Zu viel Nitrat im Boden macht das Trinkwasser teurer

Das Umweltbundesamt warnt  vor deutlich zu viel Stickstoff im Grundwasser– damit verbunden seien stark steigende Kosten fürsTrinkwasser.

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  • Die Nitratwerte im deutschen Wasser sind vielerorts ein Problem. Grund sind Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung, die auf die Felder gebracht werden, aber auch Mineraldünger für Obst- und Gemüseanbau. 1/2
    Die Nitratwerte im deutschen Wasser sind vielerorts ein Problem. Grund sind Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung, die auf die Felder gebracht werden, aber auch Mineraldünger für Obst- und Gemüseanbau. Foto: 
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Im ländlichen Raum sieht’s schlecht aus, schlägt das Bundesumweltamt Alarm: Wo große Flächen intensiv für die Landwirtschaft genutzt werden, sei das Grundwasser in der Regel durch viel zu viel Stickstoff belastet. Gegenzusteuern sei so aufwendig und kostspielig, dass das Trinkwasser um bis zu 62 Prozent teurer werden könnte.

Ralf Winter vom Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) winkt ab: Im Altkreis Crailsheim gebe es derzeit keinen Grund zur Besorgnis. Stabile Werte würden gemessen, deutlich unter dem Grenz­wert. Er schließt nicht aus, dass es vereinzelt Messergebnisse mit erhöhten Werten gibt, diese spielten jedoch für die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet der NOW – eine niederschlagsarme Region, die früher als Wassermangelgebiet galt – keine Rolle.

„Rechtzeitig gegensteuern“

Das ist weder Glück noch Zufall, wenn man der NOW Glauben schenken will. Vorbereitet sein, rechtzeitig gegensteuern, das sei entscheidend. „Ist das Nitrat erst mal im Grundwasser, gibt es kaum Chancen, ohne richtig großen Aufwand wieder normale Werte zu erreichen“, sagt Winter und nimmt damit Bezug auf alarmierende Nachrichten aus anderen Teilen des Landes. Dass seit Jahrzehnten zu viel Gülle und Mineraldünger auf den Feldern verteilt und die Aufbereitung von Trinkwasser immer schwieriger wird, steht außer Zweifel. Aber wenn in der Region weiterhin so aufwendig und nachhaltig Wasserschutz betrieben werde, sehe er hier keine Schwierigkeiten.

Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grund- und Trinkwasser. Die NOW liefert, sagt Winter, durchweg Wasser mit Werten von 15 bis 18 mg. Durch die Modernisierung des Wasserwerks in Schweighausen sollen die Haushalte unter anderem in Crailsheim und Frankenhardt nicht nur weicheres, sondern auch noch nitratärmeres Trinkwasser erhalten, so der NOW-Mann, der mit Werten unter 15 Milligramm rechnet.

Wasserschutz hat Priorität

Seit 30 Jahren werden umfangreiche Daten gesammelt. Winter zufolge hat Baden-Württemberg damit „deutschlandweit, wenn nicht weltweit eine vorbildhafte Grundwasserdatenbank aufgebaut“, zudem ein denkbar engmaschiges Messnetz bereitgestellt. Das Land, in Kooperation mit den Wasserversorgern der Städte und Gemeinden, habe so die Grundlage für die „Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung“ gelegt, die den Grundwasserschutz in Trinkwasserschutzgebieten zur hoheitlichen Aufgabe macht – das bedeutet, dass es zum Wasserschutz keine Alternative gibt. Wenn das dann für Landwirte mit Bewirtschaftungsauflagen und dadurch mit Ertragseinbußen und Mehraufwand verbunden ist, gewährleistet das Land Baden-Württemberg finanziellen Ausgleich.

Die Baden-Württemberg-Karte der Nitratbelastung gibt für den Crailsheimer Raum in der Tat Entwarnung: Abseits der roten Problem- oder gar Sanierungsgebiete zeigt sich die Region in beruhigendem Grün-Gelb, das niedrigeren Werten vorbehalten ist. Winter hat eine weitere Erklärung: „Unsere Quellfassungen liegen geschützt in Wald- und Auebereichen.“

Probleme gebe es vor allem in Norddeutschland, wo die mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung verbundenen Probleme wohl „lange Zeit nicht ernst genommen wurden“. Dabei versuchten Wasserversorger seit Langem, das Wasser mit unterschiedlichen Maßnahmen zu schützen, etwa indem sie die darüberliegenden Flächen selbst pachten, Brunnen verlagern, deutlich tieferlegen oder auch belastetes mit unbelastetem Wasser mischen. Diese Kosten fließen bereits jetzt in den Trinkwasserpreis mit ein. Dr. Jörg Rechenberg, Fachgebietsleiter in der Abteilung Wasser und Boden des Bundesumweltamtes meinte im Gespräch mit dem Hohenloher Tagblatt, bei der Auswertung der Messnetze aller Bundesländer würden in 25 bis 28 Prozent der eingeschickten Werte Belastungen über dem zulässigen Wert gemessen; die Aufbereitung sei dann unverhältnismäßig teuer, was sich im Wasserpreis niederschlage – und so müssten die Wasserkunden für die Überdüngung in ihrer Region bezahlen.

Lokale Faktoren

Die Nitratbelastung hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab: „Einige Wasserversorger sind in der komfortablen Situation, in Gebieten mit kaum verschmutztem Grundwasser zu produzieren“, sagt Rechenberg, „entsprechend werden sie auch in Zukunft Wasser zu den bisherigen Preisen anbieten können“. Der Wermuts­tropfen: In Regionen wie dem Crailsheimer Raum sind oft  auch  natürliche „Denitrifikationsprozesse“ ein Glücksfaktor. Die Stoffe im Boden, die das Nitrat unschädlich machen, stehen freilich nicht unbegrenzt zur Verfügung; irgendwann sind sie verbraucht, und dann kann es in kurzer Zeit zu einem sprunghaften Anstieg der Nitratbelastung kommen.

Im Boden wird Nitrat von Mikroorganismen gebildet und von der Pflanze aufgenommen. Pflanzen sind auf Nitrat angewiesen. Deshalb wird Nitrat dem Boden auch als Dünger zugeführt. Dieses führt jedoch zu einer Belastung des Grund­wassers und zur Nitratanreicherung in Nutzpflanzen
Nitrat ist für den Menschen problematisch, weil es unter bestimmten Bedingungen in das giftige Nitrit umgewandelt werden kann. Nitratgehalte über 50mg/l sind besonders für Kleinkinder gesundheits­schädlich.

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