Der frühe Züchter fährt leer nach Hause
Ilshofen. Die Vogelbörse in der Arena in Ilshofen ist eine der größten Ausstellungen ihrer Art in Deutschland. 333 Vogelzüchter aus ganz Europa präsentierten am Samstag ihre Zuchterfolge in der Halle.
Wer früh kommt, wird mit leeren Käfigen wieder nach Hause gehen, weiß Vogelzüchter Johannes Hauber aus Aalen. Deshalb stand er am Samstag bereits um zwei Uhr auf, damit er gleich nach Einlass um fünf Uhr einen guten Platz ergattern konnte. Die frühe Mühe hat sich gelohnt: "Ich bin mit 25 Käfigen angereist und habe mehr als zwei Drittel meiner Tiere verkaufen oder tauschen können."
Auch Alfred Hausch, Vorsitzender der AZ-Ortsgruppe Crailsheim (AZ steht für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht) und Hauptorganisator der Vogelbörse, zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Der exzellente Ruf der Crailsheimer Vogelzüchter, die gute Anbindung an die Autobahn und nicht zuletzt das Organisationsteam machen die Vogelbörse europaweit so erfolgreich." Denn nicht nur aus Deutschland, auch aus angrenzenden EU-Ländern kamen viele Aussteller.
Auffallend ist, dass vor allem osteuropäische Züchter eine artenreiche Vielfalt anbieten können. "In den ehemaligen sowjetischen Ländern gibt es territorial größere Zuchtanlagen, weil die Auflagen dort geringer sind. Ein Hobbyzüchter kann dort weitaus mehr Arten züchten, als wir hier", erklärt Alfred Hausch. Auch deshalb plagen den Verein Nachwuchssorgen, denn viele junge Leute schrecke der bürokratische Aufwand ab, mit dem die Vogelzucht in Deutschland verbunden ist.
Auf der Vogelbörse selber ist von einem Mangel an Züchtern nichts zu bemerken. Die meisten nutzen die Veranstaltung weniger, um ihre Tiere zu verkaufen, sondern um frisches Blut in ihre Zuchtlinien zu bekommen und sich Anregungen zu holen. In den letzten Jahren gebe es zum Beispiel einen Trend hin zu exotischen Ziertauben, die ursprünglich aus Afrika oder Südamerika stammen. Die Zucht solcher Vögel ist schwierig, deshalb bietet eine Vogelbörse die ideale Plattform, um zu fachsimpeln und sich Anregungen zu holen.
Auch für Privatpersonen ist die Vogelbörse eine optimale Gelegenheit, um Ausschau nach einem Vogel für die Voliere zu Hause zu halten. "Wendet euch an uns oder fragt bei Verbänden oder Experten nach den Haltungsbedingungen", fordert Herold Bodemer, Vogelzüchter aus Karlsbad, Interessenten auf. Denn leider werden noch immer viel zu viele Vögel einzeln in zu kleinen Käfigen gehalten, bedauert er.
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Autor: MAJA REUSCH | 06.09.2010
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Wer will denn nur Wellensittiche züchten? Herold Bodemer reizen vor allem Prachtrosellas (unten). Fotos: Maja Reusch
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