Visuelle Überrumpelungen

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Martin Schwarz hält eines seiner neuen Kunstbücher, „Erkennendes Wissen“, vor „Eine imaginäre Familie von Alexej Jawlensky“ in Händen  Foto: 

Dass für Martin Schwarz ein Porträt nicht einfach ein Porträt ist, wundert niemanden, der den in Bartenstein lebenden Schweizer Künstler kennt. So durfte man auch dieses Mal auf Schwarz‘ neueste Ausstellung im Schrozberger Schloss gespannt sein.

Das Porträt steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Wundern durfte man sich etwa über seine „Mona Lisa“, die sich nicht allein auf dem Bild findet. Neben ihr hat Schwarz ihren eigentlichen Maler, Leonardo da Vinci, postiert, beide vor einem anderen, abstrakt anmutenden Bild, sie dabei schon stark ergraut.

„Leo und Mona“ ordneten der vortragende Holger Hansberg und Manfred Kiesel, der die Einführungsrede verfasst hatte, unter der Rubrik „Collage“ ein. Grobe Einteilungen in Epochen gebe es nicht mehr. Stattdessen spreche man bei heutigen Künstlern von Strategien. Und die Collage sei eine von Martin Schwarz.

Er wende sie in mehrfachem Sinne an. Bei „Leo und Mona“ sei es das Zusammenführen: „Die Zusammenführung von Malerporträt und porträtierter Person ist eine – flott gesagt – Super-Idee und die die Ideenkunst von Martin Schwarz fast schon ein Erkennungsmerkmal.“ Anders sieht es etwa bei „Tierisches in Van-Gogh-Bildern“ aus. Auf diesen Collagen mit Übermalungen hat Martin Schwarz etwa einen Elefanten auf ein Van-Goghsches Feld gelegt – und ein Kind versucht ihn am Schwanz davon herunterzuziehen.

Hansberg und Kiesel hatten dies unter die Strategie der Irritation eingeordnet. Vor allem Kunstkenner sollten mit diesen Arbeiten irritiert werden: „Sie reizen, machen stutzig, verwirren, überraschen den normalen Blick, vielleicht verursachen sie auch Ärger, vielleicht Freude im Sinne eines Bildwitzes oder einer humorvollen visuellen Überrumpelung.“

Unter den gezeigten Porträts findet man dazu das „Kubistische Portrait (nach Michelangelo)“, „Cézanne impressionistisch“, „Modigliani im Park von Van Gogh“ oder „Dazugestellter Partner (nach Picasso)“. Auf „Die einsame Blume (nach Renoir)“ lässt Schwarz das Porträt sich in vier Bildern gesichtslos werden, bis nur noch eine Blume in einer Landschaft übrig bleibt. Ironisierung ist eine weitere Strategie von Martin Schwarz. Dafür hatte sich der Künstler ein Porträt von Rembrandt vorgenommen: „Die Umsetzung … verzerrt den scheinbar weinselig fröhlichen Gesichtsausdruck besonders im unteren Gesichtsbereich so stark, dass diese Abbildung auch an die eindrucksvollen Porträts von Francis Bacon erinnert.“

Auch die Strategie der Narration, also das erzählerische Moment finde man unter den Porträts dieser Ausstellung. Neben der „Einsamen Blume“ kann man das im bunten Doppelbildnis „Eine imaginäre Familie von Alexej Jawlensky“ nachvollziehen. Und schließlich wurde noch auf die Strategie der Transformation verwiesen:

Martin Schwarz habe auf „Gesichter nach einer Picasso-Kontur“ die gesichtslose Figur Picassos in einen anderen Zusammenhang gebracht; „indem einmal die Figur an sich und zum anderen der Bildgrund mit vielen Gesichtern ausgestattet werden“.

Gesichter finden sich als Blätter getarnt auch auf „Die Schachtel der Zauberflöte“. Und Martin Schwarz wäre nicht er selbst, hätte sich nicht ein Bezug zur Vernissage ergeben. Rebecca und Alexander Katz boten als musikalische Umrahmung verjazzte Zauberflöten-Arien, frei nach Mozart: die Königin der Nacht als Vamp und die Vogelfängerin, die dem Künstler ein Stück Zucker zuführt.

Info: Die neue Ausstellung von Martin Schwarz ist neben der Dauerausstellung im Treppenhaus des Rathauses im Schloss noch bis zum 2. Oktober zu den Öffnungszeiten des Rathauses sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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