Der Gang durch den Ort kann dauern

Ursprünglich war es nur ein Schuppen im dichten Tannenwald, in dem die Ölknechte Harzöl sotten“, steht im Heimatbuch von Roßfeld über den Weiler Ölhaus zu lesen, der am Nordwesthang des Burgberges liegt.

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Ursprünglich war es nur ein Schuppen im dichten Tannenwald, in dem die Ölknechte Harzöl sotten“, steht im Heimatbuch von Roßfeld über den Weiler Ölhaus zu lesen, der am Nordwesthang des Burgberges liegt. 1757 legte der letzte Markgraf Alexander dort einen Fohlenhof an. Dessen Zucht ging 1808 ein, worauf das Gut in mehrere Hände kam.

Fünf Stammfamilien siedelten sich in Ölhaus an. Sie sind auch heute noch dort zu finden: Franz, Springer, Wieser, Waldbauer und Rothermel. Jedes Haus, jede Familie in dem kleinen Weiler geht auf einen dieser fünf Namen zurück. „Aus jeder Familie ist mindestens eines der Kinder dage­blieben oder zurückgekommen“, weiß Magdalene Ehrmann. Sie ist eine geborene Rothermel und lebt im Haus Nummer 3.

Das ursprüngliche Gebäude, das noch auf den Fohlenhof zurückging, wich vor einigen Jahren einem Neubau, doch gleich gegenüber, auf dem Grundstück der Hausnummer 1 steht noch das ursprüngliche Gebäude, wovon ein Stein über dem Türstock zeugt. Allerdings ist es nicht mehr bewohnt. Die Kinder der Familie Waldbauer haben gleich dahinter einen Neubau errichtet, der nun die Nummer 1 trägt.

Mauerfragmente, eine Scheune und die ehemalige Schmiede zeugen noch vom ursprünglichen Aufbau des Gutshofes. Das alte Wohnhaus dient heute dem Waldkindergarten als Notquartier für den Winter und beherbergt Praxisräume der Heilpraktikerin Jutta Bramm. Sie hat sich mit der Dorfgeschichte befasst und weiß viel über die Gebäude, die sie umgeben, zu berichten – so wie die älteren Dorfbewohner, wie Karl Springer. Er weiß zum Beispiel noch, dass im Obergeschoss der Dorfschmiede einst eine ungarische Flüchtlingsfamilie untergebracht war, die mit einer Leiter in die Räume unter dem Dach einsteigen musste. Zwei seiner Töchter wohnen mit ihren Familien ebenfalls in Ölhaus und mit den anderen Dagebliebenen sorgen sie für eine bemerkenswerte Altersstruktur, wie Magdalene Ehrmann zu berichten weiß: „Bei uns stehen sechs Senioren 60 plus 13 Kindern unter 15 Jahren gegenüber. Das ist schon etwas Seltenes“, rechnet sie lachend vor und Jutta Bramm ergänzt mit Blick auf den Kindergarten Spatzennest: „Tagsüber sind zeitweise mehr Kinder als Erwachsene im Dorf.“

Die Ölhäusemer sind nicht nur stolz darauf, dass die Dorfgemeinschaft ständig verjüngt wird und die Einwohnerzahl stetig wächst, sondern auch auf den Zusammenhalt untereinander. „Bei Geburtstagsfeiern oder bei unserer Maifeier haben wir eine Bürgerbeteiligung von 100 Prozent, das ist schon bemerkenswert“, sagt Jutta Bramm. Auch Fremde und Paketfahrer profitieren davon, dass in dem kleinen Weiler jeder jeden kennt, denn obwohl es nur eine Dorfstraße gibt, ist es manchmal schwer, eine Adresse zu finden, da die Häuser im Ort nicht fortlaufend nummeriert sind. „Vermutlich wurden die Nummern vergeben wie die Häuser gebaut wurden“, sagt Jutta Bramm. Sie und die anderen Bewohner wundern sich schon lange nicht mehr darüber, dass die Hausnummer 7 gegenüber der Nummer 15 und neben der Nummer 17 steht.

„Alle Gebäude haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft“, berichtet Karl Springer, doch Voll­erwerbslandwirtschaft gibt es im Ort schon lange nicht mehr. Zwar gibt es noch Rinder auf dem Hof von Bernd Ehrmann, doch vom Hof alleine kann die Familie nicht mehr leben. Auch die anderen Viecher im Ort sind eher Hobby statt Einkommensquelle. Tiere gibt es im Ort trotzdem noch genug, angefangen beim Esel des Kindergartens bis hin zu Lauf­enten, die die Gärten bevölkern.

Ausgewiesenes Bauland gibt es in Ölhaus nicht, jeder Neubau muss gesondert genehmigt werden, da der Ort eigentlich nicht mehr wachsen soll. Mit einem Spaziergang durchs Dorf wäre man schnell fertig, wäre da nicht noch das Haus der Familie Franz, heute Mack, etwas außerhalb. Idyllisch am Waldrand gelegen markiert es die Ortsgrenze, und dort versteckt sich hinter dem Franzensee, der zum Haus gehört, die Quelle der Maulach, davon sind zumindest die Ölhäusemer fest überzeugt, und es spricht vieles dafür. Bis die Einheimischen allerdings durch den Ort spaziert sind, kann schon einige Zeit vergehen, denn an jeder Haustür und jedem Gartenzaun kann man ein Schwätzle halten, wenn die Bewohner zu Hause sind. Am Wochenende treffen sich alle wieder zur Adventsfeier im Kindergarten, denn neben den Eltern und Großeltern der Kindergartenkindern wurde natürlich das ganze Dorf eingeladen. Die Prognosen für die Anwesenheit liegen auch hier wieder bei 100 Prozent.

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