Umsatz und Image in Gefahr

Nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gehen der deutschen Wirtschaft jährlich 50 Milliarden Euro wegen Produktfälschungen verloren. Auch regionale Firmen sind betroffen.

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Fälscher können sich die oft jahrelange Entwicklungs- und Planungsphase - wie hier bei Bürkert - sparen und kopieren einfach das fertige Produkt.  Foto: 

"Wirtschaftsspionage ist ein globales Problem, das sich rasant entwickelt, und auf das wir in allen seinen möglichen Ausprägungen stets vorbereitet sein müssen", betont Wolfgang Narr, Pressesprecher des Polymerspezialisten Rehau in Feuchtwangen. Ein sogenannter Know-how-Schutz sei deshalb seit jeher Bestandteil der Unternehmenskultur. "Das heißt: Wir sensibilisieren alle unsere Mitarbeiter und verdeutlichen durch Fallbeispiele, aber auch über Aushänge, wie sorgfältig mit dem Know-how aus dem eigenen Hause umgegangen werden muss, damit Wirtschaftsspionage bei uns keine Chance hat", so Narr. Um die Bedeutung zu untermauern, hat das Unternehmen sogar einen verpflichtenden elektronischen Lehrgang erarbeitet, den grundsätzlich jeder Mitarbeiter absolvieren muss.

Narr sagt: "Tatsächlich hatte Rehau auch schon mit dreister Produktpiraterie zu tun, als zum Beispiel vor einigen Jahren ein von uns entwickeltes High-Tech-Fensterprofil als minderwertige Kopie auf dem osteuropäischen Markt auftauchte. Mit solchen Fällen setzen sich dann unsere Patentanwälte und letztlich die Justiz auseinander."

Rehau ist hier kein Einzelfall. Auch EBM-Papst aus Mulfingen hat immer wieder mit Produktpiraterie zu kämpfen. Auf der Internationalen Fachmesse für Kälte, Klima und Lüftung - der Chillventa in Nürnberg - präsentierte ein chinesisches Unternehmen Lüfterräder, die offensichtlich einem Produkt von EBM-Papst ähnelten. Die Verantwortlichen des Messestandes wurden durch ein Abmahnungsschreiben aufgefordert, die Kopien unverzüglich aus den Präsentationsflächen zu entfernen. Dem Ventilatorenhersteller gehen durch solche Produktfälschungen jährlich geschätzte 150 Millionen Euro verloren. Das entspricht etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes der EBM-Papst Unternehmensgruppe. "Produkte, die länger als zehn Jahre auf dem Markt sind, werden zu rund einem Drittel kopiert", erklärt Dr. Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung der EBM-Papst Gruppe. Für betroffene Unternehmen entstehe aber nicht nur ein gravierender Umsatzverlust - auch ein Imageschaden könne laut Lindl auftreten, da die gefälschten Produkte zum Großteil eine minderwertigere Qualität aufweisen.

EBM-Papst geht aus diesen Gründen seit vielen Jahren konsequent und systematisch gegen Patent- und Schutzrechtsverletzungen vor. Lindl sagt: "Wir arbeiten zum Beispiel in der fernöstlichen Region mit einer Agentur zusammen, die uns mittlerweile einen Überblick über das Fälscher-Netzwerk erstellt hat. Wir haben schon mehrere Razzien durch lokale Behörden durchführen lassen, die zu einigen rechtskräftigen Verurteilungen geführt haben." Das bewährteste Mittel gegen Produktpiraterie sei allerdings Innovation - die Flucht nach vorne.

Für die Fälscher ist das illegale Geschäft sehr lukrativ: Sie können sich die oft jahrelange Entwicklungs- und Planungsphase sparen und kopieren einfach das fertige Produkt. Während früher Fälschungen nach dem Schwarz-Weiß-Prinzip bereits von weitem anhand der mangelhaften Qualität einwandfrei identifiziert werden konnten, sind die Plagiate heute kaum von den Originalen zu unterscheiden.

Diese Erfahrung macht auch Bürkert aus Ingelfingen. "Unsere Produkte werden fast ausschließlich in China kopiert", erklärt Dr. Gertrud Eppler, Leiterin des Patentmanagements bei Bürkert. "Es werden Magnetventile und Prozessventile, also hauptsächlich Komponenten, 1:1 kopiert, das heißt, dass sie von außen nur schwer von den Originalen zu unterscheiden sind." Das Unternehmen habe deshalb in den letzten Jahren vermehrt Schutzrechte angemeldet. Letztes Jahr konnte Bürkert diese auch erstmals erfolgreich in China durchsetzen. " Außerdem haben wir unsere Kunden informiert und Unterscheidungsmerkmale zwischen Originalen und Kopien kommuniziert", fügt Eppler hinzu.

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