Dohle im Blick
Kirchberg. Den Vogel des Jahres 2012 hört und sieht man nie allein. Wo die Dohle auftaucht, schart sie viele Verwandte um sich. Wo und wie die Tiere leben, zeigt eine Plakatausstellung des NABU im Kirchberger Rathaus.
Die kleinste Art innerhalb der Familie der Rabenvögel ist als Felsbrüter dem Menschen in seine Dörfer und Städte gefolgt. In Türmen und alten Mauern, aber auch in Baumhöhlen sucht er passende Brutnischen. Voraussetzung ist ein gutes Nahrungsangebot, wie Heuschrecken, Grillen, Käfer oder Regenwürmer. Anfang der 80er-Jahre brüteten Dohlen in hohlen Kastanien im Kirchberger Hofgarten. Diese stehen heute nicht mehr.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg boten auch das Kirchenschiff der Stadtkirche und die Dächer des Schlosses willkommene Brutnischen. Schulkinder konnten in der Vesperpause vor der alten Lateinschule (heute Sandelsches Museum) junge Dohlen mit der Hand fangen. Manche zogen sie zu Hause auf und machten sie zahm, so berichteten jedenfalls vor Jahren alte Kirchberger. Aber in den 50er- und 60er-Jahren verschwand diese Idylle, weil die neuen Schlossherren die Brutnischen vergittern ließen.
In den zugigen und feuchten Nischen im Stadtturm kamen bis 1998 nur wenige Jungvögel hoch. Das änderte sich 1999, als der Stadtturm renoviert wurde. Der NABU holte sich Rat beim Dohlenfachmann des Landkreises, Ulrich Stuiber, und gemeinsam ließ man im Innern des Turms Dohlennistkästen einbauen. Durch künstliche Löcher in den Schallläden schlüpfen die Brutvögel direkt in die Nestmulden ein. Die Jungvögel werden jedes Jahr von Stuiber beringt, um wichtige Informationen über Lebensdauer, Ernährung und Zugverhalten zu gewinnen. Dabei wird auch der jeweilige Bruterfolg schriftlich vermerkt.
Vor drei Jahren verlieh der NABU-Landesverband der evangelischen Kirchengemeinde die Auszeichnung "Lebensraum Kirchturm", weil sie seit mehr als 30 Jahren Nistkästen für Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen im Kirchturm erlaubt und fördert.
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Autor: PM | 09.02.2012
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