Wenn das Haustier stirbt

Auch die besten Freunde des Menschen sind nicht unsterblich. Irgendwann segnen sie das Zeitliche. Der Besitzer steht dann oft vor dem Problem, was zu tun ist.

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Beim Tod des geliebten Haustiers ist die Einäscherung wie auf diesem Foto eine Alternative.  Foto: 

Oft ist der im Garten vergrabene Schuhkarton die erste Idee. Vor allem Kinder wollen den verstorbenen Freund gerne beerdigen und auch für Erwachsene ist ein Haustier, vor allem wenn es über Jahre im Haushalt gelebt hat, ein Familienmitglied, das man nicht einfach so entsorgt. Doch einen Tierfriedhof im Garten will nicht jeder, denn wenn über Jahre immer Tiere im Haus sind, können sich da schon eine Menge Gräber ansammeln. Mal ganz davon abgesehen, hat gar nicht jeder einen Garten zur Verfügung.

Aber noch einmal ein Schritt zurück. Das erste Problem taucht oft schon auf, wenn ein Haustier stirbt, vor allem wenn das zuhause und nicht beim Tierarzt passiert. Wie Menschen auch, sterben Haustiere nicht nach Terminplan, oft werden Tierbesitzer also mit der Frage überrascht,  was sie dann machen sollen. „Am besten, man legt das tote Tier in sein Körbchen oder in einen Karton, als würde es schlafen und deckt es mit einem Tuch zu“, rät die Tierärztin Susanne Gienger aus Crailsheim. Danach sollte man sich überlegen, wie das Tier gekühlt gelagert werden kann, bis entschieden ist, wie es bestattet werden soll. Im Winter ist das kein Problem, wenn es draußen kalt ist, genügt die Garage. Wer allerdings keine Möglichkeit hat, der kann den Tierarzt seines Vertrauens anrufen. „Jeder Tierarzt hat eine Möglichkeit, das gestorbene Tier kühl zu lagern, wie etwa eine spezielle Kühltruhe“, erklärt Gien­ger und rät ausdrücklich davon ab, das Tier in den heimischen Kühlschrank zu legen oder gar in der Tiefkühltruhe einzufrieren.

Es besteht auch kein Grund, in Panik zu verfallen, wenn das Tier stirbt, vor allem in der Nacht können die Besitzer erst einmal in Ruhe trauern und Abschied nehmen. Es genügt völlig, den Tierarzt am folgenden Morgen zu kontaktieren. Anschließend bieten sich dem hinterbliebenen Tierbesitzer verschiedene Möglichkeiten. Eine wäre eine schlichte Tierkadaver-Entsorgung, was jedoch für die meisten gar kein Thema ist, zu stark ist die emotionale Bindung und eine richtige Bestattung oder zumindest Ein­äscherung ist selbstverständlich.

Die Tierärzte vermitteln die Tierbesitzer dann in der Regel an ein Tierbestattungsinstitut, wo das Tier entweder kremiert, also eingeäschert, oder erdbestattet wird. Normalerweise hat man bei der Einäscherung die Wahl, ob das Tier einzeln verbrannt wird und man die Asche zurückerhält oder ob es in einer Sammelkremierung verbrannt wird. Der Unterschied ist nicht nur eine Preisfrage, sondern natürlich auch, ob die Asche hinterher aufbewahrt oder bestattet werden soll. „Anders als bei Menschenasche gibt es bei Tierasche keine Vorschriften, man darf sich also eine Urne ins Wohnzimmer stellen oder sie vergraben“, erklärt Johann Balint, Betriebsleiter des Tierkrematoriums in Oedheim. Neben der Kremierung bietet das Unternehmen auch den Service, das Tier abzuholen beziehungsweise kühl zu lagern. Außerdem haben die Tierbesitzer die Möglichkeit, in einem besonderen Raum noch einmal Abschied zu nehmen und die Prozedur mitzuverfolgen, wenn sie das möchten.

Ein Mindestgewicht gibt es übrigens bei Einäscherungen von Haustieren nicht. Vom Wellensittich über Maus und Hamster, Papagei und natürlich Katzen, Kaninchen und Hunde, jedes Tier kann kremiert werden und viele Menschen nehmen diese Möglichkeit laut Balint auch in Anspruch. Mit rund 300 bis 350 Gramm Asche muss der Tierbesitzer bei einer durchschnittlichen Katze rechnen, bei einem größeren Hund können es schon über 1500 Gramm sein. Die Asche kann dann mit nach Hause genommen werden und einen Platz dort finden, oder aber die Besitzer entscheiden sich dafür, die Urne zu beerdigen.

Tierfriedhof als Alternative

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das Tier ohne vorherige Verbrennung zu beerdigen. Zwar sind Tierfriedhöfe in Deutschland noch dünn gesät, aber es gibt sie und sie werden dankbar angenommen. Seit gut zehn Jahren können auf einem Grundstück des Tierschutzvereins Altkreis Crailsheim Tiere bestattet werden. Auf dem 10 000 Quadratmeter großen parkähnlichen Gelände mit Streuobstwiese und Schafweide ist eine Fläche für Tierbestattungen vorgesehen. Etwa 80 Tiere haben hier im vergangenen Jahrzehnt ihre letzte Ruhe gefunden.  Ansprechpartnerin für den Friedhof ist unter anderem Tierärztin Susanne Gienger, die zusammen mit anderen Ehrenamtlichen den Friedhof initiiert hat. Sie ist es meistens auch, die das verstorbene Tier beerdigt. „Das ist auf jeden Fall ein Platz für Trauer“, bestätigt sie und erzählt, dass die Bänkchen, die auf dem Friedhof aufgestellt sind, rege in Anspruch genommen werden von den ehemaligen Besitzern, die regelmäßig die Gräber besuchen.

Gräber anlegen

Auf dem Friedhof werden die Tiere beziehungsweise deren Asche nicht einfach nur vergraben, sondern es dürfen richtige Gräber angelegt werden, mit Blumenschmuck und Grabstein. Die Liegezeiten richten sich nach der Größe des Tieres, könnten aber theoretisch verlängert werden, was jedoch laut Gienger noch nie in Anspruch genommen wurde. Da der Friedhof ehrenamtlich betrieben wird, kann es manchmal ein paar Tage dauern, bis ein Grab ausgehoben und das Tier bestattet werden kann, hier bittet Gienger um Verständnis. „Wir versuchen das alles schön zu machen, aber mit nur Ehrenamtlichen ist es nicht immer einfach, das zu bewältigen“, erklärt Susanne Gienger und betont, dass sich der Verein über freiwillige Helfer jederzeit freuen würde.

Informationen zu Tierbestattungsinstituten in der näheren Umgebung gibt es in der Regel beim Tierarzt. Informationen zum Tierfriedhof des Tierschutzvereins Altkreis Crailsheim finden sich unter www.tierschutzverein-crailsheim.de. Dort stehen auch die Kontaktdaten der Ansprechpartner.

Wer sein Tier doch im eigenen Garten bestatten möchte, der muss einige gesetzliche Regelungen beachten: Es muss sich um das eigene Grundstück handeln. Wer zur Miete wohnt, muss sich eine Genehmigung vom Vermieter einholen. Das Tier muss mindestens 50 Zentimeter hoch mit Erde bedeckt sein. Es muss in schnell verrottendes Material wie Stoff eingewickelt sein und die Urne muss aus schnellverrottendem Material bestehen. Ein Mindestabstand zum nächsten öffentlichen Weg muss eingehalten werden. Auskunft darüber gibt es bei den örtlichen Behörden. Auf Grundstücken, die in einem Wasserschutzgebiet liegen, dürfen grundsätzlich keine Tiere bestattet werden. juvo

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