Viele Autofahrer parken in Crailsheim ohne Ausweis auf Behindertenparkplätzen

Wer sich mit dem Rollstuhlfahrer Peter König in Crailsheim auf Parkplatzsuche begibt, stellt schnell fest, dass die Behindertenparkplätze ständig belegt sind - von völlig gesunden Menschen.

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Der Kirchberger Peter König hat keine Probleme, sich vom Fahrersitz in den Rollstuhl zu hieven - vorausgesetzt der Behindertenparkplatz ist frei und wird nicht durch Falschparker belegt.  Foto: 

Über das Falschparken wurde in Crailsheim jüngst immer wieder debattiert. Den Stadträten Klaus-Dieter Mümmler und Karl Druckenmüller ist vor allem das Parken auf dem Bürgersteig ein Dorn im Auge. Doch das ist nicht das einzige Problem: Auch Behindertenparkplätze werden häufig belegt.

Der Kirchberger Peter König hat deshalb ständig einen Stapel DIN-A4-Blätter in seinem Auto liegen. "Hier parken nur behinderte oder rücksichtslose Autofahrer", steht darauf. Immer, wenn er einen Falschparker auf einem Behindertenparkplatz ertappt, zieht er ein Blatt aus dem Stapel und klemmt es unter den Scheibenwischer - als eine Art Denkzettel. König hofft, Falschparker so darauf aufmerksam zu machen, dass sie Behinderte in Schwierigkeiten bringen.

Seit sein linkes Bein vor drei Jahren auf einer Baustelle von einer Betonplatte zertrümmert wurde, ist Peter König auf den Rollstuhl angewiesen. Sein Bein ist bis zum Oberschenkel amputiert. Um sich vom Steuer seines Automatik-Autos in den Rollstuhl hieven zu können, muss der 72-Jährige die Fahrertüre bis zum Anschlag öffnen. Aus diesem Grund sind Behindertenparkplätze nicht nur günstig gelegen, sondern auch deutlich breiter als gewöhnliche Parkplätze. "Aber meistens bekomme ich keinen Behindertenparkplatz, weil die Leute zu faul sind, ein paar Schritte mehr zu gehen", sagt der gelernte Elektriker.

König beklagt sich über Falschparker

Peter König ist kein Mensch, der sich viel beklagt. Wenn man ihn fragt, was er empfunden habe, als er nach dem Unfall ohne Bein im Krankenhaus aufgewacht sei, zuckt er mit den Schultern: "Ich wusste, dass es weg ist. Sich deshalb hängen zu lassen, bringt ja nichts." Seine Frau Anita bestätigt die fast stoische Art, mit der er sein Schicksal hingenommen hat: "Er hat es einfach akzeptiert."

Nicht akzeptieren kann er jedoch, dass ihm völlig gesunde Menschen den Parkplatz streitig machen. Wer mit dem Rollstuhlfahrer durch Crailsheim fährt, braucht nicht lange zu suchen, um einen Falschparker ausfindig zu machen. Fast jeder zweite Behindertenparkplatz in der Innenstadt wird von einem Autofahrer ohne Gehbehinderung belegt.

Besonders ärgert sich Peter König über einen Falschparker auf dem Kaufland-Parkplatz. An diesem sonnigen Nachmittag ist der beinahe leer gefegt. Nur vereinzelt stehen Autos vor dem Supermarkt. Es ist reine Bequemlichkeit, die den Autofahrer auf dem Behindertenparkplatz in der Nähe des Eingangs parken lässt.

Als Rollstuhlfahrer weiß Peter König aber auch Geschichten über Hilfsbereitschaft zu erzählen. So kann er seit seinem Unfall etwa keine Sprudelkästen mehr in den Kofferraum hieven. Diese holt er häufig beim Getränkehandel Ley in Gaggstatt. "Fast immer hilft mir ein Asylbewerber dabei, den Kasten ins Auto zu laden", erzählt König. "Wir wollten ihn zum Dank auch einmal auf ein Getränk einladen", fügt seine Frau Anita hinzu. "Aber er wollte nicht."

Falschparken in Crailsheim

Nach Angabe des Ordnungsamts bewegt sich das Falschparken auf Behindertenparkplätzen in Crailsheim seit Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau, mit leichter Tendenz zur Besserung.

Wer sich ohne entsprechenden Parkausweis auf einen Behindertenparkplatz stellt, riskiert nicht nur ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro, sondern auch ein teures Abschleppen. ab

SWP

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