Weniger Milch macht Markt munter

Zuerst fielen die Preise ins Bodenlose, dann stabilisierte sich der Markt: Das Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl blick auf ein zweigeteiltes Jahr 2016 zurück.

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Verantwortlich fürs Ergebnis des Milchwerks: Geschäftsführer Josef Vögele, Vorstandsvorsitzender Gerd Moser und Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Bullinger (von links).  Foto: 

Alles in Butter beim Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl? Davon kann nach einem Jahr 2016, das wahrlich katastrophal begann, nicht die Rede sein. Aber immerhin: In der zweiten Jahreshälfte fiel die Erholung umso erfreulicher aus. Womit wir wieder bei der Butter wären, deren Preis das Ab und das Auf vortrefflich dokumentiert: Zwischenzeitlich mussten nur 2,26 Euro pro Kilogramm Butter hingelegt werden, im November waren es dann 4,48 Euro. Unterm Strich konnten der Milchwerk-Geschäftsführer  Josef Vögele und der Vorstandsvorsitzende Gerd Moser auf der Generalversammlung am Dienstag in der Hirtenwiesenhalle ein gutes Ergebnis verkünden (siehe Info).

Erinnerungen an 2009

Nach den ersten Monaten 2016 hätte das wohl kaum jemand für möglich gehalten. Es war das erste komplette Jahr ohne Milchquote, rekordverdächtige Mengen des gemolkenen Rohstoffes wurden angeliefert, der Preis stürzte ins Bodenlose. Nur noch deutlich unter 25 Cent pro Kilogramm gab es zwischenzeitlich für die Erzeuger. Erinnerung ans schwarze Jahr 2009 wurden wach. Nur durch die staatliche Einlagerung von 350.000 Tonnen Magermilchpulver habe ein Kollabieren der Märkte verhindert werden können, betonte Vögele.

Die Politik reagierte mit hektischer Betriebsamkeit. Es gab Milchgipfel, ein Milchmengenreduzierungsprogramm und ein Milchmengenstabilisierungsprogramm. „Diese Programme kamen zu spät und haben nicht wirklich geholfen“, befand Vögele. „Die Trendwende haben die Milcherzeuger selbst eingeläutet.“ Sie nämlich schränkten ihre Produktion ein, wodurch der Preis deutlich anstieg.

Deutschlandweit wurde 2016 ein Durchschnittspreis von 26,75 Cent pro Kilogramm Milch erreicht, in Süddeutschland waren es 28,5 Cent, beim Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl immerhin 29,35 Cent. Das ist ein Minus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2017 entwickelt sich der Milchmarkt bisher stabiler. Vögele wollte deshalb aber nicht in Jubel ausbrechen: „Das Preisniveau von aktuell circa 34 Cent pro Kilogramm ist immer noch nicht diskutabel und lässt den Landwirten kaum Möglichkeiten, Reserven zu bilden.“

So gibt es immer weniger Milchviehbetriebe. Der Crailsheimer Baubürgermeister Herbert Holl wies in seinem Grußwort darauf hin, dass das Milchwerk 2004 noch 819 Lieferanten gehabt habe, 2016 lediglich 429. Das erklärt wohl – neben dem guten Wetter – dass in der Hirtenwiesenhalle einige Plätze frei blieben.

Für den Vorstandsvorsitzenden Gerd Moser hat das auch mit der fehlenden Wertschätzung für den Beruf des Landwirts und immer strikteren Tierhaltungsvorgaben zu tun. Der bäuerliche Familienbetrieb werde durch den „Wettbewerb um immer schärfere Anforderungen“ mehr und mehr verdrängt. „Hier fragt man sich: Will man uns Landwirten jetzt erklären, wie Milch zu erzeugen ist, wo doch unser größtes Kapital die Kuh ist, die wir melken?“ Mit diesem Kapital gehe man selbstverständlich verantwortungsbewusst um. Moser forderte mehr Selbstbewusstsein der Bauern.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Bullinger beklagte, dass Landwirtschaft zunehmend als Tierquälerei und Kühe als Klimakiller dargestellt würden. Die Bauern arbeiteten schon immer mit der Natur, nicht gegen sie. Da schloss sich natürlich auch Klaus Mugele vom Bauernverband in seinem Grußwort an.

Versöhnlicher ging es bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu, die die Vorsitzende des Maschinenrings Crailsheim, Charlotte Landes, vornahm. Beide Gremien wurden einstimmig entlastet. Kein Genossenschaftsmitglied hatte Fragen zum soliden Ergebnis.

121,2 Millionen Kilogramm wurden 2016 beim Milchwerk angeliefert. Das sind 0,5 Prozent weniger als 2015. Pro Tag waren es durchschnittlich 332.000 Kilogramm.

37 Milcherzeuger stellten 2016 ihre Produktion ein. Zum Jahresende gab es noch 429 Erzeuger, die das Milchwerk belieferten.

127 Millionen Kilogramm Milch wurden zu Käse verarbeitet – 96 Prozent der gesamten Milch (inklusive Zukauf). Das sind 3,8 Millionen Kilogramm mehr als im Vorjahr. 13.600 Tonnen Balkankäse wurden hergestellt (plus 730 Tonnen), 2600 Tonnen Grillkäse (plus 90 Tonnen), 2000 Tonnen Kashkaval (wie im Vorjahr).

713 Mitglieder hatte die Genossenschaft Ende 2016. Das sind 18 weniger als zu Beginn des Jahres.

Der Umsatz der Genossenschaft ist um 2,1 Millionen Euro auf 64,7 Millionen Euro gestiegen. Die angegliederte Käserei Crailsheim GmbH machte einen fast unveränderten Umsatz von rund 3,2 Millionen Euro. 2014 hatte der Umsatz noch 2,3 Millionen Euro höher gelegen.

Unterm Strich ergibt sich ein Bilanzgewinn von 72.000 Euro. Sie werden je etwa zur Hälfte in die gesetzliche Rücklage und die Betriebsrücklage eingestellt. Das beschloss die Versammlung einstimmig. sebu

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