Sich vor den Opfern verbeugen

Kaum hat der Gemeinderat den Beschluss gefasst, wird die Aktion "Stolperstein" auch schon umgesetzt. Vor der Erstverlegung am kommenden Dienstag, 13. November, gibt es am Vorabend einen Vortrag

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Vor sieben Jahren war der Künstler Gunter Demnig in Schwäbisch Hall aktiv, nächste Woche verlegt er in Crailsheim "Stolpersteine". Foto: Hans Kumpf

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Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, mit seinen "Stolpersteinen" an die Opfer des Nazi-Terrors zu erinnern. Bereits in mehr als 700 Städten und Gemeinden Deutschlands und Europas hat er die denkwürdige Aktion umgesetzt. Vielfach wurde er von Ewiggestrigen angefeindet, aber schließlich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Die "Stolpersteine" sind kleine Gedenksteine, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die durch die nationalsozialistische Verfolgung ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Es handelt sich um kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Intention des Künstlers Gunter Demnig ist es unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein.

Trotz des Namens Stolpersteine geht es Demnig nicht um ein tatsächliches "Stolpern". Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt, antwortete: "Nein, nein, man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen."

In Crailsheim werden die ersten Stolpersteine am Dienstag, 13. November, verlegt. Die Aktion beginnt um 9 Uhr auf dem Schweinemarktplatz, geht weiter in der Kapellengasse sowie in der Langen Straße und endet etwa um 10.20 Uhr in der Karlstraße. Schüler der Kaufmännischen Schule werden an Ort und Stelle informative Kurzbiografien der Betroffenen verlesen. Klarinettist Hans Kumpf, der schon in Stuttgart und in Hall mit Gunter Demnig kooperierte, spielt dazu Klezmer-Klänge.

Zur Einführung dieser Aktion findet am Montag, 12. November, um 19 Uhr in der Spitalkapelle ein Vortrag des Künstlers Gunter Demnig statt. Die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am 9. November fällt in diesem Jahr mit Rücksicht auf die Aktion "Stolpersteine" aus.

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