Bauern verbünden sich

Schrozberg.  Gentechnisch veränderter Mais bedroht die "Wiege des Maises" in Mexiko, sagt das hiesige Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe und informiert über den Sachverhalt in einer Ausstellung in Schrozberg.

Bei allen Unterschieden - hier die stark mechanisierte Landwirtschaft, große Maschinen, moderne Stalltechnik und große Viehherden, dort eine mit viel Handarbeit verbundene Landwirtschaft in extremen Hang- und Steillagen - fühlen sich die Bauern des "Bündnisses Gentechnikfreies Hohenlohe" mit den Indigenen der Organisation UNOSJO in der Sierra Juárez im Süden Mexikos verbunden.

Gemeinsam ist ihnen ihr Kampf gegen gentechnisch verändertes Saatgut - im Speziellen: Mais. Diesen Kampf fechten sie vor allen Dingen in der Öffentlichkeit aus. Denn nur sie bietet ihnen eine Chance. Allerdings ist das eher in Deutschland der Fall als in Mexiko. Hier wird dem Bündnis schon einmal öffentlicher Raum wie im Schrozberger Schloss zur Verfügung gestellt. Dort wurde am Freitag die Ausstellung "Maisschützer contra Gentechnik" eröffnet.

Der Andrang war nicht groß. Aber die Bündnismitglieder hoffen auf Rathaus- und Veranstaltungsbesucher, die hereinschauen und sich darüber informieren, was Bäuerinnen und Bauern in Hohenlohe wie Mexiko bewegt. Dazu gehört, wie man der Ausstellung entnehmen kann, die "globale Vermarktung von Lebensmitteln, das stete Bauernhofsterben und die Abwanderung der Bevölkerung in die Städte - und natürlich die Bedrohung durch die Agro-Gentechnik und die Patentierung von Pflanzen und Tieren".

Gegenseitig haben sich Abordnungen der beiden Organisationen inzwischen besucht. Zuletzt waren drei Mexikaner in Hohenlohe. Man habe voneinander gelernt, erzählte Barbara Hofmann. Beeindruckt hatte sie der ehrfurchtsvolle Umgang der Mexikaner mit dem Mais und deren Erschrecken, dass er hier etwa zur Herstellung von Biogas benutzt wird: "Als sie heimgefahren sind, wussten sie jedenfalls, was sie nicht wollten."

Zwischen einigen Bauernfamilien aus der Sierra Juárez und der Familie von Johannes Rieger ist sogar ein kleiner Kaffeehandel entstanden. Kaffee werde dort bisher, wie auch die anderen Pflanzen, nur zum Eigenbedarf angebaut. Die indigenen Bauern hätten kaum Ahnung vom Handel. Nachdem das Problem mit der Exportlizenz überwunden war, wurden 1,4 Tonnen Kaffee geliefert, verarbeitet wurde er von der Rösterei Hagen in Heilbronn.

Über kleinere Läden wie den Dritte-Welt-Laden und auf dem Hof sei der Kaffee dann zum Erzeugerpreis nach vier Monaten verkauft gewesen. Je Bauer dürfe höchstens ein Sack, also 70 Kilogramm, abgegeben werden, um Vormachtstellungen zu verhindern. Das bringe den Bauern aber immerhin jeweils 150 Euro ein, wusste Johannes Rieger zu berichten.

Bettina Lerch, die die Ausstellung als Koordinatorin des Bündnisses eröffnete, wies auf die Risiken von Gentechnik hin. In Mexiko, dem Ursprungsland des Mais, seien inzwischen an die 200 unterschiedliche Sorten gefährdet, weil Saatgut mit gentechnisch verändertem aus den USA vermischt wurde. Dagegen wehren sich die Bauern in Mexiko - und in Hohenlohe: "Unser Mais und unser Land sind das Erbe unserer Ahnen. Für ihre Erhaltung kämpfen wir."


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Autor: RALF SNURAWA | 06.02.2012

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