei den Bemühungen um größere Verbreitung und Bekanntheitsgrad könnte das Engagement der Slow-Food-Bewegung sein, die das Limpurger Rind seit 2009 als "Arche-Passagier" in seinen Förderkreis aufgenommen hat. Beim Turnier "Salone del Gusto" konnten die Limpurger-Proben beim Geschmackstest der Messebesucher selbst englische Rindfleischqualität hinter sich lassen.
"Wir haben ein tolles Produkt", freute sich Martin Mayer. "Je mehr konsumiert wird, umso mehr Tiere wird es auch geben", gab er sich überzeugt. Und war sich darin einig mit dem Spitzenkoch Markus Reinauer von der Jagstmühle in Heimhausen: "Wir haben bei uns das beste Argument gleich hinterm Haus: Da steht der Ochse nämlich auf der Weide." Die allerbesten Argumente hatten indes der Starkoch des Abends, Hubert Retzbach vom Hotel Victoria in Bad Mergentheim, der den Gästen ein Vier-Gänge-Ochsen-Menü servierte, und Zuchtleiter Dieter Kraft. "Der einmalige Geschmack, da geht doch nichts drüber!" Es erhob sich keinerlei Gegenrede im Vier-Jahreszeiten-Saal zu Langenburg.
Info Weitere allgemeine Infos gibt es unter www.limpurger-rind.de, www.slowfood-htm.de und www.die-hohenlohe-gesellschaft.de.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: MATHIAS BARTELS | 07.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
Diskussionsrunde im Schloss: Über den Limpurger Weideochsen sprachen (im Kreis von vorn) Koch Markus Reinauer, Landwirt Martin Mayer, Diskussionsleiter Claus-Peter Hutter, Hausherr Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Metzgermeister Siegfried Hespelt und Hobby-Züchter Harald Glasbrenner.
MEISTGELESENE ARTIKEL
Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland
Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Motorradfahrer bei Streifzusammenstoß schwer verletzt
Illerberg Zu einem schweren Verkehrsunfall mit einem Motorradfahrer ist es am Sonntagmittag gegen 13 Uhr zwischen Illerberg und Witzighausen gekommen. Dieser war zwar lediglich an einem entgegenkommenden Auto vorbeigestreift, erlitt dabei jedoch schwere Verletzungen.... mehr
Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot
Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr
Auto hebt ab und schlägt zehn Meter weiter auf
Ulm - Dornstadt Mindestens einen Verletzten hat es am Sonntag gegeben, als ein VW in Dornstadt über eine Böschung geschanzt war, dabei abgehoben und zehn Meter weiter wieder aufgeschlagen war. Die Insassen des Fahrzeugs flüchteten jedoch.... mehr

ZURÜCK
