Bauern proben den Aufstand
Schnelldorf. Heftig umstritten sind rings um Schnelldorf die Straßenbauprojekte für den geplanten Gewerbepark "Interfranken". Schon vor über 165 Jahren gab es hier einen Aufruhr um ein Wegeprojekt nach Württemberg.
Im Juni des Jahres 1844 erhob sich vor allem die Bauernschaft im Schnelldorfer Land gegen ein Straßenprojekt von Reichenbach über Unter- und Oberampfrach und Schnelldorf nach Gailroth und Michelbach/Lücke bis ins württembergische Rot am See. Die bayerische Regierung hatte zuvor mit Württemberg einen Staatsvertrag über den chausseeartigen Ausbau einer sogenannten Vizinalstraße geschlossen. Der Vorfall beschäftigte damals sogar die ausländische Presse.
Zwar wurde die Notwendigkeit allerorten eingesehen, doch war man mit dem breiten und kostspieligen Ausbau zu einer Distriktstraße ersten Ranges nicht einverstanden.
Die Wogen der Erregung erreichten ihren Höhepunkt, als bekannt geworden war, dass die Straßenführung ohne Rücksicht auf den alten Straßenzug quer durch den Ampfrachgrund vorgesehen war. Den Bau einer solchen Straße, welche an und für sich untergeordnete Verkehrsbedeutung hatte, begründete die Regierung mit den viel besuchten Viehmärkten in Rot am See. Bereits beim ersten Versteigerungstermin der notwendigen Grundstücke war es in Schnelldorf zu ersten Unruhen gekommen. Vor einem weiteren Termin vor dem Feuchtwanger Landgericht hatten sich eine große Zahl von Bauern aus der Umgebung und Teile der Bevölkerung vor dem Gerichtsgebäude, dem späteren Landratsamt, eingefunden und das Gebäude umstellt. Der dortige Landrichter ließ daraufhin das Portal mit sechs Gendarmen besetzen.
Weil die Bauern das Gelände aber nicht verlassen wollten, forderte der bedrängte Landrichter die Hilfe der Landwehr mit ihrem herbeigeeilten Major aus Herrieden an. Erst am Abend zerstreuten sich die Bauern, aber eine Grundstücksversteigerung hatte nicht stattgefunden.
Welche Bedeutung die bayerische Regierung diesen Vorfällen beimaß, wurde darin deutlich, dass zu einem weiteren Termin Soldaten aus Ansbach und Triesdorf in Feuchtwangen einrückten und drei weitere als Reserve in Aurach lagerten. Innerhalb weniger Stunden war Feuchtwangen eine besetzte Stadt und wurde den ganzen Tag von Patrouillen durchzogen. Beamte des Stadtmagistrats kontrollierten die Stadttore; das Vorgehen hatte über 1100 Demonstranten und auch Schaulustige angezogen.
Es kam aber zu keinerlei Ausschreitungen; lediglich eine bis zu 20 Mann starke Gruppe aus Wildenholz wurde beim Annähern an die Stadt "auseinandergesprengt". Dies war die einzige militärische Aktion dieses Tages; der angesetzte Termin fand aber wiederum nicht statt, so dass sich viele Beteiligte in die Gastwirtschaften der Kreuzgangstadt begaben. Am Folgetag trafen zwei Untersuchungsrichter ein, welche im Rathaus amtierten und wochenlange Inquisitionen über die Vorfälle anstellten, in deren Verlauf rund 20 Personen verhaftet worden waren.
Als die Kommission nach Wochen die Stadt am 24. Juli 1844 wieder verlassen hatte, feierten die Bürger dieses Ereignis am Abend auf der Königshöhe unter den Klängen der Landwehrmusik. Noch lautstärker ging es her, als die Nachricht eintraf, dass der Appellationsgerichtshof in Eichstätt die Angeklagten von dem Verbrechen des Tumultes mangels Tatbestandes freigesprochen hatte.
Schließlich entschied die Regierung nach einem inzwischen ergangenen Gutachten einer Baukommission, dass lediglich die bisherige Straße von Reichenbach nach Rot am See in Form einer "mäßigen Distrikts- oder veredelten Vizinalstraße" hergestellt werden soll.
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Autor: HEINZ MEYER | 14.03.2011
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Die vor 167 Jahren großzügig geplante Chaussee sollte von Schnelldorf über Gailroth auch durch die Gemeinde Michelbach/Lücke (Bild) führen. Das Projekt scheiterte am massiven Widerstand von Bauern aus dem Raum Schnelldorf. Foto: Peer Hahn
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