Stimmt die Motivation, stimmen bald auch die Schulnoten

Wenn eines Morgens plötzlich ein Monster im Bett liegt, ist was passiert. Dann folgt meist die Erkenntnis: Lernen und Pubertät passen nicht zusammen. Was Eltern trotzdem tun können. . .

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Vielleicht kennen Sie die Situation: Sie kommen eines Morgens ins Kinderzimmer - und finden ein Monster im Bett. Sie sehen zwar nur die riesigen Füße, aber unter der Decke stinkt und mault es hervor. Das alles hat überhaupt nichts mehr mit dem Kind zu tun, das eben noch auf Ihren Schoß zum Kuscheln kam. Mit anderen Worten: Ihr Kind ist in der Pubertät.

In dieser Zeit wird viel wiederholt

"Pubertät müssen Sie sich so vorstellen", sagt Alexander Kufner in einem Vortrag vor rund 200 Eltern im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim (organisiert hatte den Vortrag der Elternbeirat der Schule): "Da kommt ein Bau-Ingenieur und baut das Gehirn Ihres Kindes um. Zieht neue Leitungen. Legt neue Ordner an." Und wie das bei einem Umbau so ist: Nichts klappt mehr. Will heißen: Das Gehirn ist während der Pubertät lahmgelegt. "Es ist bekannt, dass Schüler während der Pubertät wenig lernen und schnell wieder vergessen." Die Lehrpläne der Schulen seien darauf eingestellt. "Es wird viel wiederholt."

"Aber das ist alles ganz normal", sagt Alexander Kufner. Er muss es wissen. Er ist Jahrgang 1990 und damit selbst noch gar nicht so lang der Pubertät entwachsen. Und überhaupt hat seine eigene Pubertät seine Eltern ziemlich gefordert. In der zehnten Klasse hatte er in den Hauptfächern einen Notendurchschnitt von etwa 4,5. Seine Schule - ein Gymnasium in Ellwangen - bat dringend um ein Gespräch mit den Eltern. Kufner war freilich immer schon ein schwieriger Schüler. "Ich bin Legastheniker und habe ADHS. Das ist eine brisante Mischung. Eigentlich war ich ein Schulversager."

Chance rechtzeitig genutzt

Doch dass damals die Noten so in den Keller rauschten, hatte noch einen anderen Grund: "Ich hatte einfach keinen Bock auf Schule. Ich habe lieber Computer gespielt", sagt Kufner. Nachmittage lang. Einmal hatte er die Sommerferien komplett durchgespielt. "Erst danach ist mir aufgefallen, dass ich kein einziges Mal im Freibad war. Da bin ich erschrocken." Das, das extrem schlechte Zeugnis und eine Jugendfreizeit, auf die ihn seine Eltern geschickt haben und auf der er erlebt hat, dass es auch anders geht, haben ihm die Augen geöffnet. Er bekam außerdem ein Buch über Lernstrategien in die Hände. Er wendete die Methoden an. Gerade noch rechtzeitig: In Klasse 11 bekam er bereits eine Belobigung, in Klasse 12 einen Preis. "Und im Abi hatte ich in Mathe eine 1,0." Damals hatte er bereits eine Firma für Unternehmensberatung und Coaching gegründet. Mittlerweile hat er ein Buch geschrieben. Seine Botschaft: "Was ich kann, können andere auch." Seine Mission: "Ich will Menschen und Firmen erfolgreich machen."

Und deshalb steht er heute in einer übervollen Aula im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim. "Wie können Sie Ihre Kinder in der Pubertät beim Lernen unterstützen", lautet der Titel seines Vortrags. Denn auch wenn die Einflussmöglichkeiten der Eltern gerade in der Pubertät gering sind, gibt es doch Möglichkeiten, die Kinder, besser gesagt die Jugendlichen, zu unterstützen.

Jugendliche brauchen ein Ziel

Das Problem der Kinder sei, das "Jetzt" zu sehen. Und "jetzt" haben sie eben keine Lust und sehen nicht ein, Mathe zu lernen. "Aber selbst Kinder können schon Verantwortung übernehmen", sagt Kufner, der früher selbst nicht wusste, was er machen wollte. Die Motivation, sagt Kufner, "die ist das Allerwichtigste. Wenn Kinder oder Jugendliche wissen, was ihr Ziel ist, gehen sie ganz anders in die Schule."

Doch gerade in der Pubertät haben die Jugendlichen oft keinen Plan, wohin ihr Leben einmal führen soll. Der Berufswunsch "Lokomotivführer" ist Vergangenheit, etwas Neues noch nicht gefunden. "Ziele setzen", sagt Alexander Kufner. "Das ist wichtig. Ich muss doch wissen, wofür ich lerne." Auf der Suche nach diesen Zielen helfen Techniken. Alexander Kufner hat sie angewendet: "Bei mir war das so: Ich finde, Sozialarbeiter ist ein toller Job. Aber die Bezahlung ist schlecht. Deshalb musste ich Unternehmensberater werden."

Zur Person

Alexander Kufner, Jahrgang 1990, gründete mit 19 seine erste Firma, hat mittlerweile einen Bachelor in Betriebswirtschaft und lebt in Schwäbisch Hall. Sein Buch "Stressfrei lernen" ist 2015 im Aasgeier Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro (ISBN: 978-3-0004-8489-6).

UTS

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