Süß und sauer zugleich

Thomas Ott aus Unterregenbach lässt ein traditionelles Hohenloher Gericht wieder aufleben: Ebiirebounzeli mit Kraut.

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    Thomas Ott aus Unterregenbach hat mit den Ebiirebounzeli aus seiner Küche auch schon viele hungrige Wanderer im Jagsttal begeistert. Foto: 
  • Kommt nur in Hohenlohe auf den Tisch: klassische Ebiirebounzeli mit Kraut. 2/2
    Kommt nur in Hohenlohe auf den Tisch: klassische Ebiirebounzeli mit Kraut. Foto: 
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Ebiirebounzeli sind in der Pfanne angebratene Kartoffelküchle, die man sehr gut aus Kartoffelresten vom Vortag zubereiten kann. Zwar sind sie den Hohenloher Bubenspitzle ähnlich, doch sind die Bounzeli nach Ott’scher Familientradition viel dicker als die fingerdünnen Schupfnudeln.

Diese Ebiirebounzeli sind nach einem Rezept von Großtante Paula zubereitet, die früher im Hause Ott in Unterregenbach fürs Kochen zuständig war. Das Rezept wurde nie aufgeschrieben, aber Thomas Ott kann sich noch gut erinnern, wie seine Großtante am Holzherd stand und die Kartoffelküchle anbriet.

„Ich habe eines Tages aus der Erinnerung heraus einfach mal ausprobiert, Bounzeli zu machen. Beim ersten Versuch sind sie in der Pfanne zerlaufen. Da wusste ich: Der Teig muss fester sein. Inzwischen habe ich die richtige Mischung gefunden“, sagt der 51-Jährige.

Schon als Kind hat er sich für diese vegetarische Mahlzeit begeistert. „Wenn meine Großtante uns gefragt hat: ‚Was wollt ihr essen?‘, haben wir uns oft Ebiirebounzeli gewünscht. Die waren immer gut“, sagt Thomas Ott.

Trotzdem sind viele Jahre zwischen Großtante Paulas Bounzeli und Thomas Otts Bounzeli vergangen. „Das Gericht war schon fast in Vergessenheit geraten. Ich hatte es jahrzehntelang nicht gegessen.“

Jetzt, nachdem er die alte Hohenloher Spezialität wieder hat aufleben lassen, kocht er sie regelmäßig. Zweimal schon hat er damit hungrige Wanderer auf der Wald- und Wiesenwanderung durchs Jagsttal begeistert. „Da habe ich allerdings in größeren Mengen gekocht“, sagt er lachend. Aus 50 Kilogramm Kartoffeln hat er Teig hergestellt und Küchle gebacken und in riesigen Töpfen Sauerkraut zubereitet. „Das kam richtig gut an. Es gab viel Lob fürs Essen – und nachmittags um halb drei waren schon alle Bounzeli aufgegessen.“

Viele Wanderer verlangten zu den Kartoffelküchle nicht nur Kraut, sondern außerdem einen Löffel Apfelmus. „Das kann man sich zunächst nicht vorstellen, aber diese Kombination schmeckt wirklich“, sagt der gelernte Landwirt, der in einem Unternehmen in Wallhausen arbeitet. Er selbst mag seine Ebiirebounzeli inzwischen ebenfalls am liebsten mit Kraut und Apfelmus: süß und sauer zugleich.

Zutaten: Für den Kartoffelteig: 2 kg Kartoffeln (vorwiegend festkochend), 2 mittelgroße Zwiebeln, (fein gehackt), 2 Eier, 2 EL Mehl, ¼ l Milch, Salz, Pfeffer, Muskat und ein halber Bund Schnittlauch (fein geschnitten). Eine Packung oder Dose Sauerkraut (eingelegt), 1 Lorbeerblatt, einige Wacholderbeeren, ein Glas Weißwein, 1 Apfel (geschält und in Stücke geschnitten).

Zubereitung: Die Kartoffeln bereits am Vortag kochen, schälen und noch warm durch eine Kartoffelpresse drücken (eine Spätzlepresse eignet sich auch). Kalt stellen. Am nächsten Tag Zwiebeln, Eier, Mehl, Milch und Gewürze zur Kartoffelmasse geben und alles zu einem Teig kneten. Der Kartoffelteig darf nicht zu weich sein, sonst zerlaufen die Bounzeli in der Pfanne. Zuletzt Schnittlauch zugeben und etwa eine Stunde im Kühlschrank kalt stellen. In einer Pfanne reichlich Butterschmalz erhitzen. Mit zwei großen Löffeln aus dem Kartoffelteig längliche Küchle formen und vorsichtig von beiden Seiten anbraten. Sauerkraut mit Gewürzen und Apfelstückchen in einem Topf köcheln lassen. Zuletzt mit Weißwein ablöschen und abschmecken.

Das Kraut schmeckt meist am Folgetag noch besser, daher kann man ebenfalls schon am Vortag zubereiten. Wer es lieber süß mag, kann statt Kraut auch Apfelmus zu den Bounzeli essen – oder als süß-saure Variante auch beides. hof

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