Warum der Angelsportverein Jagst Langenburg um seine Mitglieder und die Zukunft bangt

"Da blutet mir das Herz" ist ein Satz, den man von Anglern beim Anblick der vielen toten Fische in der Jagst gerade ziemlich oft hört.

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Eingesammelt statt geangelt: Lars Heinzmann vom ASV mit einem rund zehn Jahre alten Wels.  Foto: 

Achim Thoma, der Vorsitzende des Angelsportvereins (ASV) Jagst Langenburg berichtet von einem 1,98 Meter großen Wels und einem 1,20 Meter großen Hecht, die sie aus dem Fluss fischten. Bis solche Welse und Hechte wieder heranwachsen, dauert es acht bis 15 Jahre. Insgesamt hatten die Langenburger sowie deren Angelfreunde aus Crailsheim, Gaildorf und Jagstheim acht Tonnen tote Tiere in den Händen. Thoma geht davon aus, dass 16 Tonnen "gar nicht erst hochgekommen" sind.

Vom runden Tisch im Landratsamt Schwäbisch Hall am Dienstag hätte sich Thoma mehr erhofft, wie er sagt. Es wurde viel geredet. Kontrolle der Düngeverordnung, Durchlässigkeit der Wehre, solche Sachen. Aber es wurde wenig über Fische geredet. Der ASV-Vorsitzende hätte sich "schnelle und unbürokratische Hilfe" gewünscht, vielleicht auch finanzieller Art, kurzum: eine Perspektive. "Das habe ich vermisst." Denn für Thoma steht die Zukunft des Vereins auf dem Spiel. "Es geht um meine Vereinsmitglieder", betont er. Die fragen sich nämlich: Weshalb soll ich einen Beitrag zahlen, wenn ich meinem Hobby nicht mehr nachgehen kann?

Man müsse "alles daran setzen, dass die Vereine sich nicht auflösen, weil die Jagst nicht mehr befischbar ist", so sagt es Hubert Schick, der forstliche Betriebsleiter vom Schloss Langenburg. Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg ist nicht der Eigentümer des Flusses, er hat aber ein eingetragenes Fischereirecht auf 13 Kilometern, das er nicht selber ausübt und deshalb an Privatpersonen und Vereine wie den ASV verpachtet. Rund 7000 Euro an Einnahmen kommen so pro Jahr zusammen. "Das sind im Vergleich zum gesamten Schaden Peanuts", sagt Schick. Mehr als die Hälfte der 7000 Euro zahlt der ASV, für den sind ein paar tausend Euro natürlich viel Geld. Um den Schaden vielleicht etwas einzudämmen, hat Thoma vor ein paar Tagen ein Spendenkonto eingerichtet.

Über das künftige Vorgehen werde noch mit den Pächtern gesprochen, so Schick. Auf die Pachteinnahmen würden sie ungern verzichtet, heißt es, aber die müssten ja nicht von den Vereinen kommen. Die Frage sei schließlich, wer für den Schaden aufkomme und ob Versicherungsansprüche geltend gemacht werden könnten. "Eine Pacht für ein Gewässer, wo nichts drin ist", will Schick auch nicht in den Kopf. Er hält "außerordentliche Kündigungsgründe" für denkbar, aber davon will beispielsweise Thoma nichts wissen: Es ist und bleibt doch ihre Jagst.

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