Ein NS-Täter, wie er im Buche steht
Brettheim. Das Schicksal der "Männer von Brettheim" ist gut erforscht. Wer war der Täter, der sie am 16. April 1945 aufhängen ließ? Eine Biografie über den SS-General Max Simon wurde am Freitag in Brettheim vorgestellt.
Der Vorsitzende des Fördervereins Erinnerungsstätte, Norman Krauß, konnte ein volles Haus begrüßen. Martina Staubach (Flöte) und Hans-Gerhard Hammer (Klavier) gaben der Buchvorstellung im Haus der Musik und Begegnung einen würdigen Rahmen. Zu Recht, denn hier wurde nach jahrelanger Forschungsarbeit ein Standardwerk aus der Taufe gehoben, das Bestand haben wird. In 30 Archiven ist Dr. Franz Josef Merkl der blutigen Spur gefolgt, die Max Simon durch Europa gezogen hat. Das Ergebnis ist eine minutiöse, differenzierende, dokumentenfeste Biografie. Akribisch und misstrauisch musste der Autor vorgehen. Denn Simon selbst hat seinen Lebenslauf immer wieder gefälscht, umgedeutet und vernebelt.
Professor Ludwig Eiber (Universität Augsburg und Haus der Bayerischen Geschichte) stellte die materialreiche Dissertation vor und zeichnete die vier deutlich unterscheidbaren Lebensabschnitte von Max Simon nach: Schneiderlehrling in Breslau, Freicorps in Schlesien, Reichswehr und Eintritt in die SS im Jahre 1933 standen am Anfang. 1934 war er mit dem Sonderkommando Sachsen an den Morden in Dresden während des so genannten Röhm-Putsches beteiligt und stieg danach in führende Funktionen bei den KZ-Totenkopfverbänden der SS auf. In diesen Jahren verinnerlichte Simon die (Un-)Moral der SS zu seiner Überzeugung. Seine KZ-Tätigkeit verschwieg Simon nach dem Kriege. Es gelang ihm, sich mithilfe seiner "Kameraden aus schwerer Zeit" als ein "Soldat wie jeder andere" neu zu erfinden. Auch das Gericht in Ansbach wollte es 1960 so genau gar nicht wissen.
Für die Mordaktionen in Oberitalien verurteilte ihn 1947 ein britisches Militärgericht in Padua zum Tode. Er wurde begnadigt und Ende 1954 vorzeitig aus der Haft entlassen.
Für seine Verbrechen in Süddeutschland wurde er dreimal freigesprochen. Den vorgesehenen vierten Prozess erlebte er nicht mehr. 1961 starb er an einem Herzinfarkt.
Brettheim war kein Einzelfall. Merkl beleuchtet auch die anderen Standgerichtsverfahren, die Simon zu verantworten hatte. Damit lassen sich die Morde von Brettheim in eine systematische Terrorstrategie zur Einschüchterung der kriegsmüden Bevölkerung einordnen. An dieser Strategie hielt Simon über das Ende hinaus fest. Sein letztes Opfer, den Schuster Hanns Rupprecht aus Eismannsberg bei Nürnberg, ließ der Durchhaltefanatiker noch nach der Kapitulation seiner Armeegruppe am 6. Mai 1945 in Kössen (Tirol) erschießen.
Das Buch lohnt sich für alle, die es genau wissen wollen.
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Autor: HEINRICH EPPE | 29.03.2010
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Buchvorstellung in Brettheim (von links): Professor Ludwig Eiber (Universität Augsburg), Autor Dr. Franz Josef Merkl, Dr. Michael Friedrichs (Lektor beim Wißner-Verlag), Norman Krauß (Vorsitzender des Fördervereins). Foto: Heinrich Eppe
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