Wasserverband zieht Antrag zurück

Abriss von Wehr abgewehrt

Satteldorf.  Das Jagstwehr an der Heinzenmühle bleibt vorerst vom Bagger verschont: Der Wasserverband "Obere Jagst" hat seinen Abriss-Antrag zurückgezogen und will das Areal an die Gemeinde Satteldorf verkaufen.

Sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Kommunalpolitikern in Satteldorf und bei Naturschützern herrscht seit Monaten völliges Unverständnis darüber, dass nach Plänen des Regierungspräsidiums in Stuttgart die beiden Wehre an der ehemaligen Gaismühle und an der früheren Heinzenmühle verschwinden sollen (das HT berichtete mehrfach).

Mit einem Abriss, so heißt es bei der Behörde, werde die Durchgängigkeit für wandernde Fischarten verbessert und eine Vorgabe der EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt.

Der Vorstand des Wasserverbandes "Obere Jagst" hat offenbar auf die Proteste reagiert - und als Besitzer der ehemaligen Heinzenmühle den umstrittenen Antrag auf ein Schleifen dieses Wehres zurückgezogen. Zudem wird der Gemeinde Satteldorf ein Kauf des Areals an der Jagst offeriert. Der Satteldorfer Bürgermeister Kurt Wackler ist zuversichtlich, dass damit das Wehr an der Heinzenmühle nicht mehr auf der "schwarzen Liste" steht - zumindest bis auf Weiteres.

Das nur wenige hundert Meter entfernte Wehr an der früheren Gaismühle befindet sich dagegen in Privatbesitz. Für diese Anlage liegt bislang auch noch kein Abriss-Antrag vor. In den Planspielen des Regierungspräsidiums wurde aber auch dieser uralte Querbau schon als Abriss-Kandidat gehandelt.

Schützenhilfe für die Abriss-Gegner gibt es mittlerweile auch vom SPD-Landtagsabgeordneten Nikolaos Sakellariou. Der Parlamentarier aus Schwäbisch Hall hat sich mit einem Brief an den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller in die Debatte um die bedrohten Wehre eingeschaltet.

Sakellariou bittet in dem Schreiben darum, dass der Minister höchstselbst "die Situation in Augenschein" nimmt oder sich zumindest "noch einmal beraten lässt" und das Vorhaben "persönlich überprüft".

Nik Sakellariou vermag vor allem im Fall der Heinzenmühle nicht nachzuvollziehen, weshalb dieser "kulturhistorisch wertvolle und markante Punkt im Jagsttal" mit seinem Rastplatz und seiner malerischen Holzbrücke massiv verändert werden soll: "Die beabsichtigte Steigerung der Durchgängigkeit könnte genauso verbessert werden, indem man eine Fischtreppe am Rand des Gewässers errichtet", so der SPD-Abgeordnete. Eine solche Anlage käme zudem weitaus billiger als ein Abriss.

"Aus meiner Sicht", so Nik Sakellariou in seinem Schreiben an Minister Franz Untersteller, "könnten wir hier gefahrlos für die Gewässerqualität und die Durchgängigkeit auf das Schleifen des Wehrs verzichten und so nicht nur Geld sparen, sondern auch mehr Verständnis für Verwaltungshandeln in der Bevölkerung erreichen."


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Autor: HARALD ZIGAN | 08.02.2012

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