Volkszählung: Crailsheim reißt die 33.000er-Marke

Plötzlich gibt es 1,5 Millionen Deutsche weniger - zumindest als gedacht. Das ist das Ergebnis der Volkszählung 2011. Auch die meisten Gemeinden im HT-Land sind geschrumpft. Kirchberg ragt dabei heraus.

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  • Es gibt zwar weniger Crailsheimer als vermutet, aber das Gedränge beim Bieranstich auf dem Volksfest wird sicherlich auch heuer nicht geringer als hier 2011 - es hat sich schließlich kein Feierwütiger in Luft aufgelöst. 1/2
    Es gibt zwar weniger Crailsheimer als vermutet, aber das Gedränge beim Bieranstich auf dem Volksfest wird sicherlich auch heuer nicht geringer als hier 2011 - es hat sich schließlich kein Feierwütiger in Luft aufgelöst. Foto: 
  • Einwohnerzahlen der HT-Gemeinde nach dem Zensus. 2/2
    Einwohnerzahlen der HT-Gemeinde nach dem Zensus. Foto: 
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Bevor hier falsche Hoffnung aufkeimt: In den Zelten und Wirtschaften des Fränkischen Volksfests und der Muswiese wird es auch heuer eng wie eh und je. Zwar gibt es weniger Hohenloher als angenommen, aber das ist Statistik. Wirklich verschwunden ist deshalb noch lange keiner. Und dennoch liefert das vorläufige Zensus-Ergebnis interessante Fakten zur Region.

Die Einwohnerzahl Crailsheims zum Beispiel sinkt wieder unter die 33.000er-Marke und lag zum Stichtag 9. Mai 2011 bei 32.303 - ein Minus von 2,4 Prozent. Basis für die bisher angenommenen Größen sind Angaben des statistischen Landesamts aus dem Dezember 2011. Ungenauigkeiten bleiben bei einem Vergleich der Zahlen freilich nicht aus - etwa wenn in einer Gemeinde viele Saisonarbeiter tätig sind.

Die Differenz in Crailsheim liegt unterhalb des Landesdurchschnitts (Minus 2,5 Prozent), aber oberhalb des Bundesdurchschnitts (Minus 1,9 Prozent). Im Verbreitungsgebiet des HOHENLOHER TAGBLATTS sind lediglich Schrozberg, Rot am See und Ilshofen über Nacht gewachsen, alle anderen Kommunen verbuchen einen Bevölkerungsrückgang. Dieser fällt aber sehr moderat aus und liegt fast durchgehend unter Landes- beziehungsweise Bundesdurchschnitt - abgesehen von Kirchberg. Das Städtchen und seine Teilorte haben laut Volkszählung 4103 Bewohner, während das statistische Landesamt von 4312 Kirchbergern ausgegangen war. Das ist ein Minus von gut fünf Prozent (alle Zahlen siehe Grafik oben).

Wie kann es zu solchen Unterschieden kommen?

Die Präsidentin des statistischen Landesamts, Carmina Brenner, erklärt es mit unsorgfältigem Meldeverhalten. Das heißt: Wegzug ohne Abmeldung im bisherigen, aber mit Anmeldung im künftigen Wohnort. Die Folge: "Mehrfachidentitäten". Volker Plieninger, Leiter des Crailsheimer Einwohnermeldeamtes, wundert sich: Er sei bisher von einem gut funktionierenden Meldesystem ausgegangen.

Unabhängig von den Gründen, kann die statistische Achterbahnfahrt gravierende Folgen haben. Denn: Wie viel Geld im kommunalen Säckel klingelt, hängt maßgeblich von der Bevölkerungszahl ab. Ab 2014 wirken sich die Zensus-Zahlen schrittweise aus. Das eh schon klamme Berlin wird dann wohl mit einer halben Milliarde Euro weniger auskommen müssen.

So hart trifft es die hiesigen Kämmerer aber nicht, schließlich müssen sie nur einen moderaten Rückgang verwalten. Weil künftig landesweit von weniger Menschen ausgegangen wird, die Summe des zu verteilenden Geldes aber voraussichtlich gleich bleibt, gibts eben mehr Geld pro Kopf. So kann durchaus der Fall eintreten, dass eine Stadt oder Gemeinde zwar statistisch geschrumpft ist, aber dennoch höhere Zuweisungen erhält - weil das Bevölkerungsminus andernorts noch größer war.

Nach Kirchberg indes wird künftig spürbar weniger Geld fließen. Bürgermeister Stefan Ohr verkündete jüngst im Gemeinderat, dass es sich dabei durchaus um einen sechsstelligen Betrag handeln könnte. Vielleicht tröstet es den Schultes ja, dass er im Gegensatz zu seinem Berliner Amtskollegen wenigstens keinen neuen Flughafen zum Laufen bringen muss.

Jenseits der Bevölkerungszahl: Wichtige Erkenntnisse des Zensus im Überblick
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