Von "Haustürgeschäften" können Kunden 14 Tage lang zurücktreten

Die Verbraucherrechterichtlinie weitet das Widerrufsrecht von Kunden aus und nimmt Betriebe verstärkt in die Informationspflicht. Für die heimischen Handwerker bedeutet das mehr Arbeit.

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Vor allem Gewerke, die ihre Geschäfte bei Kunden vor Ort abschließen, sind von den Neuregelungen betroffen. Archivfoto

Bundesweit zeigt sich das Handwerk von der konjunkturellen Abschwächung unbeeindruckt. Auch in Heilbronn-Franken wird die Lage als stabil eingeschätzt. Die Betriebe verzeichnen eine hohe Auslastung und in den letzten Monaten hat jeder siebte Betrieb Personal aufgebaut, nur jeder zehnte seine Belegschaft verkleinert. Diese Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung bei Maler, Maurer und Co. gab Kurt-Georg Schreiber, Vizepräsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, am Dienstagabend den Obermeistern der Kreis Handwerkerschaft Schwäbisch Hall.

Doch trotz positiver Grundstimmung steht das heimische Handwerk vor Herausforderungen. So bringen gesetzliche Veränderungen mehr Arbeit und Risiken für die Betriebe mit. Zu ihnen zählt die sogenannte Verbraucherrechtlinie, die die EU 2011 erlassen hat und die seit Juni anzuwenden ist. Daher war bei den Obermeistern auch Julia Cabanis zu Gast. Sie leitet die Rechtsabteilung beim Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg und klärte am Dienstagabend über die zentralen Änderungen auf, die zum Schutz der Verbraucher die Handwerksbetriebe stärker in die Pflicht nehmen. Hierzu betonte sie zunächst, dass noch kaum Fälle bekannt sind, bei denen die gesetzlichen Veränderungen große Konsequenzen gehabt hätten.

"Am stärksten betroffen von den Neuerungen sind die Baugewerke, da sie häufig ihre Geschäfte beim Kunden vor Ort verrichten. Aber auch Fernabsatzverträge, zum Beispiel über das Internet, fallen darunter", betont Cabanis. Denn das Widerrufsrecht beim "Haustürgeschäft" wurde ausgedehnt. Es besagt jetzt, dass der Kunde von allen Verträgen, die außerhalb der Geschäftsräume des Betriebes geschlossen werden, 14 Tage lang zurücktreten kann. Ausgenommen sind zum Beispiel Verträge zum Neubau eines Hauses, Verträge mit Maßanfertigungen oder dringende Reparaturen im Zuge von Notfällen. Damit Elektriker und Co., die zum Kunden in die Wohnung kommen, um Umbauten oder weitere Maßnahmen zu beschließen, sicher sind, dass der Kunde im Nachhinein den Vertrag nicht widerruft, empfiehlt die Expertin im Anschluss schriftlich den Vertrag zu verschicken. Dann gilt der Abschluss nicht als Haustürgeschäft.

Verschärft wurde auch die Informationspflicht der Betriebe. Der Handwerker muss seine Kunden auf das Widerrufsrecht hinweisen und ihm ein Musterformular für den Widerruf überlassen. Hier empfiehlt die Expertin am Wortlaut der Musterdokumente auf keinen Fall Änderungen vorzunehmen, da sonst schnell Abmahnungen ins Haus flattern könnten. Unterlässt der Handwerker die Belehrung kann der Kunde sogar noch ein Jahr und 14 Tage nach Vertragsabschluss von diesem zurücktreten. "Auf die Handwerker kommt mit den neuen Regelungen mehr bürokratischer Aufwand zu", ist Cabanis sicher.

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