Voith Turbo Crailsheim: Ein Leuchtturm für Nachahmer

Als ein "Vorbild für andere Voith-Standorte" und "Leuchtturm für weitere Betriebe" bezeichnete Roland Klinger am Mittwoch Voith Turbo Crailsheim. Da hatte er das Unternehmen gerade mit einem Preis bedacht.

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KVJS-Verbandsdirektor Professor Roland Klinger (Mitte mit Urkunde) überreichte gestern die Auszeichnung für vorbildliches "Betriebliches Eingliederungsmanagement" an Geschäftsführung und Beschäftigte bei Voith Turbo.  Foto: 

Während Klinger als Verbandsdirektor des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) die Leistungen des Crailsheimer Unternehmens bei der Eingliederung langfristig Erkrankter würdigte, hob Personalleiter Sebastian Henke die Gemeinsamkeiten hervor: "Die Auszeichnung ist eine Wertschätzung der gemeinsamen Arbeit aller Beteiligten bei Voith in Crailsheim."

Ausgezeichnet wurde das Engagement der Crailsheimer Voith-Niederlassung - übrigens der zweitgrößten in Europa hinter der Zentrale in Heidenheim - in Sachen "Betriebliches Eingliederungsmanagement" (BEM). Die gestrige Ehrung war verbunden mit einer Prämie von 3000 Euro, die für präventive gesundheitsfördernde Maßnahmen im Betrieb verwendet werden soll.

Als Betriebsvereinbarung eingeführt wurde BEM am Standort 2011 auf Anregung des Arbeitgebers. Es geht dabei darum, Mitarbeitern bei längerer oder häufiger Erkrankung - ab sechs Wochen im Jahr - die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu erleichtern. Die Teilnahme am Verfahren ist freiwillig. Dafür wurde speziell ein Integrationsteam gegründet, dem Vertreter des Betriebsrats, Personalleiter, Betriebsarzt und bei Bedarf Schwerbehindertenvertreter und Sozialberater angehören.

Die erste Bilanz liest sich beeindruckend: Seit Einführung wurden von 57 Verfahren 47 erfolgreich abgeschlossen, rund 82 Prozent. "Das bedeutet gleichzeitig, dass Kündigungen oder vorzeitige Ruhestände vermieden werden konnten", klärte Verbandsdirektor Klinger auf. Außerdem hätten sich Ausfallzeiten und Krankheitskosten verringert, Mitarbeitermotivation und Perspektiven für schwerbehinderte Menschen und langzeitkranke Frauen und Männer dagegen verbessert.

Klinger lobte die "herausragenden Rahmenbedingungen für die Einführung des Eingliederungsmanagements bei Voith Turbo". Die BEM-Vereinbarung wurde inzwischen als besonders gelungenes Musterbeispiel in die Leitlinien des Voith-Konzerns eingearbeitet.

Dass all der Einsatz immer noch kein Selbstläufer ist, machte Klinger ebenfalls klar. So sind nach deutscher Sozialgesetzgebung seit 2004 alle Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten verpflichtet, fünf Prozent der Arbeitsplätze für Schwerbehinderte freizuhalten. Sonst drohen Ausgleichszahlungen - in Baden-Württemberg zuletzt 80 Millionen Euro. Den Anforderungen kamen laut Klinger von 20 404 infrage kommenden Unternehmen im Lande 11 136 nicht nach. Im Kreis Hall erfüllen 189 von 406 nicht die Quote.

Voith-Standortleiter Matthias Grawe erwähnte die positive Unfallbilanz des Unternehmens. Seit 2009 seien die Unfälle pro einer Million Arbeitsstunden dank etlicher Präventionsmaßnahmen von 19,3 auf 3,2 zurückgegangen. "Das Ziel sind 2,0 Unfälle", kündigte Grawe an. Für ihn sei es genauso wichtig, sich auf die Gesundheit, also die Vorbeugung zu fokussieren. Dazu biete das Unternehmen viele Chancen. Und Oberbürgermeister Rudolf Michl sagte, er sei glücklich, "einen Betrieb wie Voith in der Stadt zu wissen".

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Es kann jeden treffen - ob jung oder alt, behindert oder nicht: Ein Unfall, eine Erkrankung, und schon fällt im Betrieb ein Mitarbeiter für längere Zeit aus. Aufgaben bleiben liegen oder müssen auf eigentlich gut ausgelastete Kollegen verteilt werden. Dann ist "Betriebliches Eingliederungsmanagement" (BEM) gefragt. Das Integrationsamt des Kommunalverbands für Jugend und Soziales hilft dabei und bietet unter anderem Seminare, Kurse und Workshops an. KVJS-Berater Thomas Lambert hat mit Voith Turbo von Beginn an kooperiert und den Prozess begleitet. Weitere Infos können der Seite www.kvjs.de entnommen werden

HT

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