Witzig-bissig

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Mit ihren kabarettistischen Einlagen und satirischen Texten fallen Johkurt und Paulaner mit Mannequin (im Hintergrund) gerne aus dem Rahmen.  Foto: 

Mit "Linse, Spätzle und Saiiiidewärscht" als Ohren- und Gaumenschmaus präsentierte die Hohenloher Mundartband Johkurt, Paulaner und Mannequin (Jopama) in der Mosesmühle in Bächlingen ihre neue CD. Nicht die Konterfeis der drei Bandmitglieder zieren diesmal das Cover ihrer mittlerweile fünften CD. Auf dem Bild watet stattdessen eine ihren prächtigen Hinterschinken präsentierende schwäbisch-hällische Muttersau im Dreck. "Bonusdreck" heißt denn auch der neue Mix von Liedern im Hohenloher Dialekt.

Mit gleichermaßen eingängigen wie ausgefeilten Melodien und witzig-bissigen Texten besingen die drei, wie man es von ihnen kennt und liebt, wieder das Alltagsleben auf dem Lande. Dort also, "wo noch die Stille wohnt", wie in "Windisch-Bogggefeld", und wo man sich noch kennt und miteinander schwätzt - viel lieber freilich noch übereinander, wie beim Tratsch über die lieben Nachbarn im Lied über "Die zwei Hambams". Hinterm Fenster zerreißen sich Kurt und Paul im Duett das Maul über die faulen und schlampigen Mitbürger vis à vis - satirisch ins Schwarze der Volksseele treffend und witzig inszeniert mit Einbindung des Publikums, aus dem zwei Freiwillige als Fensterrahmenhalter zum Einsatz kommen.

Auch gesellschaftskritische Töne werden angeschlagen, wie in der Ballade vom gelben Sack und dem "dual-fatalen System", oder im Song von der Kurzlebigkeit unserer Konsumgüter mit dem Refrain "Reparazione illusione, wenn alles ist tutti kaputti". Das typisch schräge Johkurt-Resumée daraus: "Pack alles in Pizza Calzone, und sag nix davon dein Mutti".

Viele der Texte stammen aus der Feder von Sänger und Gitarrist Kurt Rösch aus Hessenau, während Drummer und Pianist Manfred Schaffarczyk hauptsächlich als musikalischer Ideenlieferant und Arrangeur fungiert. Der Quotenpreuße des Trios wirkt mehr im Bühnenhintergrund und gibt den beiden Frontsängern rhythmische Rückendeckung, nicht nur instrumental, sondern auch mit spritzigen vokalen Zwischentönen und Echos.

Dass er auch als Solist brillieren kann, bewies der Brandenburger mit seiner köstlichen Herbert-Grönemeyer-Persiflage über seinen Wohnort Kirchberg, in dem er die werbewirksam gepriesene Jagsttal-Idylle mit dem Güllegestank auf der Wiese vor seinem Haus kontrastiert. Schade nur, dass die lauten E-Pianotöne seinen Satiretext kaum verstehen ließen.

Ein begnadeter Entertainer ist der Bartensteiner Paul Grönsfelder. Mit ganzem Körpereinsatz, zitternd und bebend mit geballten Fäusten, ausladender Gestik und schmerzverzerrtem Gesicht gab er alles, wobei seine raumgreifende Bühnenpräsenz musikalisch sensiblere Gemüter über Nachlässigkeiten beim Tempohalten und in der Textsicherheit gnädig hinwegsehen ließ. "Paulaner" ist ein meisterlicher SteggreifComedian, der jede der immer wieder lauernden technischen Pannen so gekonnt in seine Performance einbaut, dass viele Zuschauer meinen, sie seien Teil des Programms.

Richtig Stimmung kam auf, als nach dem Pflichtvortrag der neuen Songs die Kür aus alten Klassikern gespielt wurde, die das Publikum kennt und begeistert in die Refrains mit einstimmen konnte, wie etwa beim "Lied vom alte Reisbrei", dem Anbaggersong über "Neustädtlein", und natürlich ihrem ältesten und bekanntesten Hit, dem "Mouschd-Blues".Info Die CD gibts in Crailsheim in der Buchhandlung Baier, im "Bastelsurium" Büscher in Kirchberg, an der Tankstelle Heynold in Schrozberg, bei der LBV in Blaufelden und Gerabronn sowie unter www. johkurt-paulaner-mannequin.de.

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