Wahlanalyse im Limpurger Land

CDU und SPD verlieren im Limpurger Land. Die AfD profitiert davon, und die FDP lässt in Sulzbach-Laufen aufhorchen. Im Wahlkreis Backnang-Gmünd bleibt es bei zwei Abgeordneten.

|
Ein Bild, vor der Wahl aufgenommen, mit Symbolcharakter für die kommenden Koalitionsverhandlungen: Der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten (rechts) überlässt dem Grünen-Kollegen Harald Ebner das Steuer seines Elektroautos.  Foto: 

Kopf-an-Kopf-Rennen, wie sie sich einst die Polit-­Schwergewichte Wolfgang von Stetten (CDU) und Hermann Bachmaier (SPD) lieferten und die am Ende stets mit einem Sieg der Christdemokraten im Wahlkreis Hall-Hohenlohe endeten, sind längst Geschichte. Das einstmals „rote“ Limpurger Land ist nur noch reiferen Generationen ein Begriff.

Die Ära Sawade endet

Ein Hauch von Nostalgie indes blieb dieses Mal nach Schluss der Wahllokale in Gaildorf: In der drittgrößten Stadt des Haller Landkreises schaffte die SPD mit 19,5 Prozent der Stimmen gleich nach Weißbach in Hohenlohe (20,6 Prozent) ihr zweitbestes Ergebnis im Wahlkreis – sogar mehr Zustimmung als in den früheren „roten Nestern“ Michelbach und Fichtenberg. Dennoch: Die Ära Annette Sawade endet nach zwei Legislaturperioden. Sie ist eine der vier Abgeordneten im Land, die ihr Mandat verloren haben.

Als traditionell gutes Pflaster für liberale Politik erscheint Sulzbach-Laufen im Licht der Analyse: Valentin Abel konnte in der Kochertalgemeinde mit 12,2 Prozent wahlkreisweit die meisten Erststimmen einheimsen. Der FDP reichte es gar zu satten 18,1 Prozent der Zweitstimmen. Damit lässt Abels  Partei Annette Sawades von 18,9 auf 17,4 geschrumpftes SPD-Polster hinter sich; die FDP darf sich wieder – wie ab 1987 fünf Wahlperioden lang mit Ulrich Heinrich (†) – als zweitstärkste Kraft feiern lassen.

„Grüne Akzente“ vermochte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner im Rottal zu setzen: In Oberrot erfuhr er mit 14,1 Prozent der Erststimmen die meiste Zustimmung im Limpurger Land, gefolgt von Fichtenberg mit 14 Prozent. Unter dem Wahlkreisdurchschnitt von 12,6 Prozent liegen die Ergebnisse in Gaildorf (10,8 Prozent) und Sulzbach-Laufen (9,6 Prozent). Ähnlich ist die Relation bei den Zweitstimmen, wobei Gaildorf mit 12,1 Prozent exakt das Wahlkreisergebnis abbildet, das Ebner für den erneuten Einzug ins Parlament reicht.

Interessant ist das Abschneiden des nun zum fünften Mal direkt gewählten CDU-Kandidaten Christian von Stetten in den vier Limpurger Kommunen seines Wahlkreises: Dort blieb er mit seinem Erststimmen-Anteil –  der zuletzt bis auf Fichtenberg (47,8 Prozent) bei jeweils mehr als 51 Prozent lag – unter dem Wahlkreisschnitt von 40,5 Prozent. Der Reihenfolge nach: Sulzbach-Laufen 38,5 Prozent, Gaildorf 37,9 Prozent, Fichtenberg 37,4 Prozent und Oberrot 37 Prozent. Gleichwohl verdeutlicht das Zweitstimmen-Ergebnis, dass er und sein politisches Konzept den Wählern eher behagen als der Kurs der CDU auf Bundesebene. Am meisten Zustimmung im Limpurger Land erfuhr die Partei mit 31,9 Prozent in Gaildorf.

AfD über dem Durchschnitt

Mächtig angewachsen ist der zu Zeiten der „Republikaner“ als „Bodensatz der ewig Unzufriedenen“ bezeichnete Anteil der Wahlberechtigten, die mit der gegenwärtigen Politik nichts am Hut haben. Sie suchten ihr Heil in der „Alternative für Deutschland“. Im Wahlkreis-Vergleich (Erststimmen 13,5 Prozent, Zweitstimmen 14,6 Prozent) überdurchschnittlich viele Sympathisanten sind im Limpurger Land daheim: In Gaildorf konnte Kandidat Stefan Thien 15 Prozent der Stimmen einheimsen, die Partei  15,5 Prozent. Einzig in Sulzbach-Laufen liegt der AfD-Anteil mit 13,3 bzw. 14,1 Prozent unter dem Durchschnitt.

Unspektakulär das Abschneiden der Linken im mittleren Kochertal und im Rottal: Sämtliche Gemeindeergebnisse entsprechen in etwa dem Durchschnitt von 4,3 bzw. 5,6 Prozent.

Was die Präsenz des Wahlkreises Backnang-Gmünd in Berlin anbelangt, wird auf den ersten Blick mit zwei altgedienten Abgeordneten alles wie gewohnt vonstatten gehen: Staatsekretär Norbert Barthle hat trotz erheblicher Verluste mit 41,2 bzw. 35,2 Prozent das Direktmandat sicher. In Gschwend konnte er mit 43,9 Prozent ordentlich punkten, die CDU indes blieb mit 34,5 Prozent etwas unter dem Wahlkreis-Level.

Wieder ein Mandat sicher hat SPD-Mann Christian Lange. Der Noch-Staatssekretär wird aber nach Lage der Dinge auf der Oppositionsbank Platz nehmen. Im traditionell schwarz geprägten Wahlkreis musste er Federn lassen und erhielt 20 Prozent (2013: 24,8 Prozent) der Erststimmen, die Zustimmung für die SPD sank von 20,4 auf 16,5 Prozent. Die AfD schaffte mit Daniel Lindenschmid 13,2 bzw. 14,4 Prozent, in Gschwend lag sein Anteil um wenige Stimmen höher.

Info Auf den Seiten 12 und 13 finden sich weitere Wahl-Analysen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Bundestagswahl Hall-Hohenlohe

Am 24. September 2017 wird der Bundestag neu gewählt. Alle Infos zur Bundestagswahl 2017 auf Kreisebene gibt es hier.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

B290-Terror in Hengstfeld: Der Horror vor der Haustür

Die Umleitung um Wallhausen verwandelt Hengstfeld in ein gefährliches Pflaster – vor allem für ein ganz bestimmtes Haus. weiter lesen